Serie „Mein Job und ich“ Apothekerin aus Lathen über Notdienste, Mütterberatung und Krankenkassen

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Seit Juli 2017 führt Apothekerin Alexandra Hebbelmann (rechts) die Brunnen-Apotheke, die ihr Vater Hermann Eiken 1979 eröffnet hat, weiter. Links im Bild die pharmazeutisch-technische Angestellte Bärbel Ganseforth. Foto: Daniel Gonzalez-TepperSeit Juli 2017 führt Apothekerin Alexandra Hebbelmann (rechts) die Brunnen-Apotheke, die ihr Vater Hermann Eiken 1979 eröffnet hat, weiter. Links im Bild die pharmazeutisch-technische Angestellte Bärbel Ganseforth. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Lathen. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht Apothekerin Alexandra Hebbelmann aus Lathen über Lieferengpässe bei Medikamenten, die Unterschiede zu Vorgänger und Vater Hermann Eiken und Erlebnisse bei Notdiensten.

Frau Hebbelmann, Sie haben im Juli 2017 die Brunnen-Apotheke an der Marktstraße von Ihrem Vater Hermann Eiken übernommen. Ab wann stand für Sie fest, in seine Fußstapfen zu treten?

Ich fand den Beruf sehr früh interessant. Man hat viel mit Menschen zu tun, kann ihnen, auch ergänzend zur Schulmedizin, helfen oder sie bei der Genesung unterstützen. Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Angestellten (PTA) in Osnabrück angefangen. Im Anschluss habe ich in Mainz Pharmazie studiert. Mit meinem Mann bin ich dann zunächst nach Lingen gezogen und habe in Rheine als Apothekerin gearbeitet. Parallel habe ich eine Weiterbildung im Bereich Homöopathie und Naturheilverfahren in Celle gemacht. 2010 folgte der Umzug nach Lathen, 2017 dann die endgültige Übernahme des Betriebes von meinem Vater.

Was unterscheidet Sie von Ihrem Vater?

Ich habe mich auf Homöopathie, Naturheilverfahren und orthomolekulare Medizin, eine ergänzende Therapie mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, spezialisiert. Außerdem ist mir die Beratung junger Mütter mit kleinen Kindern, wo oft die Gesundheitsprävention im Mittelpunkt steht, ein Anliegen. Ich habe selbst Zwillinge im Alter von 6 und eine weitere Tochter im Alter von 3 Jahren und weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Fragen zur eigenen Gesundheit oder der der Kinder aufkommen. Mein Vater war politisch sehr aktiv, auf Verbandsebene in der Apothekerschaft, aber auch in der Kommunalpolitik. Das bin ich nicht.

Versandapotheken machen stationären Apotheken wie Ihnen das Leben schwer. Wie sehr spüren Sie das?

Eigentlich betrifft es die ausländischen Versender. Schlichtweg unfair finde ich die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze, auch bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Dadurch können ausländische Versandapotheken Boni anbieten, uns ist es jedoch nach deutschem Recht verboten. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist festgehalten, dass der Versand eingeschränkt werden soll. Ich bin, wie viele andere Berufskollegen, der Meinung, dass die Voraussetzungen für alle gleich sein sollten. Deshalb läuft dazu derzeit auch eine Petition. Die Bevölkerung sollte bedenken, dass durch ein Aussterben der Apotheken vor Ort die Wege zu den Notdienst-Apotheken immer länger werden und die Innenstädte veröden. Außerdem ist die Sicherheit der Abgabe von Arzneimitteln bei uns höher.

Wieso?

Wir erkennen Ungereimtheiten in der Verschreibung, zum Beispiel falsche Stärken, die es geben kann und die zu gesundheitlichen Nachteilen führen können, oder wissen um Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten, weil wir viele Kunden über Jahre kennen und in der Kundenkartei nachvollziehen können, was wir bereits an sie abgegeben haben. Diese Beratung fehlt bei den Versandapotheken. Außerdem haben wir die Möglichkeit, ein Arzneimittel innerhalb von etwa drei Stunden oder über Nacht zu besorgen und liefern bei Bedarf direkt an die Haustür. Ein Online-Versand dauert erfahrungsgemäß zwei Tage oder länger.

