Holocaust-Überlebende geehrt Zeitzeugin Erna de Vries erhält Verdienstkreuz

Von Sven Mechelhoff

Ein Verdienstkreuz
              der Bundesrepublik Deutschland ziert das Revers von Erna de Vries’ Jackett. Angesteckt bekommen hat es die 91-Jährige von Landrat Reinhard Winter (links) für ihre Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit. Foto: Sven MechelhoffEin Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ziert das Revers von Erna de Vries’ Jackett. Angesteckt bekommen hat es die 91-Jährige von Landrat Reinhard Winter (links) für ihre Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit. Foto: Sven Mechelhoff

Lathen. Als Überlebende des Holocausts klärt Erna de Vries Jugendliche und Erwachsene mit Vorträgen über die Gräueltaten der Nazis auf. Aufgrund ihres unermüdlichen Engagements ist der 91-jährigen Lathenerin am Montag das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland angeheftet worden.

Wenn Erna de Vries in Schulen geht oder Vorträge vor Erwachsenen hält, berichtet sie über ihr Schicksal ohne einen Zettel in der Hand. Sie spreche immer frei – und das etwa eine Stunde und 15 Minuten lang, erklärt sie mit etwas Stolz am Rande der Feierstunde anlässlich ihrer Auszeichnung. De Vries braucht kein Konzept. Ihr Kopf ist voller Erinnerungen: an die Reichspogromnacht 1938, an ihre Deportation von ihrem damaligen Wohnort Kaiserslautern in das Konzentrationslager Auschwitz 1943, an den letzten gemeinsamen Augenblick mit ihrer Mutter Janette Korn, an ihre Verlegung ins Lager Ravensbrück und an die Befreiung durch die Rote Armee am 30. April 1945.

Nach dem Krieg heiratete de Vries ihren inzwischen verstorbenen Mann Josef. Mit ihm kam sie 1951 ins Emsland . Jahrzehnte danach begann sie intensiv mit ihrer Aufklärungsarbeit.

Geholfen haben ihr dabei auch Geschichtslehrer, bei denen sich de Vries in ihrer Rede bedankt. Denn sie lüden sie zu sich in den Unterricht ein. Vor Jugendlichen zu sprechen, begreift sie als Chance. Die Schüler seien unbelastet von jener Zeit, erklärt sie im Gespräch. Als Zeitzeugin will sie ihnen die grausamen Taten der Nationalsozialisten vor Augen führen, um zu warnen. Von ihren Berichten seien die jungen Menschen zumeist erschüttert, fragten aber auch viel. De Vries antwortet gern. „Die Geschichte darf nicht vergessen werden“, betont die 91-Jährige.

Wie wichtig gerade heutzutage de Vries’ Arbeit ist, stellt Landrat Reinhard Winter in seiner Laudatio heraus. Die Mordserie des NSU und die Aufmärsche von Hooligans gegen Salafisten seien Warnsignale. Gegen solche rechtsextremen Gefahren müsse die Demokratie verteidigt werden. Insbesondere Berichte von Zeitzeugen seien hierfür starke Mittel.

Winter ist es dann auch, der de Vries das Verdienstkreuz im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck ansteckt. Bereits 2006 erhielt die Lathenerin für ihre Aufklärungsarbeit die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik. Im Jahr 2012 bekam sie die Emslandmedaille.

Weitere Orden könnten folgen, denn die 91-Jährige verspricht: „Solange ich noch die Kraft habe, mache ich weiter.“