Wie geht es voran zwischen Dörpen und Lathen? Baustelle A 31: Schwerstarbeit bei Gluthitze, Staub und Lärm

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Meter für Meter "frisst" sich die Asphaltfräse im Schritttempo durch die alten Schichten der A 31. Foto: Harry de WinterMeter für Meter "frisst" sich die Asphaltfräse im Schritttempo durch die alten Schichten der A 31. Foto: Harry de Winter

Dörpen/Lathen. Es ist laut, heiß und staubig auf der Autobahn 31 zwischen Dörpen und Lathen. Während auf der einen Fahrbahn der Verkehr langsam fließt wird auf der anderen Seite hart gearbeitet. Seit März dieses Jahres wird die Trasse auf rund elf Kilometern saniert. Wie haben es die Arbeiter bei der Gluthitze ausgehalten? Und liegen sie im Zeitplan?

Regelmäßig verschafft sich Cord Lüesse auf der A31 einen Überblick über die Arbeiten. Der 52-jährige Bauingenieur ist der Leiter der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück.

Warnweste statt Anzugjacke

Von Dörpen aus fährt Lüesse auf die rund elf Kilometer Baustelle. "Wir machen jetzt etwas, das für den normalen Autofahrer verboten ist", sagt der Osnabrücker, während er die Absperrbaken umkurvt und in den Arbeitsbereich fährt. Bei einem kurzen Halt befestigt er auf dem Dach seines Dienstwagens, ein Opel Meriva, ein gelbes Warnlicht. Seine Anzugjacke tauscht er gegen eine Warnweste. Sein erstes Ziel ist eine der vielen Brücken, die ebenfalls bei der Baumaßnahme instand gesetzt werden sollen. Ein Maler ist damit beschäftigt, den Anstrich zu erneuern. Er hat im Vergleich zu den vielen anderen Arbeitern einen der angenehmeren Arbeitsplätze, denn er konnte bei der Sommerhitze der vergangenen Wochen im Schatten der Brücke und in luftiger Höhe seiner Tätigkeit nachgehen. 


Die Brücken der A 31 bekommen einen neuen Anstrich, der die Stahlbetonkonstruktion gegen Feuchtigkeit schützen soll. Foto: Harry de Winter

Feuchtigkeit größter Feind

"Im Schnitt haben die Brücken jetzt knapp 30 Jahre auf dem Buckel", sagt Lüesse. "Der Zustand ist bei allen aber gut. Der neue Anstrich soll gewährleisten, dass kein Wasser in den Beton eindringen kann." Denn Feuchtigkeit sei der größte Feind, vor allem in Kombination mit Frost. Nach einer Sichtkontrolle des Brückenpfeilers geht die Fahrt im Auto weiter.



Kolonnen und Etappen

Kilometerlang sieht man nur vereinzelt Arbeiter auf der Baustelle. Lüesse erklärt, dass dies damit zusammenhänge, dass in Kolonnen und Etappen gearbeitet werde. Außerdem würde aus logistischen Gründen stets nur von Norden nach Süden in die Baustelle eingefahren, also von Dörpen in Richtung Lathen, um Gegenverkehr und Wendemanöver der Lkw möglichst zu vermeiden. In der Ferne ist eine größere Staubwolke auszumachen. Davor stehen viele Lkw in einer Reihe und warten auf ihren Einsatz. In diesem Bereich fehlt bereits der Asphalt. Der Dienstwagen holpert über Schotter und Betonschichten. 

Die Lkw warten in einer Reihe auf ihren Einsatz. Foto: Harry de Winter

Lüesse parkt seinen Wagen an der Berme und geht zu Fuß weiter. Sein Ziel ist eine der großen Straßenfräsen in einiger Entfernung. Lärm und Staub nehmen weiter zu. Im Schritttempo frisst sich die Fräse durch den alten Asphalt, der feingemahlen über ein Förderband zu einem Lkw zum Abtransport befördert wird. Der Untergrund vibriert im Takt der mächtigen Maschinen. 


Im Schritttempo "frisst" sich die Asphaltfräse durch den alten Straßenbelag der A 31. Per Lkw wird der Abraum zum Mischwerk transportiert, wo er für die Wiederverwendung aufbereitet wird. Foto: Harry de Winter

Vier Liter Wasser bei Hitze

Oben auf einer der Fräsen steht Detlev Westermann. Der 52-Jährige ist seit über 30 Jahren im Straßenbau tätig. Für ihn war vor allem die Hitze in den vergangenen Wochen kaum auszuhalten. "Es war wirklich hart", sagt er. "Zusätzlich gibt die Maschine auch Wärme ab. Man war froh über jeden kleinen Windstoß. Meine Kollegen und ich haben täglich bis zu vier Liter Wasser getrunken. Glücklicherweise haben wir nur den Asphalt abgetragen. Wenn wir auch noch mit heißem Straßenbelag hätten hantieren müssen, wäre das noch schlimmer gewesen." Mit dem Gesamtverlauf der Bauarbeiten ist Westermann zufrieden. Sie kämen jeden Tag gut voran. Etwa 2000 bis 2500 Tonnen der alten A 31 fräst seine Maschine pro Tag. Zehn Tage dauern die Fräsarbeiten insgesamt. Über die Hälfte der alten Straßendecke ist bereits abgetragen.

