Ulrike Küppers besitzt Hunderte Puppen Puppenfrau aus Niederlangen kann das Sammeln nicht lassen


Niederlangen. Ulrike Küppers kann es nicht lassen. 700 bis 800 Puppen hat sie schätzungsweise inzwischen angesammelt. Dabei hat sie gerade die Suche nach ihrem letzten persönlichen Liebling erfolgreich beendet. „Erika“ komplettiert eine Serie. Doch damit hat die Sammelwut noch kein Ende.

„Das hat mit Sucht nichts zu tun“, sagt Küppers. Sie würde es auch ohne sie aushalten. Die Puppen überraschen sie, kommen in ihr Leben und dann passiert es. Dann hat sie eben wieder eine mehr. „Das ist ein Reiz.“ Und wenn sie unerreichbar sind, dann ist auch das eben so. Unerreichbar heißt: zu teuer. Da müsse man auch mal "Nein" sagen können. Einmal konnte Küppers nicht nein sagen und kaufte eine Puppe im unteren vierstelligen Bereich. „Da bin ich über den Tisch gezogen worden“, sagt sie heute. Sie habe rund das Doppelte von dem bezahlt, was sie wert war.

Erika war trotz Hemmschwelle eine treue Begleiterin

Erika kam als Geschenk zu Küppers. Sie lag 1948 auf dem Weihnachtsgabentisch ihrer Mutter. Doch Küppers vereinnahmt sie, allerdings mit Vorbehalt. „Da war eine Hemmschwelle“, blickt sie zurück. Schließlich war es ja nicht ihre eigene, aber dennoch eine treue Begleiterin, die sie nach ihrem zweiten Vornamen benannte. Einmal musste das Püppchen mit dem blonden, wallenden Haar Rührei essen. Küppers – damals noch nicht einmal Schülerin – wollte spielen und teilen. In Erika lebten kurz darauf Maden. Sie musste zum Puppendoktor und alles kam wieder in Ordnung. Später legte Küppers mit Spielkameradinnen selber Hand an. Erika übersteht eine Operation nicht und das war es dann. „Wir haben sie liebevoll in der Mülltonne bestattet.“ Küppers kichert schelmisch, wenn sie Geschichten wie diese erzählt mit ihrer hellen, fast kindlichen Stimme.

„Vielleicht habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank“

Viele Jahre lang dachte die 72-Jährige nicht mehr an Erika, bis vor vierzig Jahren. Ein Besuch auf einem Flohmarkt in Duisburg ändert alles. Ein Stand mit alten Puppen katapultierte sie in ihre Kindheitstage zurück. Von da an wollte sie ihre Puppen von damals wiederhaben. Nicht dieselben, sondern die Modelle. Nach einigen Fehlkäufen und viel Geduld später findet sie das richtige Exemplar kürzlich bei ihrer Puppenfreundin Maria in Bottrop in der Nähe ihrer Heimatstadt Wanne-Eickel. „Erika stand da vermutlich immer rum“, sagt Küppers. Vermutlich rund 27 Jahre lang. Sie stand ganz oben auf einem Regal. Und plötzlich habe sie die Puppenmutti angesprochen. „Guck doch mal nach oben“. Die Wahl-Niederlangenerin ist immer im Gespräch mit den Figuren. Sie selbst erzählen ihr Geschichten. „Da muss man nicht spinnen, da muss man richtig hinhören, sagt Küppers, die sich bei den Puppen entschuldigt, wenn sie sie vermeintlich zu rüpelhaft aus der Vitrine holt. „Man muss mit denen reden, sonst machen die nicht mit.“ Dass das auf eine Art sonderbar klingt, weiß Küppers. Aber das macht ihr nichts. „Vielleicht habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, und die, die drinstehen, haben 'nen Sprung“. Küppers kichert wieder.

Küppers macht sich ans Katalogisieren

Bärbel ist die Chefin in Küppers' Puppenmuseum im Obergeschoss des Niederlangener Heimathauses und Teil der Serie ihrer aus der Vergangenheit. Bärbel steht im Glaskasten neben Erika, ebenso wie Hans – Teil drei der Zelluloid-Gefährten von damals. Wer Küppers besucht hat, weiß, dass die Sammlung nur größer werden kann, auch wenn eigentlich kein Platz mehr ist. Wie viele es genau sind, will die gelernte Krankenschwester nun herausfinden. Derzeit ist sie an ihrem zweiten Versuch, alle Erikas, Bärbels und Hänschens zu katalogisieren. Mit offenem Ende natürlich und in Gedanken in Bottrop: „Bei Maria sitzt noch eine, die hier her muss.“


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