Gewinn für beide Seiten möglich Lathen verteidigt Vorgehen bei alter Schule in Hilter

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Lathen. Die alte Schule in Hilter soll künftig vom Imkerverein Lathen und Umgebung sowie Gruppen des Ortsteils genutzt werden dürfen. Andrea Hinrichs aus Hilter hatte zuvor kritisiert, dass diese Entscheidung über die Köpfe der Bevölkerung hinweg gefallen sei. Dem widerspricht die Gemeindeverwaltung Lathen in einer Pressemitteilung.

In einem Brief an unsere Redaktion hatte Andrea Hinrichs aus Hilter festgestellt, dass 1994 zwölf Eigentümer die Hilteraner Volksschule mit dem entsprechenden Flurstück unentgeltlich an die politische Gemeinde Lathen abgetreten haben. „Im Rahmen der Dorferneuerung sollte das Gebäude zu einem Gemeinschaftsraum für die Dorfgemeinschaft werden. Die Verwaltung der Räumlichkeiten wurde in die Verantwortung der Bevölkerung gelegt. Dies alles ist vertraglich festgehalten“, so Hinrichs, die zudem feststellte: „Schade, wieder eine Chance vertan, mit der Bevölkerung statt über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen zu treffen. Eine gemeinsame Betreibung des Hauses durch Hilteraner und Imkerverein wäre eine tolle Idee und herzlich willkommen gewesen. Aber warum die Betroffenen fragen – es ist doch entschieden, leider nur nicht im Sinne des Vertrages von 1994.“

Gemeinde: Nicht über Köpfe der Hilteraner hinweg entschieden

„Ein Hilteraner hat seine Verantwortung zurückgegeben“, erwidert nun die Gemeindeverwaltung in einer Mitteilung. „Die Entscheidung ist also nicht über die Köpfe der Hilteraner hinweg getroffen worden.“ Ein Bürger des Lathener Ortsteils habe sich seit 1994 um das Gebäude gekümmert – beispielsweise dem Schornsteinfeger die Tür geöffnet, wie der Fachbereichsleiter Planen und Bauen, Hans Liesen, auf Nachfrage sagte, und die Überweisung anfallender, laufender Kosten vorgenommen. Dafür sei der Dorfgemeinschaft ein fester Betrag zur Verfügung gestellt worden.

Hinrichs' Feststellung, dass zwölf Hilteraner Eigentümer das Grundstück unentgeltlich an die Gemeinde abgetreten haben, sei laut Gemeindemitteilung „etwas verkürzt dargestellt“. Im Zuge der Gebietsreform 1973 habe die Gemeinde die alte Schule übernehmen müssen. Bereits seit 1958 hätten die Schüler die Schulen in Lathen besucht. Die Hilteraner seien damals über ihren bisherigen Bürgermeister Heinrich Dürken an den Gemeindedirektor Heribert Vosse herangetreten und hätten ihn gebeten, die in der Schule vorhandene Korntrocknungsanlage sowie landwirtschaftliche Geräte einer Gesellschaft bestehend aus allen Landwirten in Hilter zu übergeben. Weder diese Gesellschaft, noch eine zu der Zeit in Diskussion stehende Maschinengenossenschaft sind laut der Mitteilung zustande gekommen. Im Jahr darauf – 1974 – sei daher das ganze Gebäude kostenlos an eine Gruppe aus zwölf Landwirten übergeben worden.

Dorfgemeinschaft sollte Nutzung des Raumes seit 1994 selber regeln

1994 ist das Gebäude laut Gemeinde „im Rahmen der Dorferneuerung vor dem Verfall gerettet und von Grund auf instand gesetzt worden“. Hätte die Hilteraner Bevölkerung es als Dorfgemeinschaftshaus „wie vereinbart genutzt“, wären „Überlegungen für eine anderweitige Nutzung gar nicht angestellt worden. Immerhin sind für diese Baumaßnahme mit dem umgebenden Dorfplatz mehr als 300.000 DM ausgegeben worden“.

Der Rückkaufvertrag von damals, der die Rückgabe ohne Kaufpreis regelte, enthielt einen Passus, dass die Dorfgemeinschaft die Nutzung des Raumes selber regele, gab Liesen auf Anfrage an. In damaligen Dorfgesprächen ist, heißt es in der Mitteilung, „deutlich geworden, dass verschiedene Gruppierungen unregelmäßig das Haus nutzen wollten. Das ist in den ersten Jahren auch tatsächlich so geschehen.“ Dann seien die Veranstaltungen zurückgegangen. In den vergangenen Jahren nutze nur die Jagdgenossenschaft Hilter das Haus für ihre Sitzungen. Wie in der jüngsten Ratssitzung bekannt wurde, wird das Baudenkmal für das sogenannte Hilteraner Treffen genutzt, bei dem sich frühere und derzeitige Bürger des Ortsteils treffen – als nächstes am 25. August. Laut Liesen finde das alle zehn Jahre statt.

Sanierung ab Ende August möglich

„Ungenutzte Räume verursachen viele Probleme, besonders wenn nicht regelmäßig auch gelüftet und geheizt wird.“ Durch den Rücktritt des Gebäudeverwalters habe eine Entscheidung getroffen werden müssen. „Letztlich ist der Gemeinderat dafür verantwortlich.“ Dessen Zustimmung in der jüngsten Sitzung ändere nichts für die Hilteraner. „Sie dürfen und sollen das Dorfgemeinschaftshaus weiterhin nutzen.“ Aus Sicht der Gemeindeverwaltung entstehe so eine Situation, in der sowohl die Hilteraner als auch die Gemeinde gewinnen würden: Es werde für ein lebendiges Dorfgemeinschaftshaus in Hilter gesorgt, das dadurch vor dem Verfall geschützt werde.

Wortmeldungen von Bürgern in der Einwohnerfragestunde der Ratssitzung zufolge, wird das Dorfgemeinschaftshaus regelmäßig genutzt. Weil es mindestens einen Zweitschlüssel gebe, hatte Liesen in der Sitzung angekündigt, dass der Schließzylinder nach der Sanierung ausgetauscht werden würde. Die Sanierung soll Ende August/Anfang September beginnen und etwa einen Monat dauern. Die Kosten von rund 30.000 Euro teilen sich die Gemeinde und der Denkmalschutz.


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