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Jürgen Koch aus Lathen war mehr als drei Monate als Senior-Experte für Bergbau in Malawi tätig Entwicklungshilfe über und unter Tage

Von Willi Rave

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Durch eine 1,60 Meter hohe Eingangsöffnung betraten Jürgen Koch (rechts) und der Underground-Manager Tag für Tag die Kohlengrube. Foto: privatDurch eine 1,60 Meter hohe Eingangsöffnung betraten Jürgen Koch (rechts) und der Underground-Manager Tag für Tag die Kohlengrube. Foto: privat

Lathen. Bis zu seiner Pensionierung hat der in Lathen lebende Jürgen Koch als Diplom-Ingenieur für Bergbau und als Spreng-Ingenieur über und unter Tage gearbeitet. Zuletzt war er Leiter der Zeche Dinslaken. Nun setzt er seine reiche Berufserfahrung ehrenamtlich beim Senior Experten Service (SES) ein.

Soeben ist Koch von einem Einsatz im Norden Malawis zurückgekehrt. Hier hatte die Kaziwiziwi Mining Company Ltd. mit Sitz in Mzuzu um Hilfe gebeten. Der von der Regierung eingestellte Kohleabbau ist von einem Deutschen unter schwierigen Bedingungen wieder aufgenommen worden. Ihm geht es vor allem darum, 270 Einheimischen Arbeit zu geben, Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen und durch die Errichtung eines Wasserkraftwerkes die Häuser mit Strom zu versorgen.

Der SES, für den sich Koch engagiert, ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit und eine gemeinnützige GmbH. Er bietet interessierten Ruheständlern die Möglichkeit, ihre Kenntnisse und ihr Wissen an andere Menschen in Deutschland und im Ausland weiterzugeben. Als ehrenamtlich tätige Senior-Experten fördern sie die Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften, leisten Hilfe zur Selbsthilfe und damit einen wichtigen Beitrag, ein Stück Zukunft zu sichern.

Vor Ort in Malawi sah sich Koch der Aufgabe gegenüber, die Kohlevorräte durch ein spezielles Abbauverfahren nutzbar zu machen. Die vor Jahren eingebauten Holzstempel mussten verstärkt, Druckluftleitungen verlegt und die Laufwege gesäubert und markiert werden. Straßen waren zu planieren und ein neuer Verladeplatz herzurichten. Und bevor man mit dem Abbau der Kohle beginnen konnte, war ein Abbauplan zu entwerfen. „Da ich der Sprachen der Einheimischen – Chewa, Tambuka, Tonga und Ngoni – nicht mächtig bin, waren Beratungen und Anweisungen nur durch praktische Demonstrationen möglich“, berichtet Koch. So begab er sich Tag für Tag zusammen mit dem „Underground-Manager“ durch eine 1,60 Meter hohe Eingangsöffnung in die weitgehend finstere Kohlemine.

„Als nach 20 Tagen in einem ausgekohlten Grubenraum das Gestein mit lautem Krach herunterstürzte, drohte bei den Arbeitern Panik auszubrechen“, so der Senior-Experte. „Es war keine leichte Aufgabe, ihnen zu erklären, dass dieses zu Bruch werfen planmäßig war.“ Weil es keinen Strom gibt, wird die Kohle mit Schubkarren ans Tageslicht transportiert. „Die besten Trammer – Männer, die die Karren schieben – bringen es in einer Schicht von etwa sieben Stunden 102 volle Behälter,“

In Malawi, das zu den zehn ärmsten Ländern der Erde zählt, wo die durchschnittliche Lebenserwartung bei 46 Jahren und die Säuglingssterblichkeit bei 80 von 1000 Geburten liegt, hat der Senior-Experte aus Lathen mehr als drei Monate gelebt – unter primitivsten Verhältnissen: ohne fließendes Wasser, ohne Strom und von der Außenwelt abgeschnitten. Fragt man ihn nach seinem eindrucksvollsten Erlebnis, erzählt er eine anrührende „Fußballgeschichte“, die er in der von der Minen-Company finanzierten Schule erlebt hat. Als er den Lehrern einen mitgebrachten Fußball, eine Luftpumpe und eine Trillerpfeife übergeben habe, sei bei den 215 Schülern unbeschreiblicher Jubel ausgebrochen. Beim eigens angesetzten Spiel mit dem neuen Ball sei er als Ehrengast eingeladen worden. Alle Schulkinder hätten ihn bis zu seiner Abreise immer freundlich gegrüßt, erzählt Jürgen Koch und fügt hinzu: „Und das hat mich für alle Unannehmlichkeiten reich entschädigt.“


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