Ist denn das klassische Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten noch gewinnbringend, oder trägt sich eine Apotheke nur noch durch die rezeptfreien Waren?

Medikamente auf Grundlage von Rezepten auszugeben, ist unser Kerngeschäft. Welche Pauschale eine Apotheke je Rezept bekommt, ist in der Arzneimittel-Preisverordnung gesetzlich festgelegt und für jeden gleich. Das ist bei manchen Medikamenten, zum Beispiel zur Krebsbehandlung, bei dem der Beratungsaufwand hoch oder die Lagerhaltung teuer ist, nicht immer auskömmlich. Rezeptfreie Waren, insbesondere Erkältungsmittel, sind eine Ergänzung im Gesamtkonstrukt. Und sie stärken die Kundenbindung.

Zuletzt wurde bundesweit über einen Engpass beim Schmerzmittel Ibuprofen berichtet. Kommen solche Engpässe häufig vor?

Leider ja. Es gibt seit einiger Zeit Lieferschwierigkeiten bei Bluthochdruck-Medikamenten, weil einige Mittel wegen Verunreinigungen zurückgezogen wurden. Die Patienten in solchen Fällen auf andere Mittel oder Hersteller umzustellen ist nicht immer so einfach. Wir versuchen, möglichst hohe Lagerbestände zu haben, unsere Liefersicherheit liegt bei etwa 92 Prozent, was sehr hoch ist. Manchmal aber reichen unsere Lagerbestände oder die von den Großhändlern in Rastede und Oldenburg, mit denen wir zusammenarbeiten, eben doch nicht aus.

Welche Konflikte mit Krankenkassen kommen vor?

Wir müssen bei vielen Medikamenten darauf achten, welche Rabattverträge die jeweilige Krankenkasse mit welchem Hersteller gemacht hat. Das führt beispielsweise dazu, dass wir für gewisse Wirkstoffe Ware von mehreren Produzenten auf Lager haben müssen, obwohl es sich wie gesagt um den gleichen Wirkstoff handelt. Wenn ich ein Medikament nicht auf Vorrat habe, kann ich einem Patienten nicht einfach ein Mittel eines anderen Herstellers geben, auch wenn es günstiger für die Krankenkasse sein sollte. Denn das ursprüngliche Medikament kann ja für die Kasse durch den Rabattvertrag wiederum günstiger sein. Konflikte mit Krankenkassen gibt es manchmal bei Hilfsmitteln, bei denen wir nicht lieferberechtigt sind, weil die Kassen Lieferverträge mit anderen abgeschlossen haben. Ich bin der Meinung, die Patienten sollten da freie Wahl bekommen.

Wie ist die Arbeit in Ihrem Betrieb aufgeteilt?

Das Team besteht aus vier Apothekern, neben mir und meinem Vater zwei angestellte Apothekerinnen, die aus Heede und Haren stammen. Außerdem haben wir acht pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA), die für die Medikamentenausgabe und -herstellung, zum Beispiel von Cremes, zuständig sind. Vier pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) sorgen für die Bestellungen, Abrechnungen, Lagerhaltung oder die Kommunikation mit Ärzten und Kassen. Außerdem haben wir einen PKA-Auszubildenden. Alleine wäre das als dreifache Mutter mit der Samstagsöffnung und den Notdiensten nicht zu stemmen. Dafür möchte ich mich bei meinem Team auch an dieser Stelle bedanken.

Kommt man bei Notdiensten auch mal zum Schlafen, oder ist permanent etwas los?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt manchmal Kunden, die halten es für selbstverständlich, dass eine Apotheke nachts geöffnet hat für Dinge, die vielleicht auch bis zum nächsten Morgen Zeit haben. Einige sollten abwägen, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt.


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