Detlev Westermann ist seit 30 Jahren im Straßenbau tätig. An die Hitze der vergangenen Wochen hat er sich gewöhnt und trinkt täglich bis zu vier Liter Wasser. Foto: Harry de Winter

Autobahn stellenweise 30 Jahre alt

Dass die Sanierung des Autobahnabschnitts dringend notwendig war, lässt sich sogar noch unter den abgetragenen Asphaltschichten erkennen. Überall sind Risse und Versackungen zu erkennen. "Die Autobahn ist hier fast 30 Jahre alt", sagt Lüesse. "Vor einigen Jahren wurde mal eine neue Deckschicht eingebaut, die ist aber auch in die Jahre gekommen." Bis zum Sandunterboden wird die Fahrbahn abgetragen. Dafür wird die Asphaltdecke von 26 Zentimetern und die darunter liegende Zementverfestigung von 15 Zentimetern komplett entfernt. "Wir sprechen hier von Mengen von etwa 92.000 Kubikmetern", so Lüesse.  

Mit einem Bulldozer wird die neue Schotterschicht auf dem Sanddamm verteilt. Foto: Harry de Winter

Für den Neueinbau werden nun dickere Schichten verwendet. Die Asphaltschicht soll 30 Zentimeter und die Schottertragschicht 25 Zentimeter stark werden. Dadurch verspreche man sich eine längere Haltbarkeit, erklärt der Bauingenieur. Wie lange die neue Bahn am Ende hält, kann Lüesse aber nicht voraussagen. "Das hängt mit vielen Faktoren zusammen – wie dem Verkehr und dem Wetter." 

Bauarbeiten vor allem in der Urlaubszeit?

Das Vorurteil, dass gerade in der Urlaubszeit am meisten gebaut werde, will Lüesse nicht gelten lassen. "Wir bauen das ganze Jahr an so einer Maßnahme. Und so viel Zeit dauert das nun mal. Auch in der Ferienzeit wird weitergearbeitet. Wenn wir das nicht täten, würden die Bauarbeiten bis zu drei Jahre dauern. Das will ja auch keiner und würde die Kosten nur steigern."

Links wird gearbeitet, rechts rollt der Verkehr weiter. Die Mittelschutzplanken werden gegen widerstandsfähigere ausgetauscht. Foto: Harry de Winter

Neue Vorschriften

Neue Vorschriften im Autobahnbau kommen auch zwischen Dörpen und Lathen zur Anwenung. So werden die Mittelschutzplanken ausgetauscht gegen welche mit höherer Widerstandsfähigkeit. "Die sind teurer als die alten", sagt Lüesse. "Aber hier sollte nicht gespart werden, wenn dadurch im Zweifel ein Menschenleben gerettet werden kann." Auch werden zahlreiche Verkehrsschilder ausgetauscht.

Ab Mitte November soll hier der Verkehr wieder rollen. Foto: Harry de Winter

Freie Fahrt zum Jahresende

Bis zum Jahresende soll die elf Kilometer lange Baumaßnahme fertig sein. Dass dieser Termin gehalten werden kann, davon ist der Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr  überzeugt. "Ich gehe davon aus, das wir schon Mitte November den Verkehr wieder auf beiden Richtungsfahrbahnen fließen lassen können. Zunächst noch mit Geschwindigkeitsbegrenzung, weil noch Restarbeiten erforderlich sein werden, aber Ende Dezember heißt es dann freie Fahrt." 

Cord Lüesse, Leiter der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück, ist mit dem Fortschritt der Bauarbeiten auf der A 31 sehr zufrieden. Foto: Harry de Winter

Zufrieden sitzt Lüesse nach seiner Inspektion der Baustelle wieder in seinem Dienstwagen. Nach Osnabrück fährt er aber jetzt noch nicht. Er will seinen Kollegen bei der Autobahnmeisterei in Lathen noch einen Besuch abstatten. Erst danach geht es für ihn zurück die Friedensstadt. 




Bauarbeiten auf der A 31

  • Die Bauarbeiten auf der A 31 zwischen Dörpen und Lathen dauern etwa neun Monate. Begonnen wurde Anfang März 2018. Beendet sein soll die Maßnahme Ende Dezember 2018. Ende Juli 2018 war die Richtungsfahrbahn Emden bereits fertig gestellt. Hier rollt nun derzeit der Verkehr einspurig in beiden Richtungen.
  • Die Baustelle hat eine Länge von etwa elf Kilometer.
  • Die Baukosten, die vom Bund getragen werden, belaufen sich auf insgesamt rund 25 Millionen Euro.
  • Auch die Brückenbauwerke sowie die Schutzplanken in diesem Abschnitt werden saniert bzw. auf den neusten Stand gebracht.

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