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Schätzungsweise 500.000 Euro Schaden Windkraftanlage in Renkenberge ausgebrannt


Renkenberge. Im Renkenberger Ortsteil Melstrup-Siedlung ist am Donnerstagmorgen eine Windkraftanlage in Brand geraten. Die Feuerwehr hat die Anlage kontrolliert abbrennen lassen, gegen 14.20 Uhr war das Feuer oben in der Getriebegondel endgültig erloschen. Die Höhe des Totalschadens bezifferte die Polizei am Mittag auf schätzungsweise etwa 500.000 Euro.

Als Ursache gilt ein technischer Defekt in der Gondel des Windrades an der Husener Beeke nahe der Bundesstraße 70. Von dort aus breitete sich das Feuer auf die drei Rotorblätter aus.

Die Feuerwehr ist seit 6.30 Uhr alarmiert. Nach ersten Angaben eines Feuerwehrsprechers vor Ort brannte das Windrad lichterloh. Dicke, dunkle Rauschwaden zogen über die Anlage hinweg. Der Alarm wurde zwischenzeitlich erhöht. Die Einsatzkräfte können nach den Worten des Sprechers allerdings kaum eingreifen – auch, weil Teile herunterfallen. „Die Flügel sind runtergefallen und brennen auf dem Boden weiter“, berichtete Sascha Kock von der Freiwilligen Feuerwehr Lathen. Er schloss nicht aus, dass sich weitere Teile lösen. Kock und seine Kameraden halten auch deshalb zum Eigenschutz einen Abstand von gut 200 Metern zu der Anlage. Wie Kock weiter berichtete, wollen die Feuerwehrleute aus der Entfernung heraus die abgefallenen Teile löschen beziehungsweise ein mögliches Ausbreiten des Brandes am Boden verhindern. Ein Löscheinsatz an der Nabe in 80 Metern Höhe sei hingegen nicht möglich. Auf dem Feld, auf dem die Anlage steht, wächst Kock zufolge Mais und Nutzhanf. Brandermittler der Polizei verschafften sich mithilfe von Bildern einer Drohne der Feuerwehr Sögel einen Überblick aus der Luft.

Die Freiwilligen Feuerwehren Lathen und Dörpen waren zwischenzeitlich mit rund 30 Einsatzkräften vor Ort. Später wurde die Zahl auf etwa ein halbes Dutzend reduziert. Sie werden nach den Worten von Sascha Kock zumindest so lange vor Ort bleiben, wie offene Flammen aus der Anlage schlagen. Nach Einschätzung der Feuerwehr könne es durchaus ein bis zwei Tage dauern, bis das Feuer im Maschinenhaus und an den Rotorblättern ausgebrannt sei.

Die brennende Anlage ist Teil des Windparks Renkenberge/Fresenburg. Betrieben wird er von der BVT Holding aus München. Dort wollte man sich am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion nicht zu dem Vorfall äußern.

Zuletzt war Anfang April eine Anlage im Landkreis Stade ausgebrannt. Dabei entstanden mehrere Hunderttausend Euro Schaden. Auf rund zwei Millionen Euro belief sich der Schaden nach dem Brand im Turbinenhaus einer Windkraftanlage bei Laar in der Grafschaft Bentheim im vergangenen Dezember. Auch dort hatte die Feuerwehr die Anlage kontrolliert ausbrennen lassen. Bis zu 150.000 Euro Schaden waren im Februar an einer Windkraftanlage in Dörpen entstanden, ohne dass es in diesem Fall zu einem Brand gekommen war. Offensichtlich hatte sich dieses Windrad trotz zu starken Windes nicht automatisch abgeschaltet.

Im Windpark Renkenberge/Fresenburg drehen sich seit 18 Jahren Rotoren. Auf einer Bürgerversammlung in Renkenberge im März hatte BVT-Geschäftsführer Claus-Eric Gärtner Pläne für ein Repowering der Anlagen vorgestellt. Zuvor hatte es Anwohnerbeschwerden über die Lärmbelästigung einer Anlage gegeben. Wie Gärtner auf der Versammlung weiter ausführte, sollen im nordwestlichen Teil des Windparks vier neue Anlagen mit 149 Meter Nabenhöhe entstehen. Im Gegenzug solle unter Umständen eine der aktuell sieben kleineren Anlagen dort bestehen bleiben. Im südöstlichen Teil des Parks sollen zwei Anlagen, die dem dort zugewandt liegen, auf 115 beziehungsweise 92 Meter verkleinert werden.

Insgesamt sind auf dem 297 Hektar großen Areal elf neue Anlagen geplant. Die BVT Holding betreibt den Windpark zurzeit mit 16 älteren Anlagen, die eine Nabenhöhe von rund 80 Meter haben. Hinzu kommen zwei neue Windräder, die eine Höhe von 138 und 108 Meter erreichen. Mit dem Repowering sollen Effizienz und Ertrag für BVT und Verpächter steigen. Wie BVT-Geschäftsführer Gärtner bei einer Vorstellung der Pläne zu Jahresbeginn im Lathener Rathaus erläuterte, werden die neuen Anlagen eine Leistung von 4,2 Megawatt bringen und pro Stück rund sechs Millionen Euro kosten.

Am frühen Nachmittag teilte die Polizei mit, dass das Feuer in der Gondel gegen 14.20 Uhr endgültig erloschen ist. Feuerwehrsprecher Kock zufolge brannten die herabfallenden Trümmerteile allerdings auch danach noch weiter. Sie wurden teilweise mit Schaum eingedeckt.


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