Arenberg bekämpft Baumschädling Borkenkäfer soll im Emsland in Lockstoff-Falle tappen

Ein Borkenkäfer (Buchdrucker) auf einem der Fangnetzte, welche die Arenberg GmbH in einem Wald bei Sustrum aufgestellt hat. Das Netz ist mit einem Gift benetzt, der Borkenkäfer wird nach einigen Stunden sterben. Für Menschen ist das Gift ungefährlich. Foto: Daniel Gonzalez-TepperEin Borkenkäfer (Buchdrucker) auf einem der Fangnetzte, welche die Arenberg GmbH in einem Wald bei Sustrum aufgestellt hat. Das Netz ist mit einem Gift benetzt, der Borkenkäfer wird nach einigen Stunden sterben. Für Menschen ist das Gift ungefährlich. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Sustrum. Explosionsartig hat sich der Borkenkäfer 2018 wegen der langen Dürre im Emsland verbreitet. Der größte private Waldbesitzer im Landkreis, die Arenberg GmbH setzt daher nun erstmals auf große dreieckige Fallen. Dabei macht man sich den Sexualtrieb der Insekten zu Nutze.

Er ist winzig klein, kann aber riesige Bäume zum Umfallen bringen: Der Borkenkäfer, genauer gesagt die Unterarten "Buchdrucker" und "Kupferstecher". "Diese beiden Käferarten haben sich das ganz gut aufgeteilt: Der Buchdrucker befällt am liebsten den Stamm, der Kupferstecher lieber die Krone", berichtet Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg GmbH, mit rund 9500 Hektar Waldfläche der größte private Waldbesitzer in Niedersachsen. Beide Borkenkäfer-Arten fanden im vergangenen Jahr ideale Wetterbedingungen vor, statt ein bis zwei Generationen der Käfer fraßen sich 2018 gleich drei bis vier Generationen durch die Wälder der Gesellschaft. 

Ein Borkenkäfer (Kupferstecher) auf einem mit einem Insektizit befeuchtetes Fangnetz in Sustrum. Der Käfer wird in wenigen Stunden absterben. Für Menschen ist das Gift ungefährlich. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Tausende Bäume, vor allem Fichten, musste Arenberg fällen lassen. Und das viel zu früh, eigentlich hätten die Bäume noch viele Jahre wachsen sollen. Weil die Holzerntemaschinen gleich mehrfach in die Wälder geschickt werden mussten, sind Frölich zufolge die Kosten höher als kalkuliert. Wegen der Holzschwemme brachen die Preise ein, zeitweise gab es für das Holz nur noch ein Drittel dessen, was durchschnittlich in den vergangenen Jahren gezahlt wurde, berichtet der Geschäftsführer. 

(Weiterlesen: Borkenkäfer frisst sich durchs nördliche Emsland)

Mit solchen dreieckigen Fallen versucht die Arenberg GmbH in den eigenen Wäldern im Emsland, den Borkenkäfer zu bekämpfen. 600 dieser Fallen wurden emslandweit aufgestellt. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Wenn Käfer das Netz berührt, stirbt er nach kurzer Zeit

Damit der Borkenkäfer in den Arenberg-Wäldern nicht noch mehr Schäden anrichtet, geht die Gesellschaft neue Wege bei der Bekämpfung der Käferplage. Arenberg hat 600 dreibeinige Gestelle angeschafft und sie emslandweit vornehmlich in Fichtenwäldern aufgestellt, die besonders stark von den Borkenkäfern befallen waren. Das Prinzip: Die Käfer werden mit einem Sexuallockstoff (Pheromon) angelockt. Die Ampullen werden an einem Faden hinter einem Netz aufgehängt, das mit einem Biozid (Schädlingsbekämpfungsmittel) befeuchtet ist. "Sobald der Käfer das Netz angeflogen hat, stirbt er innerhalb der folgenden Stunden ab", erklärt Frölich. Die Fallen wurden in einem Abstand von 20 bis 30 Meter aufgestellt. 

Rund 60 Euro kostet so ein Gestell. Der Sexuallockstoff muss nach etwa drei Monaten (also im Sommer) erneuert werden. Die Arenberg GmbH hat beim Land Niedersachsen einen Antrag gestellt, um einen Teil der insgesamt rund 20.000 Euro Kosten gefördert zu bekommen.

Angelockt werden die Borkenkäfer mit einem Sexuallockstoff (Pheromon). Die Ampullen werden hinter die mit den Insektiziden (Schädlingsgift) befeuchteten Netze gehängt. Sobald der Käfer das Netz berührt, wird er in wenigen Stunden absterben. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Für den Menschen sind die Biozide beziehungsweise Pheromone ungefährlich, betont Fröhlich. Dennoch empfiehlt Arenberg den Waldbesuchern, weder das Netz noch das Gestell zu berühren. Nicht verhindern lasse sich Fröhlich zufolge, dass andere Waldinsekten durch das Verfahren Schaden nehmen. "Allerdings werden diese nicht aktiv an das Netz gelockt, sondern nur der Borkenkäfer", betont der Diplom-Forstingenieur. 

Eine Zulassung für den Einsatz in Wäldern hat der Hersteller des sogenannten Trinet-Fangsystems, die Firma BASF, eingeholt. Der Landkreis Emsland bestätigte auf Anfrage: "Das Aufstellen der Borkenkäferfallen muss beim Landkreis Emsland als Untere Waldbehörde nicht angezeigt werden. Die Fallen stehen in der Regel in Fichtenreinbeständen und dienen der Beobachtung des Befalls mit Borkenkäfern." Auf kreiseigenen Flächen seien derzeit keine Borkenkäfer-Fallen aufgestellt. Im Emsland setzt auch die Stadt Haselünne auf das Trinet-Fangsystem.

Aufgestellt wurden die Fallen seit Mitte April vornehmlich an südlichen Rändern der Wälder, weil hier die Lebensbedingungen für Borkenkäfer wegen der Sonneneinstrahlung besonders gut seien. Ab etwa 15 Grad Außentemperatur schwärmen die Tiere aus und vermehren sich explosionsartig.

Die Arenberg GmbH hat eigene Schilder erstellt, um in den Wäldern über die Borkenkäfer-Fallen zu informieren. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Chemie-Einsatz wird durch Fangnetze reduziert

Insektizide und Pheromone einzusetzen, ist für die Arenberg GmbH nicht ganz neu. "Das wurde auch früher schon gemacht", erklärt Geschäftsführer Frölich. Dazu wurden mehrere Baumstämme zu einer Art Turm zusammen gestellt, das Pheromon in der Mitte dieses "Haufens" aus Balken platziert und die Stämme mit Insektiziden benetzt. "Dafür waren viel mehr von den Schädlingsbekämpfungsmitteln notwendig. Das Fangsystem minimiert also den Einsatz von Chemikalien in unseren Wäldern", betont der Arenberg-Verantwortliche.

Informierten in einem Wald an der Neusustrumer Straße in Sustrum (Samtgemeinde Lathen) über die Borkenkäfer-Fallen: Winfried Frölich (Geschäftsführer Arenberg), Hermann Kamp (Revierförster) und Thomas Schomaker (Fachbereichsleiter Arenberg). Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Ob die Fangnetze auch in den kommenden Jahren in den Arenberg-Wäldern eingesetzt werden, steht noch nicht fest. Im Herbst werde man eine Bestandsaufnahme machen. Denn in einem Punkt ist sich Frölich sicher: Den Borkenkäfer gänzlich aus dem Emsland vertreiben werden auch die neuartigen Fangnetze nicht.


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