Helping Hands ruft zu Sachspenden auf Emsländischer Verein will jetzt auch in Moldawien helfen

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Lathen. Polen, Tschechien, Bulgarien, Weißrussland, Ukraine, vor allem aber Rumänien und nun Moldawien: Die emsländische Hilfsorganisation Helping Hands spannt ihr humanitäres Netz über ein weiteres Land in Osteuropa. Ziel der Hilfe ist ein 920-Betten-Krankenhaus in der Stadt Belzy. Dafür ruft der Verein zu Sachspenden auf.

„Es ist für mich ein bisschen so wie bei einem Profifußballer, der noch einmal woanders spielen möchte“, sagt Helping-Hands-Vorsitzender Hansi Brake im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit mehr als 20 Jahren organisieren der Dörpener und seine Mitstreiter humanitäre Hilfstransporte – vorwiegend nach Rumänien. Daran wird sich aktuell auch nichts ändern. Für den geplanten Hilfstransport dorthin sind acht 40-Tonnen-Lkw vorgesehen, hinzu kommen zwei weitere für Moldawien. Damit diese an der Grenze möglichst ungehindert abgefertigt werden, baut Helping Hands auf die Unterstützung der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann, wie Brake betont.

Ein quälender Satz

Was den Ausschlag für die Zusatzaufgabe gegeben hat? „Eine moldawische Frau hat mal zu mir gesagt: Wenn ich es schaffe, einen Rumänen zu heiraten, bin ich reich“, sagt Brake. Mit diesem Satz, „den ich vor Jahren gehört habe und der mich seitdem quält“, will der Vereinschef deutlich machen, um wie viel zahlreiche Moldawier bedürftiger sind als Menschen in Rumänien, wo viele vom westeuropäischen Lebensstandard nur träumen können.

Gartenstuhl auf Rollstuhlgerüst

Wie groß und mitunter erschütternd die Unterschiede sind, verdeutlichen Fotos, die Helping-Hands-Mitglied Rolf Determann bei einer Stippvisite in dem Krankenhaus in Belzy, der nach der Hauptstadt Chisinau zweitgrößten Stadt des Landes mit gut 100.000 Einwohnern, mitgebracht hat. Sie zeigen einen abenteuerlich anmutenden Operationstisch, der ebenso aus einer anderen Zeit zu kommen scheint wie die Waschtrommel für Operationsbesteck. „Gewaschenes Verbandsmaterial wird von Hand aufgerollt. Von Sterilität keine Spur“, sagt Brake. Ein weiteres Beispiel: Ein einfacher Plastikgartenstuhl ist auf einem Rollstuhlgerüst befestigt. Not macht erfinderisch.

Patienten müssen Geschirr mitbringen

Wie Brake weiter berichtet, müssen die Patienten, die sich in das Krankenhaus begeben, nicht nur ihre eigene Bettwäsche, sondern auch Teller, Tassen und Toilettenpapier selbst mitbringen. Deshalb bitten er und seine Helfer dringend um Sachspenden in Form von Tellern, Tassen und Bettwäschegarnituren. In großem Stil benötigt werden nach den Worten des Vorsitzenden überdies Windeln für Erwachsene und Rollstühle. Abgegeben werden können sie auf dem Vereinsgelände an der Hermann-Kemper-Straße in Höhe der B-70-Abfahrt in Lathen. Dort residiert der Verein seit Herbst 2016. „Es ist so einfach zu helfen. Man muss es nur tun“, meint Brake.

Talsohle durchschritten

Dass wie im vergangenen Frühjahr dennoch erstmals ein geplanter Hilfstransport nach Rumänien storniert werden musste, weil sich zu wenig Sachspenden angesammelt hatten, hängt für den Vorsitzenden eindeutig mit dem Umzug des Vereins von Aschendorf nach Lathen zusammen. Weil das jahrelange Domizil in Aschendorf abbruchreif war, brauchte Helping Hands ein neues Zuhause. Wie Brake sagt, dauerte es, bis verstärkt Menschen aus Lathen und Umgebung (Sögel, Haren, Wesuwe) das Vereinsgelände intensiv angesteuert hätten. „Inzwischen aber ist die Talsohle durchschritten“, versichert der Dörpener.

„Korruption ein großes Problem“

In Moldawien will Helping Hands aber nicht nur in dem Krankenhaus helfen. Brake berichtet von rund 400 Familien, die so bettelarm seien, dass die Kinder tagsüber in Heimen verpflegt würden. Sie sollen von den Emsländern zumindest mit Bekleidung ausgestattet werden. Generell ein großes Problem in Moldawien sei außerdem Korruption, betont Brake. Er erzählt von dem Schicksal einer älteren Dame, denen Betrüger mithilfe des Bürgermeisters in ihrem Wohnort ihr Haus abgeluchst hätten, indem ihr Name aus dem Grundbuch getilgt worden sei. „Die Frau vegetierte daraufhin im Wald, gewärmt nur von ihren Hunden“, sagt Brake. Inzwischen lebe die alte Dame in einem Heim.

Begleitet wurden er und Rolf Determann bei ihrer Erkundungstour von Angelika Scholl. Die gebürtige Moldawierin lebt seit 25 Jahren in Sögel und fungierte als Dolmetscherin.

Sachspenden nimmt Helping Hands montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr sowie zusätzlich montags von 19 bis 21 Uhr an.

Weitere Infos und Kontakt: www.helping-hands-ev.de, Telefon 01 76/96 02 80 84 (Brake).


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