Seltene Gene erhalten Niederlangener Heimatverein züchtet Niederungsrind


Niederlangen. Lange war das Schwarzbunte Niederungsrind fast schon Teil des hiesigen Landschaftsbildes. Doch inzwischen steht diese Rasse auf der Liste aussterbender Haustierrassen. Der Heimatverein Niederlangen züchtet aktuell mit großem ehrenamtlichen Engagement vier Nachkommen. Damit erhalten die Ehrenamtlichen seltene Gene für die Nachwelt.

Mit einem lauten Muhen werden Gebbeken und Heinrich Schwarte beim Betreten der Weide im Kapellenmoor begrüßt. Es handelt sich um einen kleinen Teil einer 50 Hektar großen Ausgleichsfläche, die im Zuge der Erschließung der Industriefläche an der A31 bereitgestellt werden musste. „Die Kühe warten auf Brötchen. Durch das Füttern per Hand stellen wir sicher, das sie nicht all zu wild werden“, sagt der Rentner Gebbeken, der mit drei weiteren Helfern die Versorgung der Tiere sicher stellt.

Per Kaiserschnitt geboren

Greta ist die jüngste der vier Kühe. Sie wurde am 18. April dieses Jahres per Kaiserschnitt geholt. Mia, Emma und Milli gehören außerdem zu der Herde. Schutz finden sie in einer eigens errichteten hölzernen Hütte. Im Jahr 2006 startete der Heimatverein auf einer rund fünf Hektar großen Weide mit der Zucht, in dem Ehrenamtliche eine Informations- und Schutzhütte errichteten, eine Weide eingezäunten und eine Wasserpumpe einspülten.

Ursprung im 18. Jahrhundert

„Die Ansiedlung dieser Rinderrasse hat mein Vorgänger Heinrich Schwarte wegen des historischen Bezuges zur Region umgesetzt“, sagt Alfons Robbe, Vorsitzender des Heimatvereins. Das Schwarzbunte Niederungsrind hat nach Informationen des Vereins seinen züchterischen Ursprung Anfang des 18. Jahrhunderts und zählt zur ältesten deutschen Rinderrasse. Sie entstammt den Küstengebieten Norddeutschlands und den Niederlanden und ist im Gegensatz zum Holstein-Rind kleiner. „Dabei handelt es sich um ein Rind zur Doppelnutzung, das zwar nicht ganz soviel Milch gibt, dafür aber aufgrund der besseren Mastleistung im Anschluss noch gut für die Fleischverwertung genutzt werden konnte“, erklärt Robbe weiter. Vor dem Hintergrund, dass vor dem Strukturwandel in den 1980er Jahren in der Landwirtschaft viele Höfe zwischen sechs und zehn Kühe hielten und darüber hinaus auch noch Schweine und Hühner beherbergten, galten sie als Gemischtwarenladen, die vorrangig zur Eigenversorgung von bis zu drei Generationen. Nur Überschüsse wurden verkauft.

Zu wenig Milch gegeben

Mit der zunehmenden Spezialisierung in der Landwirtschaft kam das sogenannte HF-Rind (Holstein Frisian), dass in Deutschland aufgrund seiner Milchleistung am häufigsten eingesetzt wird. Es verdrängte die Schwarzbunten Niederrungsrinder. Heute existieren davon nur noch vereinzelte Stämme. „Es vergeht kein Tag, an dem wir hier nicht vorbeischauen“, sagt Gebbeken. Neben der Fütterung gehören auch Instandsetzungsarbeiten an den Zäunen, die Pflege der Weiden und die Futterbeschaffung zur eigens ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft.

Alte Landmaschinen werden genutzt

Teil der Heimatpflege ist auch der Betrieb alter Landmaschinen wie etwa einem Heuwender und einem Kreiselmäher. So wird die Hälfte der Fläche für die Futtergewinnung mit den alten Maschinen genutzt, um so auch im Winter noch über genügend Vorräte zu verfügen. Das Areal am Kapellenmoorweg bietet sich besonders für Radwanderer als Ausflugsziel an. Denn dort befindet sich auch eine Schutzhütte mit Sitzgelegenheiten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN