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Sprengstoff statt Gas genutzt? Täter machen bei Geldautomaten-Sprengung in Lathen keine Beute

Von Mark Otten und Daniel Gonzalez-Tepper

Die Explosion hat erkennbare Schäden in der OLB-Filiale in Lathen hinterlassen. Foto: Hermann HinrichsDie Explosion hat erkennbare Schäden in der OLB-Filiale in Lathen hinterlassen. Foto: Hermann Hinrichs

Lathen. Unbekannte Täter haben am Freitagmorgen einen Geldautomat der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in Lathen gesprengt. Die Polizei fahndet nach den Tätern. Bei der Tat machten Sie nach Informationen unserer Redaktion keine Beute. Laut OLB haben sie Sprengstoff verwendet.

Nach Angaben der Polizei löste der Alarm in der OLB-Filiale in der Schmiedestraße gegen 5 Uhr aus. Augenzeugen berichten, dass durch die Detonation der Raum völlig verwüstet wurde. Glasscherben flogen bis auf die Straße. 

(Weiterlesen: Sprengungen in Serie: Region Osnabrück/Emsland im Überblick)

Die Täter sind nach der Sprengung geflüchtet. Foto: Hermann Hinrichs


Die Polizei teilte mit, dass Zeugen einen lauten Knall gehört hatten. Wenig später entfernte sich ein dunkler Audi mit mindestens zwei Insassen vom Tatort. Der PKW fuhr in Richtung Hauptstraße davon. Die Polizei leitete umgehend die Fahndung nach dem Fahrzeug ein. Die Täter flüchteten. 

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Obwohl die Sprengung ausgelöst hatte und ein Teil der Außenverkleidung des Geldautomaten zerstört worden war, konnten die Täter kein Geld erbeuten. "Wir bereits definitiv sagen, dass die Täter keine Beute gemacht haben, da bei der Sprengung der Tresor unversehrt geblieben ist", teilte Timo Cyriacks, Sprecher der OLB in Oldenburg, auf Anfrage der Redaktion mit. 

Die Filiale bleibt mindestens bis Montag geschlossen teilte OLB-Sprecher Cyriacks am Mittag mit. "Wir setzen alles daran, den regulären Betrieb schnellstmöglich wieder herzustellen", so der Sprecher. Eigene Ermittlungen haben Cyriacks zufolge ergeben, dass die Täter Sprengstoff verwendet haben, um die Detonation auszulösen. "Unser Geldautomat war mit den bei uns gängigen Sicherheitsmechanismen versehen. Die Hülle wurde beschädigt, aber mit dem Tresor blieb der wesentliche Kern des Automaten unversehrt und geschlossen, sodass die Täter keine Beute machen konnten", erklärte der Sprecher.

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Er betonte: Es entstand nur Sachschaden, niemand wurde verletzt. "Dass bei einer solchen Sprengung kein Leib oder gar Leben zu Schaden kommt, ist und bleibt immer das Wichtigste", so Cyriacks. Wie hoch der Sachschaden ist, kann die OLB gegenwärtig nicht beziffern. 

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei in Meppen unter der Telefonnummer 05931/9490 zu melden.


Die Freiwillige Feuerwehr Lathen, die mit 16 Einsatzkräften und zwei Fahrzeugen ausgerückt war, evakuierte zunächst die etwa acht Bewohner, die sich in den Wohnungen über der Filiale befunden hatten, wie Gemeindebrandmeister Thomas Haake auf Anfrage mitteilte. 


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Die Einsatzkräfte konnten keinen Gebäudeschaden feststellen, sodass die Bewohner der Wohnungen in den Obergeschossen nach dem Belüften wieder in ihren Häusern bleiben konnten. Die Feuerwehr rückte gegen 6.20 Uhr, nachdem eine Mitarbeiterin der OLB und die Spurensicherung der Polizei vor Ort waren, wieder ab.

 (Weiterlesen: Abwehr gegen Bankräuber - OLB rüstet Geldautomaten auf)



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Die Gemeinde Lathen war bisher zwei Mal von Geldautomaten-Sprengungen betroffen. Dieselbe OLB-Filiale, in der jetzt ein Gerät in die Luft gejagt worden ist, wurde am 20. November 2015 von Tätern aufgesucht. Damals waren die Täter, drei dunkel gekleidete und maskierte Männer, um kurz vor Mitternacht in die Filiale an der Schmiedestraße in Lathen gelangt und hatten ein Gasgemisch in den dortigen Geldautomaten eingeleitet und zur Detonation gebracht.


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 Aus dem Automaten entwendeten die Täter damals die Geldkassetten mit dem Bargeld. Sie wurden im November 2015 nach der Explosion von mehreren Zeugen beobachtet. Im benachbarten Niederlangen wurden später in der Nacht zwei leere Geldkassetten des Automaten gefunden, die die Täter offensichtlich aus dem Fahrzeug geworfen hatten. 

Am 16. März 2016 sprengten Panzerknacker einen Automaten der Volksbank Emstal, der im Eingangsbereich des Combi-Marktes an der Großen Straße aufgestellt war. Dazu hatten die Täter die Eingangstür des Marktes aufgebrochen und leiteten ein Gasgemisch in den Automaten, der durch die Explosion komplett zerstört wurde. Die Täter flüchteten mit dem Bargeld. 


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Auch bei dieser Tat gab es Zeugen. Die Bewohner im Obergeschoss des Gebäudes waren durch die Explosion geweckt worden. Sie beobachteten der Polizei zufolge ein dunkles Fahrzeug, das vom Parkplatz des Marktes in Richtung Bahnhofstraße fuhr. Die sofort eingeleitete Fahndung mit Unterstützung von Polizeikräften aus den Niederlanden blieb bislang erfolglos. Den entstandenen Sachschaden bezifferte die Volksbank damals auf rund 30.000 Euro.

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Auch in Uelsen in der Grafschaft Bentheim haben Panzerknacker in der Nacht zu Freitag versucht, einen Geldautomaten zu sprengen. Dort waren die Täter gegen 4 Uhr mit einem weißen BMW an einem Verbrauchermarkt an der Itterbecker Straße vorgefahren, um einen Automaten, der sich im Gebäude befand, zu sprengen. Dies gelang ihnen aber nach Angaben der Polizei nicht. 

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Die Besatzung eines Streifenwagens sah am Tatort vier maskierte Männer, die mit einem weißen BMW in Richtung Niederlande flüchteten. Das Auto hatte ein niederländisches Kennzeichen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei in Lingen unter der Telefonnummer 0591/87 0 zu melden.


Auch in Uelsen in der Grafschaft Bentheim scheiterte der Versuch, einen Geldautomaten zu sprengen. Foto: NWM-TV


Weil die Beamten vor Ort einen unbekannten Gegenstand fanden, bei dem nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es sich um eine Art Sprengsatz handelt, wurde der Kampfmittelräumdienst aus Hannover nach Uelsen gerufen. Der wird im Laufe des Tages den Gegenstand inspizieren.


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