Räumungsklage verloren Ehepaar und zwölf Ziegen aus Fresenburg bald obdachlos

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Fresenburg. Dini Timmerman und ihr Mann Gradus Nijhof haben ein Problem: Das Ehepaar hat eine Räumungsklage verloren und muss bis März 2019 aus dem Gebäude an der Düther Straße in Fresenburg ausziehen. Die Herausforderung dabei: Das Ehepaar besitzt zwölf Ziegen.

Die beiden Niederländer waren 2011 nach eigenen Angaben bewusst aus ihrem Heimatland in die Samtgemeinde Lathen gezogen, um sich hier mit der Aufzucht von Ziegen und der Vermarktung von Ziegenfleisch selbstständig zu machen. Gradus Nijhof berichtet in einem Gespräch mit unserer Redaktion, er verfüge als ehemaliger Schlachter über gute Kontakte in der Fleischbranche in den Niederlanden, eine Vermarktung von Ziegenfleisch dort wäre aus seiner Sicht „kein Problem“. Ohnehin sieht der 55-Jährige in der Vermarktung von Ziegenfleisch, das er für sehr schmackhaft hält, großes Potenzial.

Geplant war, dass sich Gradus Nijhof, der wegen einer fortschreitenden Arthrose körperlich nur eingeschränkt arbeiten kann, um die Vermarktung der Ziegenprodukte kümmert und seine Frau Dini Timmerman um die Pflege der Tiere und der Stallungen. Zunächst im Nebengewerbe, woraus idealerweise irgendwann ein Hauptgewerbe werden sollte. In dem Objekt an der Düther Straße 5 in Lathen-Fresenburg sahen sie großes Potenzial für diesen Plan. Es gehört dem Schäferhundeverein OG Lathen-Fresenburg, der von der Straße aus gesehen auf der rechten Grundstücksseite einen Hundeplatz und ein Vereinsgebäude betreibt. Die linke Hälfte des Gebäudes und des Grundstücks war zum Zeitpunkt des Einzugs des niederländischen Ehepaars längere Zeit unbewohnt. „Wir haben hier erst einmal aufgeräumt und die Räume renoviert“, berichtet Dini Timmerman. Gut 17.000 Euro habe man seitdem investiert, etwa 7000 Euro davon für die Entsorgung von Schrott und Müll.

Hoffnung auf Übernahme der zweiten Gebäudehälfte

In den Gesprächen zur Anmietung sei der 53-Jährigen zufolge durch den damaligen Vorsitzenden angedeutet worden, dass sie sich Hoffnung machen könnte, irgendwann einmal auch die andere Hälfte des Anwesens anmieten oder sogar kaufen könnten. „Er hat uns erzählt, dass die Mitgliederzahlen im Hundeverein rückläufig wären und das Anwesen deswegen eigentlich zu groß wäre. Und für unsere geplante Ziegenzucht wäre es wiederum ideal, weil es keine direkten Anwohner gibt“, betonen Timmerman und Nijhof. Eine schriftliche Bestätigung dieses Ansinnens gibt es indes nicht. Das Ehepaar begann in der Folgezeit dennoch, den Bestand an Ziegen von zunächst drei stetig zu erhöhen.

Vor gut zwei Jahren wechselte der Vorstand des Schäferhundevereins. Und der sagte gegenüber dem Ehepaar, die mündliche Absprache zur Aufgabe der anderen Hälfte des Anwesens nicht zu kennen. Und es kam für Dini Timmerman und Gradus Nijhof sogar noch schlimmer: Der Hundeverein strengte eine Räumungsklage an, weil die Mieter das Grundstück nicht so genutzt haben sollen, wie vertraglich vereinbart – und gewann vor Gericht. Bis Ende März 2019 soll das Ehepaar inklusive der derzeit zwölf Ziegen ausziehen.

Schäferhundeverein will sich nicht äußern

Der Vorsitzende des Schäferhundeverein, Lambert Schulte, teilte auf Anfrage mit, der Vorstand habe auf einer Sitzung mehrheitlich entschieden, sich nicht zu dem Fall zu äußern. „Es gibt einen Gerichtsbeschluss, an diesen werden wir uns auch halten“, heißt es von ihm. Zum Inhalt des Beschlusses äußerte er sich auch auf Nachfrage nicht.

Gründerzuschuss bei Arbeitsagentur beantragt

Dabei ist Timmerman in den vergangenen Wochen vorangekommen mit dem Vorhaben, sich selbstständig zu machen mit einer Ziegenzucht. Das bestätigt Vincent ten Voorde, Sprecher der Agentur für Arbeit in Nordhorn, die auch für den Landkreis Emsland zuständig ist. „Mit Frau Timmerman sind zwischen April und Juni mehrere Beratungsgespräche im Hinblick auf einen Existenzgründungszuschuss geführt worden. Daraufhin kam es am 20. Juni dann auch zu einer konkreten Antragstellung“, sagte der Sprecher auf Anfrage. Ein solcher Zuschuss über 300 Euro monatlich kann für bis zu 15 Monate gewährt werden, für sechs Monate zusätzlich zum zuletzt bezogenen Arbeitslosengeld. Ein Steuerberater und die Landwirtschaftskammer müssen nun die Tragfähigkeit des Vorhabens prüfen und bestätigen, was noch ausstehe, so ten Voorde.

Das Ehepaar hofft nun, dass der Hundeverein doch noch einlenkt und die Räumungsklage zurücknimmt. Oder sich ein anderer Ort findet, an dem sie das Vorhaben umsetzen können.


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