Warnung vor „Angstdebatte“ Gieseke diskutiert mit Landfrauen in Lathen über TTIP

Über Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit diskutierten die Landfrauen Aschendorf-Hümmling mit dem CDU-Politiker Jens Gieseke. Foto: privatÜber Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit diskutierten die Landfrauen Aschendorf-Hümmling mit dem CDU-Politiker Jens Gieseke. Foto: privat

Lathen. Über agrarpolitische Themen und das geplante Freihandelsabkommen mit den USA haben die Landfrauen der Kreisarbeitsgemeinschaft Aschendorf-Hümmling mit dem CDU-Abgeordneten im Europaparlament, Jens Gieseke, diskutiert.

Er sitzt seit neun Monaten im Europaparlament und beschäftigt sich dort vorrangig mit Fragen der Umwelt und Lebensmittelsicherheit sowie der ländlichen Entwicklung. Auf diesen Gebieten engagieren sich nach Angaben von Agnes Rösing, Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft, auch die Landfrauen bundesweit.

Gieseke bezog Stellung zum transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Er riet dazu, dieses nicht vorschnell zu verurteilen, sondern objektiv Chancen und Risiken zu analysieren. Durch den Abbau von Zöllen und regulatorischen Hindernissen könnten gerade kleinere Unternehmen profitieren. Dies hätte auch einen Wohlstandszuwachs für Privathaushalte zur Folge, so Gieseke. Wichtig sei es aber, hinsichtlich Umwelt- und Lebensmittelsicherheit keine Standards zu opfern. Zum Stichwort „Chlorhähnchen“ betonte er, dass der Verbraucher letztlich an der Ladentheke entscheide, was er kaufe. Hintergrund: In den USA wird Hähnchenfleisch gegen Keime mit Chlorbleiche behandelt, was in Deutschland verboten ist. Dieses Fleisch könnte zu günstigen Preisen auf den deutschen Markt gelangen, wenn das Abkommen zustande kommt. Kritiker befürchten Wettbewerbsnachteile für hiesige Landwirte. „Wir dürfen aber nicht in eine Angstdebatte verfallen“, so Gieseke. Vielmehr solle man den Entscheidungsprozess sachlich verfolgen.

Von den Verbrauchern wünschten sich sowohl die Landfrauen als auch Gieseke eine höhere Wertschätzung der Lebensmittel. So gebe der deutsche Verbraucher lediglich elf Prozent seines Einkommens dafür aus. Gleichzeitig werfe er pro Jahr 80 Kilo Lebensmittel in den Müll. Gerade vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung sei die Landwirtschaft mehr denn je gefordert, effizient zu produzieren. Gieseke: „Viele Menschen wünschen sich eine kleinbäuerliche Landwirtschaft mit zwei Schweinen und drei Hühnern. Damit können wir die Menschheit aber nicht ernähren.“ Es könne nicht sein, dass Landwirte auf der einen Seite immer günstigere Lebensmittel produzieren sollen und auf der anderen Seite immer häufiger in der Kritik stünden.

Agnes Rösing wies auf die Aktionen von Landfrauen und Landwirten hin, die ihre Höfe für Verbraucher und Schulklassen öffneten. Sie gab aber zu bedenken, dass diese oft von aggressiven Negativschlagzeilen in den Medien begleitet würden. Daher unterbreitete sie Gieseke den Vorschlag für eine europaweite Imagekampagne für die Landwirtschaft.


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