Mehrere Anwohner gefährdet LKA bestätigt: "Panzerknacker" verwendeten Sprengstoff in Lathen

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Der Tresor des Geldautomaten der OLB in Lathen hielt der Sprengung stand. Allerdings richteten die Täter größeren Sachschaden an. Foto: Hermann HinrichsDer Tresor des Geldautomaten der OLB in Lathen hielt der Sprengung stand. Allerdings richteten die Täter größeren Sachschaden an. Foto: Hermann Hinrichs

Lathen. Das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover hat auf Anfrage bestätigt, dass bei der versuchten Sprengung eines Geldautomaten in Lathen am vergangenen Freitag Sprengstoff verwendet wurde. Für die Anwohner bedeutete dies laut LKA eine "erhöhte Gefahr".

Wie berichtet, war am vergangenen Freitag, 23. November 2018, gegen 5 Uhr morgens ein dunkler Audi mit mindestens zwei Insassen an der Filiale der Oldenburgischen Landesbank (OLB) an der Schmiedestraße vorgefahren. Zeugen hörten einen lauten Knall und verständigten die Polizei. Das Auto fuhr wenig später in Richtung Hauptstraße davon. Die sofort eingeleitete Fahndung der Polizei nach Fahrzeug und Tätern blieb erfolglos. Die Täter richteten einen erheblichen Sachschaden an, der Rahmen des Geldautomaten und das Foyer der Bank wurden schwer beschädigt.

Auch im etwa 70 Kilometer entfernten Uelsen in der Grafschaft Bentheim wurde in der gleichen Nacht wie in Lathen versucht, einen Geldautomat zu sprengen. Er war in einem Verbrauchermarkt an der Itterbecker Straße aufgestellt. In beiden Fällen hatten die Täter Sprengstoff eingesetzt. In Uelsen beobachtete die Besatzung eines Streifenwagens am Tatort vier maskierte Männer, die mit einem weißen BMW in Richtung Niederlande flüchteten. Das Auto hatte ein niederländisches Kennzeichen. In der Grafschaft musste sogar der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrücken, weil eine pulverähnliche Substanz gefunden wurde, bei der es sich um Sprengstoff handelte. Ob es die gleichen Täter wie in Lathen waren, ist unklar.

Die Glasfront der Bankfiliale muss ausgetauscht werden, weil sie durch die versuchte Automatensprengung erheblich beschädigt wurde. Foto: NWM-TV

Noch keine Sprengung mit Sprengstoff erfolgreich

Es waren nach Angaben von Matthias Eichler, Sprecher des LKA, indes nicht die ersten Fälle, in der die "Panzerknacker-Bande" Sprengstoff statt eines Gasgemisches verwendet hat. "Im Oktober 2014 und im Dezember 2017 gab es in Nordhorn beziehungsweise Neuenkirchen-Vörden jeweils entsprechende Versuche", teilte Eichler mit. Beim LKA ist bereits Ende 2015 eine Sonderkommission eingerichtet worden, um die Taten aufzuklären. Seitdem sind Fachleute des LKA regelmäßig zu Tatorten unterwegs, um Spuren zu sichern und Zusammenhänge herzustellen. Auch die Ermittlungen zu den Taten in Uelsen und Lathen hat das LKA Niedersachsen übernommen, bestätigte der Sprecher.

(Weiterlesen: Geldautomaten gesprengt: Polizei nimmt mutmaßlichen Serientäter fest)

Nach Erkenntnissen des LKA hat es in Niedersachsen bisher noch keine erfolgreiche Sprengung von Geldausgabeautomaten mit Sprengstoff gegeben. "In allen Fällen blieb es bei erheblichen Sachschäden an den Gebäuden, die Tresore der Geldautomaten hielten den Angriffen stand – wie auch bei dem aktuellen Versuch in Lathen", so der Sprecher. 

