Verträge mit Kunden werden gekündigt Energiegenossenschaft Lathen zieht Preise an

Meine Nachrichten

Um das Thema Lathen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ans Netz der Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal in Lathen versorgt nach eigenen Angaben mehr als 800 Haushalte angeschlossen. Foto: Volksbank Emstal/ArchivAns Netz der Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal in Lathen versorgt nach eigenen Angaben mehr als 800 Haushalte angeschlossen. Foto: Volksbank Emstal/Archiv

Lathen. Kunden der Lathener Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal müssen ab 2019 mit einer Preiserhöhung rechnen. Die Genossenschaft kündigt zum kommenden Juni die Verträge zur Wärmelieferung.

Als Grund führt die im Jahr 2009 gegründete Genossenschaft geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie aktuelle Gerichtsentscheidungen im Bereich der Wärmeversorgung an. Deshalb „sehen wir uns leider gezwungen, von der vertraglich vorgesehenen Kündigungsmöglichkeit in dem mit Ihnen geschlossenen Wärmelieferungsvertrag Gebrauch zu machen“, heißt es in einem Schreiben der Genossenschaft an ihre Kunden, das unserer Redaktion vorliegt. Darin werden in den folgenden Absätzen aber auch wirtschaftliche Gründe ins Feld geführt.

15 Prozent Steigerung

Nach Angaben der Genossenschaft steigt der aktuelle Arbeitspreis von 53,50 Euro pro Megawattstunde zum 1. Juni 2019 auf 61,78 Euro. Für einen Haushalt mit einer jährlichen Wärmeabnahmemenge von 17.500 Kilowattstunden bedeute dies einen Preisanstieg von 936,25 Euro auf 1081,15 Euro – also rund 15 Prozent mehr gegenüber dem bisherigen Preismodell, rechnet die Genossenschaft ihren Kunden vor. Im bundesdurchschnittlichen Vergleich gehört die Genossenschaft nach eigenen Angaben dennoch weiterhin zu den günstigsten Nahwärmeanbietern in Deutschland. Und auch im Gesamtpreisvergleich mit regionalen Grundversorgern bleibe die Genossenschaftswärme attraktiv. Die neuen Verträge sollen im Herbst 2018 verschickt werden.

Vorstand hält sich bedeckt

Wie es in dem Schreiben weiter heißt, besteht das Ziel der neuen Preisgestaltung darin, „die Wirtschaftlichkeit der Anlage weiterhin zu gewährleisten“. Für einen kostendeckenden Betrieb der Verbrennungsanlage sei es unumgänglich, das bestehende Preismodell erstmals seit Gründung der Genossenschaft anzupassen. Zuvor seien Investitionen in die Erzeugungs- und Verteilungsanlagen notwendig geworden.

Die Vorstandsmitglieder Marion Martina und Hans Albers halten sich auf Nachfrage unserer Redaktion bedeckt. Martina verweist darauf, dass zunächst die Genossen auf der Generalversammlung „weitergehend“ informiert werden sollten. „Wir halten es für nicht angemessen, vorher Informationen über öffentliche Medien zu verbreiten und werden daher Ihre Fragen zur Zeit nicht beantworten“. Somit blieben Fragen unserer Redaktion nach einer Konkretisierung der Kündigungsgründe ebenso unbeantwortet wie nach der Entwicklung der Genossenschaft seit dem Verkauf ihres Anlagevermögens an die Volksbank Emstal im vergangenen Jahr, dem Termin der Generalversammlung, der Zahl der Genossenschaftsmitglieder sowie der Zahl der Haushaltsanschlüsse, die über das Nahwärmenetz aktuell versorgt werden. In dem Schreiben an die Kunden wird hingegen hervorgehoben, dass „uns Transparenz und Verlässlichkeit wichtig sind“. Vor einem Jahr war die Zahl der Genossenschaftsmitglieder und Wärmeabnehmer mit 524 angegeben worden, die der Netzanschlüsse in Lathen, Lathen-Wahn und Fresenburg – darunter eine Vielzahl öffentlicher Gebäude – mit mehr als 800.

Anlagevermögen 2017 verkauft

Bei Verbraucherschützern stoßen Nahwärmemodelle durchaus auf Kritik. Sie beklagen, dass Kunden in einem unregulierten Markt mitunter gefangen seien. Wie eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Niedersachsen auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, könne sie Kunden derzeit leider „keinen verlässlichen Rat“ geben, solange sich die aus ihrer Sicht veralteten, gesetzlichen Grundlagen nicht ändern.

Um ihre finanzielle Schieflage zu beheben, hat die Genossenschaft im vergangenen Jahr ihr Anlagevermögen von knapp 20 Millionen Euro an die Volksbank Emstal verkauft. Seinerzeit hatten sowohl Vertreter des Aufsichtsrates der Genossenschaft als auch der Bank in einem Gespräch mit unserer Redaktion versichert, dass sich für die Mitglieder und Wärmeabnehmer nichts ändern solle. Der Verkauf war nach Angaben der Beteiligten „dringend notwendig“ geworden, weil das Eigenkapital der Genossenschaft nach verlustreichen Jahren aufgezehrt sei.

(Weiterlesen: Energiegenossenschaft Lathen verkauft Anlagevermögen)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN