SG-Bürgermeister: Interesse aus China Neue Hoffnung für Transrapid-Strecke in Lathen?

Von Gerd Schade

Zur Versteigerung steht der Transrapid 09 in Lathen. Foto: dpa/ArchivZur Versteigerung steht der Transrapid 09 in Lathen. Foto: dpa/Archiv

Lathen. Ausgerechnet am zehnten Jahrestag des Transrapid-Unglücks mit 23 Toten in Lathen hat Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) Hoffnungen auf eine Zukunft der Magnetschwebetechnik inklusive Wiederbelebung der Versuchsanlage genährt.

In einem Pressegespräch im Anschluss an eine nichtöffentliche Gedenkfeier für die Hinterbliebenen der Unglücksopfer ging er am Donnerstagabend zudem mit der Bundespolitik und und der deutschen Wirtschaft hart ins Gericht und warf ihnen Versagen vor. Weber erklärte, dass es offizielle Anfragen chinesischer Investoren geben würde, die Magnetschwebetechnik mitsamt der Versuchsanlage zu übernehmen und an Ort und Stelle wiederaufleben zu lassen. Dabei berief er sich auf Gespräche mit der Betreibergesellschaft IABG aus Ottobrunn. Ein Sprecher der IABG sagte dazu am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion nichts. Er empfahl lediglich, die Internetseite des Unternehmens im Blick zu behalten. Dort werde man gegebenenfalls Stellung nehmen. Das Bundesverkehrsministerium verwies auf Anfrage zuständigkeitshalber an die IABG.

Der Testbetrieb im Emsland war 2011 endgültig eingestellt worden. Weber zufolge haben innerhalb weniger Jahre mehr als 500.000 Menschen die Anlage besucht. Davon hätten auch Tourismus und Gastronomie profitiert. Der einzige Transrapid im Regulärbetrieb verkehrt seit 2004 in Schanghai – im Übrigen aufgrund eines Besuches des damaligen chinesischen Staatspräsidenten im Zuge der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover, wie Weber betonte.

Die einzige Alternative

„Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das elektromagnetische Schweben die einzige Alternative für ein energiefreundliches Beförderungssystem in Europa ist, das den innereuropäischen Flugverkehr völlig überflüssig macht“, erklärte der Samtgemeindebürgermeister. Zumindest könne die Magnetschwebebahn die Hauptbahnhöfe der Hauptstädte in Europa verbinden und dadurch ein gleichberechtigter Mitbewerber zum Fliegen werden. Nach seiner Auffassung war das Unglück nicht ausschlaggebend für das Ende des Probebetriebs. Auch dürfe es nicht in Zusammenhang mit der Technologie gebracht werden. Unglücksursache war menschliches Versagen.

Aus Fernost zurückkaufen

Aber vielleicht müssten tatsächlich erst die Chinesen kommen, um dem System die Anwendungs- und Marktreife zu verschaffen, meinte Weber. „Dann hätten wir vielleicht in wenigen Jahren mit der bekannten chinesischen Schnelligkeit ein System, was wir – wie viele andere Produkte auch – aus Fernost zurückkaufen können.“

Weber beklagte, dass es mehreren parteipolitisch unterschiedlichen Bundesregierungen nicht gelungen sei, eine geeignete Referenzstrecke zu realisieren, um den zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland die Vorzüge des elektromagnetischen Schwebens näherzubringen. In der Tat sind Pläne für die Strecke Hamburg – Berlin, für Verbindungen im Ruhrgebiet oder für den Transrapid als Flughafenzubringer in München nie realisiert worden. „Wenn man so wie ich seit 1980 die Entwicklung dieses Systems mit hat begleiten dürfen, dann bleibt für die Bewertung der Politik eigentlich nur übrig: Sie alle kamen, wenn interessante Gäste aus Nah und Fern die Anlage besichtigten, um sich mit diesen ablichten zu lassen“, machte Weber aus seiner Kritik an der großen Politik keinen Hehl.

Streit zwischen Bund und Betreiber

Aber auch die Industrie habe keine Entscheidung für eine Strecke herbeiführen können. Zwischenzeitliche Betreibergesellschaften wie die Bundesbahn und die Lufthansa waren nach Webers Auffassung im Übrigen schlechte Protegés der Magnetschwebetechnik. „Denn wer züchtet sich schon freiwillig Konkurrenz heran?“

Gegenwärtig besonders erschreckend sei, dass es der aktuellen Betreibergesellschaft IABG und der Bundesregierung in nunmehr fünf Jahren nicht gelungen sei, den juristischen Streit um die Kosten für den Rückbau der Anlage beizulegen. 2013 hatte das Bundesverkehrsministerium den „finanziellen Gesamtrahmen“ für den Rückbau der Strecke auf Anfrage unserer Redaktion mit 40 Millionen Euro beziffert. Gestritten wird vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Landrat Reinhard Winter (CDU) hält den Rückbau der Versuchsanlage für „überfällig“.

Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen

Mit drastischen Worten kommentiert Weber derweil die Versteigerungspläne des Bundes für den Transrapid 09, das letzte in Deutschland gebaute Anwendungsfahrzeug, das eigentlich für München konzipiert worden sei. Sie seien angesichts der Nähe zum Gedenktag geradezu ein „Schlag ins Gesicht der Angehörigen“. Gerade sie seien es gewesen, die dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler bei der Trauerfeier angetragen hätten, sich für den Erhalt der Versuchsanlage und den Bau einer Referenzstrecke einzusetzen.

Wie auf der Internetseite des Verwertungsunternehmens des Bundes, Vebeg, nachzulesen ist, soll der TR 09, der bis 2011 auf der Teststrecke im Emsland fuhr, am 25. Oktober 2016 meistbietend verkauft werden. Potenzielle Käufer können sich für Besichtigungstermine in Lathen am 11. und 12. Oktober anmelden.

Weber zufolge ist dem Bund sehr wohl bekannt, dass die Gemeinde ein Transrapid-Museum plant. Und da hinein gehöre zu einem symbolischen Preis oder als Dauerleihgabe der TR09 – „und nicht auf den Hof eines potenten Bieters“.