Reaktionen auf „Ausgestrahlt“-Liste Lathen und Sögel lehnen Atommüll-Endlager ab

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Massive Proteste wie hier von Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace 2011 in der Innenstadt von Hannover gegen einen geplanten Castor-Transport nach Gorleben befürchtet die Samtgemeinde Lathen für den Fall eines Atommüll-Endlagerstandortes im nördlichen Emsland. Foto: Julian Stratenschulte dpa/lniMassive Proteste wie hier von Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace 2011 in der Innenstadt von Hannover gegen einen geplanten Castor-Transport nach Gorleben befürchtet die Samtgemeinde Lathen für den Fall eines Atommüll-Endlagerstandortes im nördlichen Emsland. Foto: Julian Stratenschulte dpa/lni

Lathen/Sögel. In der Debatte um ein Atommüll-Endlager haben nach der Stadt Lingen nun auch die Samtgemeinden (SG) Lathen und Sögel Stellung bezogen. Beide lehnen Standorte auf ihrem Hoheitsgebiet kategorisch ab und kündigten energische Initiativen an, sollten Salzstöcke im nördlichen Emsland in die nähere Auswahl gelangen.

Wie berichtet, hatte die Anti-Atomkraft-Initiative „Ausgestrahlt“ bundesweit 129 mögliche Standorte für ein Endlager genannt, die sich aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit, zum Beispiel Salzvorkommen, theoretisch für die Aufbewahrung von Atommüll eignen. Das Emsland taucht fünfmal in der Auflistung der Initiative auf, die SG Lathen ist sogar dreimal betroffen: Wahn, Neusustrum und Oberlangener Tenge. Der Salzstock in Wahn zieht sich bis in die SG Sögel hinein, die damit ebenfalls betroffen und zu beteiligen wäre bei der möglichen näheren Suche, die bis 2031 abgeschlossen sein soll.

(Weiterlesen: Atommüll-Endlager: Acht Orte in Region auf „Ausgestrahlt“-Liste)

Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone (parteilos) hatte sich kurz nach der Berichterstattung im Bezug auf den möglichen Standort Baccum klar betont: „Es handelt sich um ein Trinkwasserschutzgebiet. Die Region kommet für ein Endlager nicht in Frage. Da sind wir uns einig.“ Grünen-Kommunalpolitiker Michael Fuest sagte: „Dass wir zu den 129 möglichen Standorten gehören, ist ein Warnsignal. Es gilt, rechtzeitig deutlich zu machen, dass das hier nicht in Frage kommt. Wir sind kein Topfavorit, müssen aber aufpassen: Wehret den Anfängen!“

(Weiterlesen: Lingener Oberbürgermeister: Krone: Region kommt für ein Endlager nicht in Frage)

In die gleiche Kerbe schlagen nun Karl-Heinz Weber und Günter Wigbers (beide CDU), Bürgermeister der SG Lathen und Sögel. „Alle drei genannten Standorte in der SG Lathen, Wahn, Neusustrum und Oberlangen-Tenge, lehnen wir ab. Es gibt keine Akzeptanz und auch keine Notwendigkeit, die Region mit diesen zusätzlichen Lasten in Anspruch zu nehmen“, sagte Weber auf Anfrage und in Absprache mit den betroffenen Ortsbürgermeistern innerhalb der SG.

Insbesondere ärgert Weber, dass die gesetzlichen Regelungen kein Mitspracherecht für die betroffene Region und deren Bürger vorsehe. Darauf hatte auch die Initiative „Ausgestrahlt“ verwiesen. „Wir müssen uns bei jeder Planung, die in unserem regionalen und lokalen Interesse erfolgt, dem Votum von mehr als 40 Trägern öffentlicher Belange und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger stellen. Und das ist gut, denn es kommen ja häufig hilfreiche Anmerkungen. Wie kann es eine Planung geben, die massive Auswirkungen nach sich ziehen wird und die Interessen der Bevölkerung vor Ort bleiben außen vor? Welche demokratischen Grundsätze sollen denn hier bitteschön gelten?“ fragt Weber rhetorisch.

Proteste befürchtet

Er befürchtet massive Proteste, die sich nicht auf die Emsländer beschränken werde und erinnert an die Anti-Atommüll-Aktionen in Gorleben. „Aufgrund der dortigen Erfahrungen würden dann leider auch entfernt wohnende professionelle Widerständler den Weg in die Region finden, um damit auf lange Zeit ein friedliches Miteinander der Bevölkerung zu verhindern“, heißt es aus dem Rathaus in Lathen.

Weber weiter: „Die Samtgemeinde Lathen wünsche sich einen Dialog auf Augenhöhe, um dieses Thema mit den verantwortlichen Stellen zu diskutieren. Ich sehe zurzeit aber keinerlei Bereitschaft, eine solche Thematik, die über einen nach menschlichem Ermessen nicht abzuschätzenden Zeitraum zur Belastung der Region führe, vor Ort positiv zu begleiten.“ Man werde „alles Erdenkliche unternehmen, um eine solche Anlage zu verhindern“.

Wigbers: Eine „Phantomdiskussion“

Sögels Rathauschef Günter Wigbers, gleichzeitig Vorsitzender der CDU Aschendorf-Hümmling, hält die Debatte derweil für eine „Phantomdiskussion“. Er prophezeit: „Politik und Gesellschaft der heute lebenden Generationen werden sich in Deutschland nicht auf ein Endlager einigen, und zwar weder technisch-methodisch noch geografisch. Die vorhandenen Zwischenlager bleiben noch lange Zwischenlager mit dem wahrscheinlichen Effekt, dass es der Forschung eines Tages gelingen wird, radioaktive Abfälle weitgehend schadlos zu beseitigen. Insofern ist das für mich eine Phantomdiskussion.“

Auch in Lingen gibt es am dortigen Atomkraftwerk (AKW) ein Zwischenlager für den im Kraftwerk anfallenden Atommüll. Dort steht seit 2002 ein Zwischenlager mit Stellplätzen für 125 Castorbehälter. 85 werden für die Lingener Anlage benötigt. Die Laufzeit des AKW Lingen endet am 31. Dezember 2022.


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