Naturschutz, Verkehr, Wasserrecht Pläne für Biogasanlage in Lathen auf dem Prüfstand

Meine Nachrichten

Um das Thema Lathen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Biogas soll unter anderem aus der Anlage gewonnen werden, die ein Investor in Lathen-Wahn errichten will. Symbolfoto: dpaBiogas soll unter anderem aus der Anlage gewonnen werden, die ein Investor in Lathen-Wahn errichten will. Symbolfoto: dpa

Lathen. Zusätzliche Verkehrs- und Geruchsbelastung gehören zu den größten Bedenken im Hinblick auf die mögliche Ansiedlung einer großen Biogasanlage im Lathener Ortsteil Wahn. Das ist während der Diskussionen und Einwohnerfragestunden in den Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde und der Samtgemeinde (SG) Lathen deutlich geworden.

Jeweils mit den Stimmen der CDU-Mehrheit ebneten die Gremien den Weg für den Einstieg in umfangreiche Prüfverfahren. Ob eine Ansiedlung der Anlage überhaupt infrage kommt, hängt nach Angaben von SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber maßgeblich von den Prüfergebnissen ab. So ist für die Anlage beispielsweise ein emissionsrechtliches Genehmigungsverfahren vonnöten, das nach der 4. Bundesimmissionsschutzverordnung durchzuführen ist. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes großes Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. „Zunächst geht es aber erst einmal darum zu klären, ob und in welchem Zustand eine solche Anlage möglich ist oder nicht“, betont Weber. Die Bedenken von Bürgern würden ernst genommen, versicherte er. Der Planungsstand im Überblick.

Darum geht es: Die Gesellschaft für Energiegewinnung und Materialrecycling UG (Rinteln) will auf einer abgelegenen Ackerfläche südlich der L 53 in Lathen-Wahn eine Biogasanlage errichten, die vornehmlich mit Gülle sowie mit Mist und Geflügelkot gespeist und mit Lkw-Tankwagen aus einem Umkreis von 100 Kilometern beliefert werden soll. Der vom Investor favorisierte Standort ist nach vorläufiger Prüfung durch den Landkreis Emsland nicht nur aus städtebaulicher Sicht geeignet, sondern auch in der Lage, das Prozesswasser (etwa 30 Kubikmeter pro Stunde) über Vorfluter abzuführen.

Womit soll die Anlage „gefüttert“ werden? Außer Rinder- und Schweinegülle sind Rinder-, Hähnchen-, Hühnerfrisch- und Pferdemist sowie Hühnertrockenkot vorgesehen.

Wie groß soll die Anlage werden? In drei Ausbaustufen sollen jährlich bis zu 300.000 Kubikmeter Gülle, Mist und Kot verarbeitet werden. Die Anlieferung soll per Tank-Lkw erfolgen – möglichst geruchsfrei in einem geschlossenen Annahmesystem mit Lkw-Reifenwaschanlage sowie Abluftanlage inklusive Biofilter.

Was soll die Anlage produzieren? Außer 1000 Kubikmeter Biogas pro Stunde, das ins Gasnetz eingespeist wird, rechnen die Investoren mit 20600 Tonnen getrockneten Gärresten sowie 12.000 Kubikmeter Ammoniumsulfat-Lösung (Flüssigdünger). Die Gärreste sollen granuliert oder pelletiert werden, um sie – hochwertig aufbereitet – ebenfalls als Dünger zu vermarkten. Nicht zuletzt geht es Weber zufolge aber auch darum, mithilfe von Algenkulturen Phosphor zurückzugewinnen, dessen natürliche Vorkommen endlich seien und das neben Stickstoff das wichtigste Nährstoffelement für Pflanzen, Tiere und Menschen sei.

Standort-Favorit des Investors für die Biogasanlage ist die rot markierte Ackerfläche südlich der Sögeler Straße L 53 in Lathen Wahn. Quelle: Goole/Map Data, GeoBasis DE/BKG / Bearbeitung: Matthias Michel

Wie lauten die Beschlüsse der beiden Ausschüsse? Beide Gremien empfehlen dem Gemeinde- bzw. dem SG-Rat, ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren mit dem Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises durchzuführen. Zudem seien naturschutzfachliche, verkehrliche und wasserrechtliche Verfahren vorzubereiten. Der Flächennutzungsplan soll geändert und ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN