Begleitfahrzeuge für Schwertransporte Niederlangen: Tischlerei macht ein BF-4 zum Wohnmobil

Von Maike Plaggenborg

Spülbecken, ein Bett und Stauflächen baut Günter Ahrens (links) in Begleitfahrzeuge für Kunden wie Michael Polzin (rechts). Foto: Maike PlaggenborgSpülbecken, ein Bett und Stauflächen baut Günter Ahrens (links) in Begleitfahrzeuge für Kunden wie Michael Polzin (rechts). Foto: Maike Plaggenborg

Niederlangen. Die Tischlerei Günter Ahrens aus Niederlangen stattet bereits seit 2007 Begleitfahrzeuge für Schwertransporte aus – nun aber auch Fahrzeuge der nächsten Generation, die einen eskortierenden Wagen der Polizei ersetzen sollen.

„Wir machen aus einem Kastenwagen ein Wohnmobil“, stellt Tischlereiinhaber Günter Ahrens seine Arbeit rund um die Begleitfahrzeuge dar. Ahrens erledigt den kompletten Innenausbau, der bei den Fahrzeugen aus einem Bett, einem Spülbecken, einem Kühlschrank, einem Tisch, der Elektronik und mehreren Stauflächen besteht. „Die Fahrer sind bis zu sieben Tage rund um die Uhr damit unterwegs“, sagt Michael Polzin, der Koordinator der Hilfspolizei bei der Stb Verkehrstechnik GmbH aus Gehrden in der Region Hannover ist. Polzin hat nun drei fertige Transporter der Tischlerei in Niederlangen in Empfang genommen.

Mit Polizeikelle ausgestattet

Zum Einsatz kommt das Modell „BF-4“ – die nächste Generation des Begleitfahrzeugs 3 – bei Schwertransporten, bei denen sie vorweg fahren. Neu dabei ist, dass das Modell mit einem sogenannten Anhaltestab der Polizei ausgestattet ist – weitläufig eher als „Kelle“ bekannt. Dazu ist der Fahrzeugtyp BF 4 mit insgesamt elf Verkehrszeichen – gegenüber dem BF 3 mit zweien – versehen, die auf einer Tafel auf dem Dach mit Lichtern angezeigt werden. Die Anlage ist um 360 Grad drehbar, was beispielsweise bei Fahrten durch Kreisel wichtig ist, erläutert Polzin. Die Fahrzeuge ersetzen Polizeiautos, die pflichtgemäß ab einem bestimmten Maß von Großraum- und Schwerlasttransporten (GST) dabei sein müssen.

Ausnahmen von dieser Regelung gibt es nach Auskunft des Ministeriums für Inneres und Sport seit Mitte März 2016 als Teil eines Pilotprojekts, bei dem die Beamten von Hilfspolizisten privater Firmen ersetzt werden. Auf zwei Jahre angelegt soll während dieser „Forschungsphase“, wie das Ministerium das Projekt bezeichnet, eine „größtmögliche Entlastung der Polizei sowie zeitgleich die Feststellung eines größtmöglichen Erfahrungsschatzes“ erreicht werden, teilte Pressesprecherin Svenja Mischel auf Anfrage mit.

Fünftägige Schulung plus Prüfung für Hilfspolizisten

Wer ein BF 4 fährt, braucht dafür eine fünftägige Schulung mit bestandener Prüfung an der Polizeiakademie Niedersachsen. 70 von teilgenommenen 80 Mitarbeitern aus 13 niedersächsischen Transportfirmen sind nun Hilfspolizeibeamte mit Urkunde, Dienstausweis und fluoreszierendem „Hilfspolizei“-Banner an Fahrzeug und Jacke. Hilfspolizeibeamte dürfen „regelnd in den Straßenverkehr eingreifen“ und sind den Verkehrsteilnehmern gegenüber weisungsbefugt, so Mischel. Allerdings: „Bei Zwischenfällen haben die genauso die 110 zu wählen, wie andere Leute auch“, so Polzin.

„Wachsendes Standbein“ für die Tischlerei

Von einem Anstieg berichtet auch Ahrens – allerdings hinsichtlich seiner Auftragslage. „Für uns ist das ein wachsendes Standbein“, sagt der. 20 dieser neuen Fahrzeuge hat er bereits ausgebaut, hundert weitere Anfragen hat er vorliegen. Alle zwei Wochen erreicht einer der Transporter seinen Hof, sagt Ahrens, der nach eigenen Angaben damit eine Nische für sein Unternehmen mit Kunden in ganz Deutschland und der Schweiz gefunden hat. Seit 2012 ist er mit dem vergrößerten Betrieb im Industriegebiet an der A 31 ansässig.

(Weiterlesen: Polizeibegleitete Schwertransporte aus Kluse Thema in Berlin)


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