Mehrere Anwohner in Lathen gefährdet

Grundsätzlich ist die Sprengkraft von Sprengstoff nicht größer als die von Gas, erklärt der LKA-Sprecher. "Hier kommt es immer auf die Menge und die Art des verwendeten Sprengstoffes an. Täter in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen haben verschiedene Sprengstoffe verwandt, zum Beispiel Selbstlaborate, Sprengstoffe aus Handgranaten oder auch sogenannte „Polenböller“", berichtet Eichler. Welche Substanzen genau bei den jüngsten Fällen in der Region verwendet wurde, sei noch unklar. "Die Fälle in Uelsen und Lathen sind noch nicht abschließend untersucht, um eine dezidierte Aussage treffen zu können", heißt es aus Hannover. Mehr wolle der Sprecher mit Verweis auf "ermittlungstaktische Gründe" nicht sagen.

Wegen der Schäden ist der Selbstbedienungsbereich der Filiale vorerst nur eingeschränkt nutzbar. Foto: Hermann Hinrichs

Zumindest im Fall Lathen haben die Täter mehrere Anwohner in Gefahr gebracht. Die Feuerwehr evakuierte nach eigenen Angaben acht Bewohner aus den Wohnungen oberhalb der OLB-Filiale. Für die Ermittler sei indes unerheblich, ob Sprengstoff oder Gas verwendet wurde, wie LKA-Sprecher Eichler erläutert: "Bei Gas- oder Sprengstoffsprengungen und -versuchen ist für Anwohner und Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei immer von einer erhöhten Gefahr auszugehen, dementsprechend vorsichtig und umsichtig müssen vor allem die Einsatzkräfte agieren. Die Intensität der polizeilichen Ermittlungen richtet sich grundsätzlich nicht an der Art des verwendeten Sprengmittels aus, sondern an der Schwere der Straftat und den Gefahren für die Bevölkerung." 

Banken setzen unterschiedliche Schutzmaßnahmen ein

Die Banken versuchen, mit verschiedenen Maßnahmen zu verhindern, dass die Täter Beute machen können, so dass ihnen die Lust an Wiederholungen vergeht. Dazu gehören noch besser gesicherte Tresore, moderne Videoüberwachung, Einbruchmeldeanlagen, die beispielsweise auf Gas reagieren, Erschütterungsmelder und Einfärbesysteme für die Geldscheine. Die OLB bestätigte am vergangenen Freitag bereits wenige Stunden nach der Tat, dass der Tresor des Geldautomaten, der nach einer erfolgreichen Sprengung im Jahr 2015 ausgetauscht worden ist, diesmal der Sprengung Stand gehalten hat. Nach Angaben von LKA-Sprecher Eichler sind präventive Maßnahmen zum Schutz vor Angriffen auf Geldautomaten "nicht nur auf Gasattacken ausgerichtet. Es sollen damit jegliche Entwendungen verhindert oder zumindest erschwert werden."

Dieses Kabel hinterließen die Täter in Lathen. Foto: Hermann Hinrichs

(Weiterlesen: Sprengungen in Serie: Region Osnabrück/Emsland im Überblick)

OLB-Filiale vorerst eingeschränkt geöffnet

Die OLB-Filiale in Lathen konnte wie angekündigt am Mittwoch für das Kundengeschäft wieder geöffnet werden, teilte der Sprecher des Kreditinstituts, Timo Cyriacks, auf Anfrage mit. Es kommt allerdings weiterhin zu Einschränkungen. "Die Bargeldversorgung am Geldautomaten ist aus Sicherheitsgründen vorerst nur während der Filialöffnungszeiten möglich", so der Sprecher. Das hänge mit der notwendigen Erneuerung der  Glasfront zwischen Selbstbedienungszone (SB-Bereich) und Filialbereich zusammen. Deren Reparatur sei "recht komplex"  und werde wahrscheinlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen. 

Der Geldautomat und die anderen Geräte im SB-Bereich sind daher vorerst nur montags, dienstags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr nutzbar. Cyriacks verwies auf die Möglichkeit, sich gebührenfrei Bargeld in Supermärkten, Discountern, Baumärkten und Tankstellen auszahlen zu lassen, sofern diese das anbieten. Auch "Partnerbanken aus dem CashPool" stünden zur Verfügung. 


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