Kommune hat weiteren Mitbewerber Fleischwarenfirma will Lathener Transrapid ersteigern

Wer bekommt den Transrapid? Den letzten Magnetzug will nicht nur die Samtgemeinde Lathen, sondern auch die Fleischwarenfirma Kemper aus Nortrup ersteigern. Foto: Gerd SchadeWer bekommt den Transrapid? Den letzten Magnetzug will nicht nur die Samtgemeinde Lathen, sondern auch die Fleischwarenfirma Kemper aus Nortrup ersteigern. Foto: Gerd Schade

Lathen. Im Bieten um den letzten Transrapid in Lathen hat die Samtgemeinde (SG) neben mehreren Schrotthändlern zumindest einen weiteren ernsthaften Mitbewerber, der den Magnetzug erhalten möchte. Die Fleischwarenfirma Kemper aus Nortrup im Landkreis Osnabrück will den TR 09 ersteigern – und zwar komplett. Die Gründe sind familiärer Natur.

„Wir wollen den Zug auf unserem Betriebsgelände integrieren und werden uns als Unternehmen mit einem entsprechenden Gebot beteiligen“, erklärt Kemper-Geschäftsführer Wolfgang Kühnl auf Anfrage unserer Redaktion. Kühnls Urgroßvater Hermann Kemper gilt als Erfinder der Magnetschwebetechnik. 1934 meldete er ein entsprechendes Patent an. Nach ihm ist in Lathen auch die Straße benannt, an der die Transrapid-Versuchsanlage steht.

1350 Mitarbeiter an zwei Standorten

Wie Kühnl weiter ausführt, will das Unternehmen in dem Zug, der aus drei Teilen besteht, die einzeln oder im Paket ersteigert werden können, Konferenz- und Schulungsräume einrichten. Der Fleischwarenproduzent beschäftigt derzeit 1350 Mitarbeiter an zwei Standorten, die meisten davon am Stammsitz in Nortrup. 130 sind in Cloppenburg beschäftigt.

Denkbar sei überdies ein Schauraum für Kunden, so Kühnl weiter. Und schließlich könne ein kleinerer Teil für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, aber weniger mit musealem Charakter, sondern vielmehr mit Informationen über das im Jahre 1888 gegründete und in fünfter Generation familiengeführte Unternehmen Kemper, zu dessen Geschichte eben auch der Transrapid gehöre.

Gemeinsames Ziel: Vor Verschrottung retten

Was die Firma mit der SG Lathen im Bieterwettstreit eint, ist, dass beide den Zug vor dem Verschrotten retten wollen. „So werden wir uns preislich auch positionieren“, sagt Kühnl, ohne eine Summe zu nennen. Die Gebotsfrist des Bundes läuft am Dienstag, 25. Oktober 2016, ab. Dessen Verwertungsunternehmen Vebeg, das die Versteigerung öffentlich ausgeschrieben hat und abwickelt, rechnet im Vergleich zu den Anschaffungskosten für den Transrapid-Zug (rund 40 Millionen Euro) nicht mit einem hohen Erlös. Bei einem Zug-Leergewicht von 170 Tonnen und einem Schrottpreis von derzeit schätzungsweise 100 Euro pro Tonne sei dieser beispielsweise im Fall einer Verschrottung überschaubar, hatte Vebeg-Prokurist Volkmar Kunert während des Besichtigungstermins in Lathen gesagt.

Lathen hat viele Unterstützer

SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) weiß indes um das Interesse des Unternehmens Kemper. „Wir haben miteinander gesprochen und uns gegenseitig Glück gewünscht“, sagt Weber. Was das Gebot der Kommune betrifft, die sich den Magnetzug für den Aufbau eines eigenen Museums sichern will, zeigt er sich im Gespräch mit unserer Redaktion „recht optimistisch“. Inzwischen gebe es eine Reihe von Unterstützern – sowohl finanzielle wie das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen, als auch ideelle wie den Landkreis Emsland, der das Vorhaben in touristischer Hinsicht flankiere. „Die ganze Region will, dass der Transrapid als Teil einer ganz besonderen Verkehrstechnologie in Lathen bleibt“, sagt Weber und berichtet von zahlreichen unterstützenden Telefonaten und Schreiben. Zu den Förderern gehört dem SG-Bürgermeister zufolge auch der Industriekonzern ThyssenKrupp, der sich im Fall einer musealen Verwendung des Zuges allerdings vorbehalten wolle, gegebenenfalls Teile des Fahrzeugs, dessen Testbetrieb in Lathen Ende 2011 eingestellt wurde, ausbauen zu dürfen, ohne jedoch das äußere Erscheinungsbild des Zuges zu beeinträchtigen.

Exponate barrierefrei zugänglich machen

Für die Lathener Museumspläne gilt der TR 09 als „Paradestück“. Die Planungen existieren Weber zufolge schon seit Längerem, sie müssten räumlich allerdings angepasst werden.

Zeitdokumentarisch zumindest als Fragment erhalten bleiben muss nach seiner Auffassung im Übrigen auch ein Teil der Strecke. „Das sollte sich genau bei der Einstiegsplattform, dem Bahnhof wie wir sagen, befinden“, so Weber. Auf dem Fragment könnten dann der TR 09 und auch weitere Vorgängerfahrzeuge präsentiert werden. Über die Einstiegsplattform, die zudem über einen Fahrstuhl verfüge, könnten die Exponate barrierefrei erreicht werden.

Wie Weber weiter ausführt, könnten das ehemalige Besucherzentrum mit dem Kinoraum und den begleitenden Büros und den Sanitärräumen nahtlos in ein Museumskonzept eingefügt werden. Es müsse quasi nur noch die Halle über die Fahrzeuge gebaut werden, um sie dauerhaft vor den Witterungseinflüssen zu schützen. Und weiter käme es natürlich auch darauf an, dass sowohl durch die Zusammenarbeit mit anderen Technikmuseen und insbesondere mit der Touristik GmbH des Emslandes eine aktive Gäste- und Besucherbetreuung gewährleistet werden könnte.

Eine Entscheidung über den Zuschlag fällt Vebeg-Prokurist Kunert zufolge frühestens vier Wochen nach Ablauf der Gebotsfrist. Das letzte Wort habe Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

(Weiterlesen: Lathen gedenkt Opfer des Transrapid-Unglücks)


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