Nach Diebstahl neue Tafel vorgestellt Lager Oberlangen: Gedenken an einem "Schreckensort"

Nach der Kranzniederlegung am Gedenkstein hielten am Freitagnachmittag Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (Zweiter von rechts) und Oberlangens Bürgermeister Georg Raming-Freesen einen Augenblick inne. Foto: Christian BellingNach der Kranzniederlegung am Gedenkstein hielten am Freitagnachmittag Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (Zweiter von rechts) und Oberlangens Bürgermeister Georg Raming-Freesen einen Augenblick inne. Foto: Christian Belling

Oberlangen. Nach dem laut Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber „niederträchtigen“ Diebstahl der bronzenen Gedenktafel im vergangenen Jahr am Eingang des ehemaligen Straf- und Kriegsgefangenenlagers in Oberlangen, ist am Freitag anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung des Lagers eine neue Gedenktafel präsentiert worden.

Bei einer Kranzniederlegung mit mehr als 30 Gästen aus umliegenden Gemeinden, des Landkreises, des Heimatvereins sowie einer polnischen Delegation des Generalkonsulats der Republik Polen in Hamburg, ging Weber auf die Verbrechen des NS-Regimes in den Jahren 1933 bis 1945 ein. „Die Lager waren Schreckensorte, in denen Menschen gequält, terrorisiert und ermordet wurden.“ Den Gedenkstein, an dem die neue Tafel angebracht wurde, bezeichnete er als ein „Mahnmal der Erinnerung.“ Weber appellierte, diesen Ort als bleibende Stätte gegen das Vergessen zu erhalten. „Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen, aber dafür sorgen und unseren Teil dazu beitragen, dass so etwas nie wieder passiert.“ 

„Für falsch verstandenen Nationalismus ist kein Platz. Nur in einem geeinten Europa ist ein dauerhafter Frieden möglich.“ Karl-Heinz Weber, Bürgermeister der Samtgemeinde Lathen

Der Samtgemeindebürgermeister ging zudem auf aktuelle Entwicklungen in Europa wie den Brexit ein. „Für falsch verstandenen Nationalismus ist kein Platz. Nur in einem geeinten Europa ist ein dauerhafter Frieden möglich.“ 

Auch die Vertreter der polnischen Delegation legten einen Kranz am Gedenkstein nieder. Foto: Christian Belling


Die neue Gedenktafel wurde nach seinen Worten gemeinsam mit „unseren Freunden aus Polen“ gestaltet und aus einem Material hergestellt, „dass es für Diebe nicht mehr ganz so interessant macht.“ 


Ein Vertreter der polnischen Delegation las den Brief eines Staatssekretärs aus dem Kulturministerium in Warschau vor. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, für Frieden zu sorgen und das Treffen mit der Geschichte in die nächsten Generationen zu tragen.“ 

1728 Kriegsgefangene befreit

Am 12. April 1945 wurden 1728 Kriegsgefangene im Lager Oberlangen durch Soldaten der ersten polnischen Panzerdivision unter dem Kommando von General Stanislaw Maczek befreit.

Im Gedenkpavillon informierten sich Vertreter der polnischen Delegation in der Dauerausstellung über die Emslandlager. Foto: Christian Belling

Während der nationalsozialistischen Herrschaft bestanden im Emsland und in der Grafschaft Emsland insgesamt 15 Gefangenenlager. Eines davon war das Lager VI Oberlangen, das im Herbst 1933 zunächst als Ausbildungslager für die Wachmannschaften gebaut wurde. Ab April 1934 nutzte die Justizverwaltung das Lager zur Unterbringung von rund 1000 Strafgefangenen. Die Bewachung übernahm eine im Dienst der Justiz stehende SA-Einheit. Die Gefangenen mussten je nach Jahreszeit bis zu zwölf Stunden täglich Zwangsarbeit im Moor leisten. 

Nachdem die bisherige im vergangenen Sommer gestohlen wurde, ist eine neue Gedenktafel erstellt worden. Foto: Christian Belling

Nach Kriegsbeginn im September 1939 übernahm das Oberkommando der Wehrmacht das Lager als Kriegsgefangenenlager. Auf der Kriegsgräberstätte Oberlangen ruhen 62 sowjetische Soldaten in Einzelgräbern und 2000 bis 4000 unbekannte sowjetische Kriegsgefangenen in Sammelgräbern.

Zwischen 1933 und 1945 unterhielt das NS-Regime 15 Gefangenenlager im Emsland. In den Lagern litten etwa 80 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene, während des Krieges kamen weit mehr als 100 000 Kriegsgefangene hinzu. Mehr als 20 000 Menschen verloren in den Lagern ihr Leben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN