Acht Tonnen je Hektar Hanfernte in Wippingen erfolgreich

Von Birgit Waterloh

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Die Hanfernte in Wippingen ist erfolgreich verlaufen. Foto: Birgit WaterlohDie Hanfernte in Wippingen ist erfolgreich verlaufen. Foto: Birgit Waterloh

Wippingen. Es ist eine außergewöhnliche Landmaschine, die sich langsam über das Feld bewegt: In Wippingen wird Faserhanf geerntet. Die extrem reißfesten Fasern werden später in der Dämmung von Fahrzeugen oder Häusern zu finden sein – berauschend sind sie nicht.

Bislang wurde der Faserhanf mit einem Maishäcksler geschnitten und in Schwaden abgelegt. Damit die Faser sich unter dem Einfluss von Luft, Sonne und Feuchtigkeit vom holzähnlichen Teil des Stängels löst, verbleibt das Stroh für etwa drei Wochen nach dem Mähen auf dem Feld. "Rösten" wird dieser Prozess genannt. Zwei bis dreimal muss der Hanf in dieser Zeit gewendet werden. 

Blüten werden separat geerntet

Neu ist in diesem Jahr die separate Ernte der Blütenblätter. Dies soll versuchsweise auf etwa einem Drittel der Flächen erfolgen. Dazu wurde über dem "Maisgebiss" des Häckslers zusätzlich die Haspel eines Getreidemähdreschers eingebaut. Diese kann die Blütenstände der bis zu vier Meter hohen Hanfpflanze aufnehmen, während der Stängel unten abgeschnitten wird.


Der Geschäftsführer von HempFlax, Mark Reinders (links), mit Christopher Konen. Foto: Birgit Waterloh


Die Maschine ist ein Eigenbau des niederländischen Unternehmens HempFlax, welche das Hanfstroh aller 36 Landwirte im Emsland abnimmt. Mit aktuell 480 Hektar liegt im nördlichen Emsland das größte zusammenhängende Anbaugebiet in Deutschland. In den Niederlanden hat das Unternehmen mit Sitz in Oude Pekela 1600 Hektar Hanf unter Vertrag. Geschäftsführer Mark Reinders sitzt selbst auf dem Drescher, denn die Ernte läuft auf Hochtouren. „Wir mähen gerade, wenden und pressen bereits auf den ersten Flächen das Stroh“, sagt Reinders, der deshalb mit einspringen muss. 

Hanf sei in der Ernte eine problematische Frucht, erklärt Reinders. Während er von oben einen guten Überblick über die Blütenstände hat und die Haspel immer wieder in der Höhe anpasst, kann er das "Maisgebiss" über einen Monitor kontrollieren. Bei einem zu hohen Stängelanteil der Blüten verstopft die Dreschtrommel, zudem können die reißfesten Hanffasern die Technik behindern.

Anbau seit 1996 im Emsland

Der Anbau von Hanf ist relativ simpel. Die Mitarbeiter des Beratungsringes Aschendorf-Hasselbrock sind bereits seit 1996 Vermittler zwischen HempFlax und interessierten Landwirten. Was die Bodenbearbeitung und Einsaat betrifft, sei Hanf vergleichbar mit Raps, erklärt Berater Christopher Konen. Der Verarbeiter bestimmt dabei die Sorte. Die Düngung erfolgt mit Wirtschaftsdünger und etwas mineralischem Stickstoff. 

Danach ist die Arbeit der Landwirte auch schon getan. Durch das schnelle Wachstum der Pflanze werden Unkräuter unterdrückt, Pflanzenschutzmaßnahmen sind deshalb nicht erforderlich. Die Ernte und das erforderliche Wenden des Hanfstrohes übernimmt HempFlax zusammen mit darauf spezialisierten Lohnunternehmern.

Fruchtfolge aufgelockert

„Die Landwirte nutzen Faserhanf neben Mais und Getreide gerne als dritte Kultur“, erklärt Konen. Damit wird die Fruchtfolge aufgelockert. Vorteil sei der geringe Arbeitsaufwand in Kombination mit einem ähnlich hohen Deckungsbeitrag wie bei Getreide. Positiv wirke auch die Pfahlwurzel der Hanfpflanze auf den Boden. Das im folgenden Jahr angebaute Getreide profitiere davon.

„Den Flächenbedarf von HempFlax können wir immer erfüllen“, sagt Konen. Mehr noch, mittlerweile gibt es sogar eine Warteliste für Interessenten. Dabei dürfen Landwirte, die den Hanf bereits einmal angebaut haben, dies im kommenden Jahr erneut tun. Sie schließen mit dem Verarbeiter jeweils einen einjährigen Vertrag. Bezahlt wird das Gewicht des Hanfstrohes. Die Summe ist vertraglich festgelegt. Johannes Frericks, auf dessen Feld geerntet wird, ist bereits im vierten Jahr dabei. Er schätzt vor allem den unkomplizierten Anbau.


Dieses Hanfstroh wurde bereits vor einiger Zeit geschnitten. Durch den Prozess des sogenannten Röstens beginnt die Faser bereits, sich vom holzartigen Teil des Stängels zu lösen.


Auf seinem Feld trennt der Drescher gerade die feinen Blütenblätter so weit wie möglich von den noch unreifen Samen. Danach wird das Blättergemenge auf einen Wagen übergeladen. Nach der Trocknung in einer Biogasanlage erfolgt die Extraktion der chemischen Substanz Cannabidiol (CBD). Dazu werden die Blütenblätter nach Süddeutschland in eine Aufbereitungsanlage für Hopfen transportiert. 

Substanz CBD wird genutzt

CBD ist eines von 113 identifizierten aktiven Cannabinoiden, die in der Cannabispflanze gefunden wurden. CBD löst im Gegensatz zum Tetrahydrocannabinol (THC) kein „High“-Gefühl aus, soll aber entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. In der alternativen Medizin wird es beispielsweise bei Parkinson oder Krebs eingesetzt. Reinders will mit der CBD-Gewinnung versuchen, einen Extra-Ertrag für die hiesigen Landwirte zu generieren.

Angebaut werden dürfen nur Hanf-Sorten, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) freigegeben sind. Jede zweite Anbaufläche wird auf den Gehalt an THC beprobt. Diese psychoaktive Substanz ist der Stoff, der beim Kiffen benötigt wird. Faserhanf darf 0,2 Prozent THC aufweisen. „Für gewöhnlich liegen die Gehalte aber weit darunter“, sagt Berater Konen. Wenn man sich mit Industriehanf berauschen wolle, brauche man einen acht Kilogramm schweren Joint, so Reinders schmunzelnd.





Die Erntemenge an Hanfstroh schätzt Reinders in diesem Jahr auf sieben bis acht Tonnen je Hektar ein. Johannes Frericks ist zufrieden, er will auch im kommenden Jahr wieder Hanf anbauen. Die extrem reißfesten Fasern von seinem Feld werden später beispielsweise in der Dämmung von Fahrzeugen oder Häusern zu finden sein. Hier ersetzt der Naturstoff Glasfasern. Der verholzte Teil der Hanfpflanze ist vor allem als Einstreu beliebt.


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