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75-jähriges Bestehen gefeiert „Hier in Lathen-Wahn ist die Gemeinschaft groß“

Von Andrea Schmees | 29.08.2016, 14:44 Uhr

Die Dorfgemeinschaft Lathen-Wahn hat ihr 75 jähriges Bestehen mit einem Heimatabend, einem Festhochamt und einem großen Dorffest gefeiert.

Zwischen 1939 und 1942 wurde das rund 1000 Einwohner zählende Dorf „Wahn“ aufgelöst, damit der Kruppsche Schießplatz erweitert werden konnte. 35 Erstsiedler, die von Alt-Wahn nach Lathen-Wahn umgesiedelt wurden, standen vor einer großen Herausforderung. Die Neubürger von Lathen-Wahn schlossen sich schon bald mit den Bewohnern von Rupennest und Rupennest-Siedlung, Kathen-Siedlung und Ströhn zusammen und schufen die Grundlagen für eine eigenständige Schul- und Kirchengemeinschaft. Es gab zwar eine Gaststätte, eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen im Ort, aber es fehlten eine Kirche und eine Schule in Lathen-Wahn, so Norbert Holtermann, Vorsitzender des Heimatvereins. Im Januar 1943 fand bereits der erste Unterricht in einer Notschule statt. Gemeinsam haben die Dorfbewohner im Jahre 1950 eine Volksschule erbaut. Im Sommer 1993 ist der Schulbetrieb der Grundschule Lathen-Wahn aufgrund mangelnder Schülerzahlen eingestellt worden.

Im September 1994 ist dann in den Räumen der Schule ein Kindergarten eingerichtet worden. „Heute besuchen 138 Kinder in sieben Gruppen den Kindergarten Purzelbaum mit dem Familienzentrum in Lathen-Wahn“, freute ich Bürgermeisterin Luise Redenius-Heber.

Antoniuskirche 1954 geweiht

Die Kirchweihe der neu erbauten St.-Antonius-Kirche erfolgte im Jahre 1954. Die Kirchengemeinde St. Antonius gehört zur Pfarreiengemeinschaft der Kirchengemeinde St. Vitus Lathen, St. Antonius von Padua Renkenberge und St. Bartholomäus Wippingen. Im Jahr 1980 gründete sich die Spielvereinigung Lathen-Wahn. Derzeit gibt es laut Norbert Holtermanm zehn aktive Vereine in Lathen-Wahn.

Bei den weiteren Planungen zum Jubiläumsfeste entstand auch der Wunsch, eine Chronik für das Jubiläumsjahr anzufertigen. „Nach 75 Jahren sei es an der Zeit viele Daten, Geschichten und Ereignisse aufzuschreiben, um sie auch der Nachwelt zu erhalten“, so Holtermann. Daraufhin ist ein Chronikausschuss mit Hubert Foppe, Norbert Holtermann, Julia Kessens, Leon Dierkes und Wilhelm Willers gegründet worden. Der gebürtige Lathen-Wahner Wilhelm Willers aus Meppen hatte bereits seit Jahren zu allen ursprünglichen 35 Erstsiedlern Lathen-Wahns Daten und Fotos der Bewohner gesammelt. Diese Vorarbeit hat Wilhelm Willers dankenswerterweise dem Chronikausschuss als Basis für die Erstellung der Schrift zur Verfügung gestellt, berichtete Norbert Holtermann. „Die Chronik ist so gut angekommen, dass sie bereits ausverkauft ist“, so Hubert Hoppe.

Heimatabend mit 220 Gästen

Das Jubiläumswochenende begann am Samstag mit einem Heimatabend in der Gaststätte „Wahner Eck“. Mehr als 220 Gäste nahmen an dem vom Heimatverein Lathen-Wahn und der Gruppe des Dorfgesprächs Lathen-Wahn vorbereiteten Abend teil. Am Sonntag startete der Festakt zum 75-jährigen Bestehen mit einem Festgottesdienst in der St.-Antonius-Kirche. Im Gottesdienst dankten die Lathen-Wahner für ihre „Heimat“. Der Gottesdienst wurde vom Singkreis Lathen-Wahn sowie vom Chor „Intakt“ mitgestaltet. Pfarrer Francis Sanjeevi sagte: „Gemeinsam ist das Fest organisiert worden, viele tragen zur Dorfgemeinschaft bei- Hier in Lathen-Wahn ist die Gemeinschaft groß und hier wird sie gelebt.“

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann hielt fest: „Es ist kaum vorstellbar, was der Verlust von Heimat bedeutet. 35 Erstsiedler haben ohne Heimat, aber mit großer Zuversicht, ihre Heimat aufgegeben und eine neue Heimat in Lathen-Wahn gefunden.“ Sie glaubten an die Zukunft und hätten großen Mut bewiesen. Die neue Chronik sei nun eine wunderbare Hinterlassenschaft und sorge dafür, dass kein Vergessen stattfinde, so Connemann. Marc-André Burgdorf, Dezernent des Landkreises Emsland, betonte, dass es heute nicht mehr vorstellbar sei, dass auf einen Führungsbefehl hin ein ganzes Dorf zerstört werde. Die Menschen seien ihrer Heimat beraubt und entwurzelt worden. Bürgermeisterin Luise Redenius-Heber freute sich, dass Lathen-Wahn seine eigene Identität bewahrt hat. Lathen-Wahn sei eine starke Gemeinschaft. Beispielhaft nannte sie den erst kürzlich gegründeten Heimatverein Lathen-Wahn, der mit dem Ausschuss Dorfgespräch Lathen-Wahn, „dieses gelungene Fest“ vorbereitet habe.

Große Fotoausstellung

Die Dorfgemeinschaft Lathen-Wahn bot den Gästen ein umfangreiches Programm rund um die Kirche. Es gab eine Oldtimer-Ausstellung, eine Fotoausstellung „75 Jahre Lathen-Wahn“. Mit ihren Auftritten bereicherten der Singkreis Lathen-Wahn, die Kolpingskapelle Lathen, der Shanty-Chor Fresenburg, die Kinder des Kindergartens Purzelbaum und der neu gegründete Männer-Projektchor das Jubiläumsfest.

Eine Besonderheit war das Musik- und Tanzmedley. Gruppen aus dem Ort führten dabei durch die vergangenen 75 Jahre. Die Jahrzehnte wurden von Daniel Weber mit ihren Besonderheiten der Welt- und Ortsgeschichte sowie mit Musik- und Tanzrichtungen vorgestellt. Auch die KLJB Lathen-Wahn zeigte eine Zeitreise durch 75 Jahre Lathen-Wahn und die Zumba-Damen eine Tanzeinlage.