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Kaufvertrag beschlossen Transrapid geht an Fleischwarenfirma in Nortrup

Von Maike Plaggenborg

Die neue Heimat des Transrapids 09 wird langfristig nicht mehr in Lathen, sondern in Nortrup im Landkreis Osnabrück sein. Foto: Gerd SchadeDie neue Heimat des Transrapids 09 wird langfristig nicht mehr in Lathen, sondern in Nortrup im Landkreis Osnabrück sein. Foto: Gerd Schade 

Lathen. Für 200.001 Euro hat die Firma Kemper aus Nortrup im Landkreis Osnabrück den Transrapid 09 von der VEBEG, dem Verwertungsunternehmen des Bundes, gekauft. Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber bedauert diese Entscheidung.

In der Gemeinde Lathen führt die Straße mit Namen Hermann Kemper hin zum Transrapid 09, der bei der Firma Intis aus der Halle ragt. Nun führt derselbe Name ihn weg von dort. Kemper war der Sohn des Gründers des gleichnamigen Fleischwarenunternehmens und erfand die Magnetschwebebahn. 1934 ließ der Ingenieur sich die Idee patentieren. „Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir den Zuschlag erhalten haben“, sagt Wolfgang Kühnl, Urenkel und Kemper-Geschäftsführer, auf Anfrage unserer Redaktion. Darüber entschieden hat das Bundesverkehrsministerium, das eine Anfrage zur Begründung am Montag offen ließ. „Der Grund war mit Sicherheit die Höhe des Gebots“, sagte Claus Richter, Verkaufsleiter der Vbeg GmbH auf Anfrage. Man habe einen Wettbewerb erzeugen wollen, und die Firma Kemper war mit 200 001 Euro die Höchstbietende unter insgesamt neun – darunter Verschrotter, die Hochschule Bingen und die Samtgemeinde (SG) Lathen. Sie hatte zusammen mit dem Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen einen Betrag von 120 000 Euro geboten – das rund Siebenfache des Betrags einer Verschrottung. Bei einem Schrottpreis von derzeit schätzungsweise 100 Euro por Tonne und dem Zug-Leergewicht von 170 Tonnen hätte es einen Erlös von 17 000 Euro ergeben.

Enttäuschung in der Samtgemeinde Lathen

SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Ministeriums. Die Kommune hatte die Schwebebahn für den Aufbau eines eigenen Museums nutzen wollen. Zwar habe er Verständnis für die Emotionen der Familie des Erfinders Kemper, allerdings werde bei dem Fleischfabrikanten nur ein kleiner Teil der Bahn der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Bund mehr auf unsere Wünsche eingegangen wäre“, sagte Weber im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nach Angaben Kühnls soll der Zug vor dem Verwaltungsgebäude der Firma parallel zur Hauptstraße in Nortrup aufgestellt werden. „Der Transrapid wird auf einem Teil der Originaltrasse aufgeständert“, erläutert Kühnl – allerdings nicht ganz so hoch wie in Lathen. Ein großes Museum sei nicht geplant. Es werde aber wohl Informationen über den Erfinder, sein Patent und die Firmengeschichte geben. Außerdem soll der Zug Schulungs- und Konferenzräume bieten.

Trotzdem ein Museum

Das Museum in Lathen solle es laut Weber dennoch geben. Gezeigt werden sollen darin Vorgängerfahrzeuge. Abseits der Magnetschwebetechnik solle es dabei auch um Elektromobilität gehen.

Wann der TR 09 den Weg in seine neue Heimat im Landkreis Osnabrück antritt, ist noch unklar. Gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Vebeg müsse die Abholung innerhalb von drei Wochen erledigt sein, sagte Richter – unrealistisch angesichts der nahenden Weihnachtszeit. Richter geht daher von Januar aus. Geschäftsführer Kühnl kalkuliert mit dem kommenden März. Bis dahin könnte der Transrapid vor dem Nortruper Firmensitz seine wohl endgültige Haltestelle bekommen haben, vorausgesetzt, von der Baugenehmigung bis zum Aufstellen verlaufe alles reibungslos.

Rückbau der Trasse noch immer offen

Das Angebot der Vebeg startete knapp zwei Wochen vor dem zehnten Jahrestag des Transrapid-Unglücks, bei dem 23 Menschen verunglückten und zehn weitere verletzt wurden. Fünf Jahre nach dem Unfall, bei der Transrapid mit Tempo 170 auf einen auf der Teststrecke vergessenen Werkstattwagen prallte, wurde der Betrieb dort eingestellt. Seitdem gibt es zwischen der Betreibergesellschaft IABG und dem Bundeswirtschaftsministerium unter anderem Streit um die Abriss-Kosten der Versuchsstrecke. Diese liegen bei der 31 Kilometer langen Strecke bei 40 Millionen Euro. Wann die Trasse vollständig zurückgebaut wird, ist weiter offen. Seit den 1970er Jahren ist sie mit rund 860 Millionen Euro gefördert worden.


Der Sohn des Firmengründers, Hermann Kemper, meldete seine Erfindung 1934 beim damaligen Reichspatentamt an. Seine Magnetschwebebahn war die grundlegende Erfindung, die die Entwicklung des Transrapids ermöglichte. 1979 wurde der erste Prototyp vorgestellt. Kemper wurde für seine Forschungen 1972 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet. Bei dem fahrerlosen Transrapid 09 handelt es sich um ein Vorserienfahrzeug für die einst geplante Verbindung zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt. Drastische Kostensteigerungen führten dazu, dass die Planungen 2008 gestoppt wurden. Damit das Zulassungsverfahren des Eisenbahn-Bundesamtes abgeschlossen werden konnte, wurde der Zug dennoch weiter erprobt. Der Testbetrieb wurde in Lathen 2011 eingestellt. Der Transrapid ist in Deutschland im regulären Personenverkehr nie zum Einsatz gekommen. Einzig in Schanghai wird die Magnetschwebebahn seit 2004 auf einer Strecke von 30 Kilometern im Regelbetrieb eingesetzt. Angeschafft wurde die Magnetbahn, die 75 Meter lang und 170 Tonnen schwer ist, einst für 40 Millionen Euro. Ihr Schrottwert liegt – gemessen am derzeitigen Schrottpreis – bei rund 17 000 Euro.