Landwirte vor Ort ohne Lieferinteresse Biogasanlage für Gülle und Mist in Lathen vom Tisch

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In Lathen werden die Überlegungen zur Ansiedlung einer Groß-Biogasanlage eingestellt. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa/ArchivIn Lathen werden die Überlegungen zur Ansiedlung einer Groß-Biogasanlage eingestellt. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa/Archiv

Lathen. Bevor es richtig losging, ist es schon wieder Geschichte. Die Gemeinde Lathen wird die in der vergangenen Woche vorgestellten Planungen für die Ansiedlung einer Groß-Biogasanlage zur Verarbeitung von Gülle und Mist im Ortsteil Wahn nicht weiter verfolgen. Der Grund: Anders als erwartet, sind die Landwirte in der Region offenbar an einer Belieferung der Anlage nicht interessiert.

„Das Projekt ist vom Tisch“, sagt Bürgermeisterin Luise Redenius-Heber (CDU). Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion im Gemeinderat wurde in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Donnerstagabend der in der vergangenen Woche gefasste Beschlussvorschlag des Bau- und Umweltausschusses zurückgenommen. Die Samtgemeinde (SG) soll dem entsprechen. Wie berichtet, sollte damit der Einstieg in umfangreiche Prüfverfahren erfolgen. Anwohner hatten direkt Bedenken geäußert, die SPD/Grüne-Gruppe das Vorhaben von vornherein abgelehnt.

Gespräche mit Landvolk

Redenius-Heber zufolge war Grundvoraussetzung, sich überhaupt mit dem 40-Millionen-Euro-Projekt der Gesellschaft für Energiegewinnung und Materialrecycling UG (Rinteln) zu beschäftigen, den örtlichen Landwirten eine Lösungsmöglichkeit für ihr „Nährstoffüberangebot“ aus Tierhaltungsanlagen auszuloten. Auf dieser Grundlage sei auch stets mit den Investoren verhandelt worden. Die möglichen Bauherren hätten in diesem Zusammenhang auf dem Gespräche mit dem Emsländischen Landvolk (VEL) in Meppen verwiesen.

Grundintention entzogen

Wie Gemeindedirektor Karl-Heinz Weber erläutert, hat ihm VEL-Geschäftsführer Lambert Hurink jedoch „versichert, dass er sich an keine Gespräche erinnern kann und auf Befragen seines Kollegen erfahren habe, dass solche Gespräche mit der Vorgängerfirma drei bis vier Jahre zurück“. Weber zufolge hat das Landvolk erhebliche Zweifel, ob die Anlage in der vorgesehenen Form betrieben werden könne und stünde nicht als Lieferant zur Verfügung. Damit sei dem Vorhaben die Grundintention entzogen worden, fügt Redenius-Heber hinzu. Nach Webers Worten ist auch das Landvolk für eine technische Lösung des Nährstoffüberangebotes. Eine Reduzierung der Tierzahlen stünde hingegen nicht zur Debatte.

Nährstoffüberangebot unbestritten

Das Nährstoffüberangebot aufgrund der Tierhaltungsanlagen ist nach Webers Auffassung unstreitig. „Nicht umsonst müssen viele Landwirte aufgrund der Flächenknappheit über einen zentralen Vermittlungsdienst überschüssige Gülle und überschüssigen Mist vermarkten lassen. Dafür wird gezahlt und es entstehen zum Teil erhebliche Transporte.“ Absicht des mehrfach diskutierten und mit dem Landkreis Emsland vorabgestimmten Vorhabens sei es gewesen, die Nährstoffüberschüsse vor Ort zu regeln und sie mit der Rückgewinnung von wertvollen Rohstoffen wie Phosphor zu verbinden.

Weber betont, dass die SG jedes Vorhaben intensiv auf Verträglichkeit mit öffentlichen und privaten Interessen sowie mit möglichen Vorteilen für die Region prüfe. „Dazu sind wir gegenüber unseren Bürgern auch verpflichtet“, sagt Redenius-Heber.

Im laufenden Verfahren hätte nach Angaben der Kommune der Betreiber die Verträglichkeit mit den genannten Interessen nachweisen müssen – und zwar gutachterlich zu Emissionen, Verkehrsanbindung sowie in wasser- und naturschutzfachlicher Abwägung.

„Nicht immer bequem“

Weber hebt hervor, dass er in seiner langjährigen Tätigkeit für die Gemeinde sich stets am Gemeinwohl orientiert habe, auch wenn das nicht immer der bequeme Weg gewesen sei. „Jeder Antragsteller hat das Recht, dass sein Vorhaben objektiv auf Verträglichkeit mit öffentlichen und privaten Interessen geprüft wird.“ Die Antragsteller hätten neben der Millioneninvestition immerhin von bis zu 20 Arbeitsplätzen gesprochen.

Redenius-Heber verspricht, dass man sich weiter intensiv bemühen werde, verträgliche Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Für die Sorgen der Bürger habe sie Verständnis. Kein Verständnis hat die Bürgermeisterin nach eigenem Bekunden für die Form der Auseinandersetzung, „die teilweise die Grenzen des fairen Umgangs weit überschritten haben“. Ratsmitglieder hätten Anspruch auf einen sachlichen Diskussionston. Im Bauausschuss sei eine transparente Beratung und öffentliche Vorstellung angekündigt worden. „Ich hätte mir gewünscht, dass man diese abgewartet und erst dann in Kenntnis der Gesamtumstände diskutiert hätte“, sagt Redenius-Heber.

Dazu zählt sie auch die „Phantomdebatte“ eines Gülletourismus aus den Niederlanden, wie sie die Opposition befürchtet hatte. „Das ist absoluter Blödsinn, denn das hätte man selbstverständlich im Rahmen städtebaulicher Verträge ausgeschlossen“, so die Bürgermeisterin.


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