Gemeinde prüft Ansiedlungsvorhaben Investor will Biogasanlage für Gülle in Lathen bauen

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In einer Biogasanlage verarbeitet statt auf ein Feld ausgebracht werden soll Gülle in dem Bau, den eine Gesellschaft in Lathen verwirklichen will. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpaIn einer Biogasanlage verarbeitet statt auf ein Feld ausgebracht werden soll Gülle in dem Bau, den eine Gesellschaft in Lathen verwirklichen will. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Lathen. In Lathen gibt es Überlegungen zur Ansiedlung einer großen Biogasanlage, die vornehmlich mit Gülle sowie mit Mist und Geflügelkot gespeist und mit Lkw-Tankwagen aus einem Umkreis von 100 Kilometern beliefert werden soll.

Nach den Worten von Gemeindedirektor Karl-Heinz Weber steht das Ansiedlungsvorhaben eines Investors noch ganz am Anfang. „Bislang ist keine Genehmigung erteilt“, sagte Weber. Das letzte Wort habe ohnehin der Gemeinderat.

Opposition warnt vor Gülletourismus

Der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde votierte am Mittwochnachmittag mit knapper CDU-Mehrheit (5:4 Stimmen) für den Einstieg in das auf mehrere Jahre angelegte Verfahren. Die Opposition hingegen hält Vorhaben und Standort schon jetzt für fragwürdig. Zudem warnte sie vor Gülletourismus.

Favorisierter Standort ist eine abgelegene Ackerfläche südlich der L 53 bei Lathen-Wahn. Hinter dem Projekt steht die Gesellschaft für Energiegewinnung und Materialrecycling UG. Unternehmenssitz ist Rinteln.

Phosphor zurückgewinnen

Ziel der geplanten Anlage sei es, neue Wertstoffe zu produzieren, erklärte Weber in der Sitzung. In erster Linie gehe es dabei um die Rückgewinnung von Phosphor. Dessen natürliche Vorkommen seien endlich, weshalb die Phosphorrückgewinnung für Klärschlämme ab dem kommenden Jahrzehnt gesetzlich vorgeschrieben sei.

Die Anlage soll in drei Ausbaustufen in einem geschlossenen System mit biogefilterter Abluftanlage pro Jahr bis zu 300.000 Kubikmeter Rinder- und Schweinegülle, Hähnchen- und Pferdemist sowie Hühnertrockenkot verarbeiten. Herauskommen sollen Biogas, das ins Netz eingespeist wird, sowie getrocknete Gärreste, die granuliert oder pelletiert werden, um sie – hochwertig aufbereitet – als Dünger zu vermarkten. Der Anteil der getrockneten Gärreste soll 85 Prozent betragen, bei den verbleibenden 15 Prozent soll es sich um eine Ammoniumsulfatlösung handeln.

Noch viele Fragen offen

Weber betonte, dass noch viele Fragen zu klären seien – unter anderem bezüglich der Verträglichkeit des Standortes, Verkehrsbelastung, Wasserrecht und Geruchsimmissionen. Mit den zum Verfahrenseinstieg zu fassenden Beschlüssen – auch für die Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Samtgemeinde Lathen am Donnerstag, 16. August 2018 (ab 15.15 Uhr im Rathaus), steht das Thema auf der Tagesordnung – geht es Weber zufolge zunächst darum, den Prozess anzustoßen und zu klären, ob eine Ansiedlung überhaupt realisierbar ist. Danach müssten eine Reihe weiterer Verfahren folgen.

Bürgermeisterin für Bürgerversammlung

Ernst Kock (SPD) warnte indes davor, die Planungen weiterzuverfolgen. „Wehret den Anfängen!“, meinte er. Auch mehrere der über 30 Zuschauer im Sitzungssaal äußerten sich in der Einwohnerfragestunde skeptisch.

Kock und die SPD/Grüne-Gruppe zeigten sich von dem Vorgehen der Verwaltung überrumpelt. Weber verwies daraufhin auf die fristgerechte Ladung zur Ausschusssitzung.

Bürgermeisterin Luise Redenius-Heber (CDU) regte eine Bürgerversammlung zu dem Vorhaben an. „Wir sollten die Überprüfungen zulassen. Es ist noch nichts entschieden“, betonte sie.


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