„Können nicht alles verhindern“ Professor spricht in Lathen über Engel und Schutzengel

Von Lambert Brand

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Lathen. Über die Bedeutung von Engel und Schutzengel in der kirchlichen Lehre hat Professor Dr. Dr. Ralph Weimann im Rahmen eines neuen Forums der Pfarreiengemeinschaft Lathen im Vitus-Haus referiert.

In seiner Einleitung betonte Weimann, dass die Existenz der Engel in der Geschichte wiederholt infrage gestellt worden sei, zur Zeit Jesu auch von den Sadduzäern, einer mächtigen jüdisch religiösen Gruppe. Im letzten Jahrhundert wurden die Engel unter dem Einfluss der „vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft“ in den Bereich des Irrationalen, Mythischen und Irrealen verbannt, so der Referent. Kernaussage sei dabei, dass alles, was wissenschaftlich und damit durch die Natur nicht nachzuweisen sei, auch nicht vorhanden ist. Auch Theologen seien dieser Versuchung erlegen, damit ist laut Weimann allerdings eine Trennung vom Glaubensfundament in der Theologie verbunden.

Antworten aus der Kirche fehlen

Bedenklich erachtet er, dass ein sogenannter Engelskult bei einigen Menschen aufgrund fehlender Antworten aus der Kirche Hochkonjunktur habe. Als Beispiele nannte er Engelseminare, basierend auf magischer oder okkulter Vorstellungen, Engelmeditationen in Verbindung mit Schamanismus, Erzengelöle, Engel-Amulette und vieles mehr. Hier passt nach seinen Worten die Aussage „Schwindet der Glaube, bereitet sich der Aberglaube aus“. Umso wichtiger findet es Weimann, „die Bedeutung der heiligen Engel in der Heilsgeschichte und Heilsordnung Gottes“ darzustellen. Auch im Leben vieler Heilige hätten Engel eine große Bedeutung gehabt.

„Die Engel sind rein geistige Geschöpfe“

Anhand der Heiligen Schrift erklärte der Professor die Bedeutung der Engel und ging detailliert auf deren Schöpfungsgeschichte ein. Dabei seien Engel im Neuen Testament deutlich stärker in Erscheinung treten als im Alten Testament. Als bekanntes Beispiel nannte er die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel. Im weiteren Verlauf seines Vortrages stellte der Referent die systematische Darstellung der Lehre über die heiligen Engel dar. „Die Engel sind rein geistige Geschöpfe, sie haben Willen und Verstand und sind unsterbliche Wesen“, so Weimann. Ihre Aufgaben seien unter anderem die Anbetung Gottes, der Schutz der Menschen, die Sorge um ihr Heil und die Verkündigung der göttlichen Botschaft.

Gutes Verhältnis zu Engel pflegen

Auch in der anschließenden Diskussion, die vom Mitinitiator Leonard Moß moderiert wurde, rief die Bedeutung der Engel und Schutzengel in der heutigen Zeit großes Interesse hervor. Die Schutzengel sind nach Angaben von Weimann von Gott auserwählt, die Menschen zeitlebens zu beschützen. Dafür sei es aber auch notwendig, ein gutes und gläubiges Verhältnis zu den Engeln zu pflegen. In der Umgangssprache höre man oft „Du hattest ja einen Schutzengel“, wenn ein drohendes Unglück oder eine schlimme Situation gut überstanden wurde.

Schwere Schicksale trotz Schutzengel

Kritisch wurde gesehen, dass es auch kirchliche Meinungen gegeben habe, dass ungetaufte Menschen nicht dem Schutz der Engel unterliegen. Dazu sagte Weimann, dass erst Thomas von Aquin deutlich gemacht habe, dass jedem Menschen ein (Schutz-)Engel zur Seite gestellt sei. Diese Auffassung spiegele sich auch im Katechismus der katholischen Kirche wieder. „Warum haben zum Beispiel die Menschen in Syrien keinen Schutzengel“, fragte eine Teilnehmerin und fasste die Meinung vieler Zuhörer zusammen, dass viele Menschen von schweren Schicksalen betroffen seien, trotz Schutzengel. Dass die Antwort darauf „nicht einfach“ sei, bestätigte auch der Referent. Engel seien für den Schutz der Menschen da, könnten aber nicht alles heilen und verhindern.

Weitere christlich-religiöse Foren sollen folgen

Pastor Karlheinz Fischer und Leonard Moß waren von dem großen Zuspruch an der Veranstaltung beeindruckt. Man sei froh, mit Professor Weimann einen anerkannten Theologen, der zum Priesterkolleg im Vatikan gehört und an verschiedenen Universitäten in Rom lehrt, für den Vortrag gewonnen zu haben. Weimann habe darüber hinaus mehrere Bücher zu den Themenbereichen „Theologie und Bioethik“, in denen er promoviert hatte, verfasst. Zukünftig sollen nach den Vorstellungen der Initiatoren jährlich drei bis vier Foren mit christlich-religiösen Themen stattfinden.


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