Keine Speisevorschriften Oberlangener Pfarrer erklärt, warum Christen alles essen dürfen

Von Katharina Preuth

Matthias Schneider ist Pfarrer im Boje-Verbund. In der Bibel schlägt er die Stelle nach, in der Jesus alle Speisen für rein erklärt. Foto: Katharina PreuthMatthias Schneider ist Pfarrer im Boje-Verbund. In der Bibel schlägt er die Stelle nach, in der Jesus alle Speisen für rein erklärt. Foto: Katharina Preuth

Oberlangen. Anders als im Islam oder Judentum gibt es bei den Christen keine Speisevorschriften. Dennoch spielt die Nahrung eine wichtige Rolle im Neuen Testament. Jesus vergleiche ein Festmahl gar mit dem Himmel, erklärt Matthias Schneider, Pfarrer im Boje-Verbund, im Interview.

Warum essen Christen freitags kein Fleisch, sondern Fisch?

Dabei handelt es sich um kein Gebot, wie in anderen Religionen. Für uns ist am Freitag das Fleisch nicht etwa unrein. Der Tag ist für uns eine Erinnerung. An einem Freitag ist Jesus gestorben und diesen Tag will ich bewusst spüren. Es geht dabei weniger darum, Fisch zu essen, sondern sich bewusst einfach zu ernähren. Fleisch ist traditionell eine besondere Mahlzeit und darauf verzichten wir freitags. Der Fisch ist darüber hinaus ein Erkennungszeichen der frühen Christen gewesen. Ob sich diese Symbolik allerdings bis auf das Freitagsessen auswirkt, weiß ich nicht. Der Freitag soll als Todestag Jesu besonders geprägt sein, das Essen ist dabei nur eine Möglichkeit, das ist aber auch durch das Gebet oder durch Werke der Nächstenliebe möglich.

Verzichten Sie freitags auf Fleisch?

Manchmal denke ich daran, dass gerade Freitag ist, dann esse ich kein Fleisch. Sonst nehme ich mir etwas anderes an dem Tag vor, zum Beispiel etwas mehr Zeit fürs Gebet.

Und wie ist es an Karfreitag?

Es gibt im Christentum zwei Fast- und Abstinenztage: Aschermittwoch und Karfreitag. Diese Tage sind geprägt von sehr einfachen Nahrungsmitteln. Es gibt Gegenden, dort gibt es an diesen Tagen ganz traditionelle Mehlspeisen wie Pfannkuchen. Aber an diesen Tagen darf man ruhig einmal Hunger empfinden, die einmalige Sättigung soll deshalb ausreichen. Auch hier steht der Verzicht auf ein Luxusgut im Vordergrund und nicht etwa unreines Essen. So etwas kennen wir nicht.

Anders als im Judentum oder im Islam gibt es also keine Speisevorschriften?

Wegen der Speisevorschriften hatte Jesus sogar Streit mit den Pharisäern. In der Bibel bei Mattäus steht: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ Alles was Gott geschaffen hat, ist rein. Die Unreinheit findet sich im Herzen, nicht im Magen. Die wichtigste Stelle in der Bibel zu Speisevorschriften ist auch als Unterscheidung zum Judentum zu verstehen. Sie findet sich bei Markus und lautet: „Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein“.

Aber Speisen spielen dennoch eine Rolle, oder? Man denke nur einmal an Wein und Brot.

Essen spielt sogar eine sehr große Rolle. Das Hochzeitsmahl und die damit verbundene Freude, die Gemeinschaft und das Glück bei so einem Fest ist zum Beispiel ein Bild, das die Bibel gebraucht um den Himmel zu beschreiben. Die Christen haben sich früher sonntags nach dem Gottesdienst versammelt um gemeinsam zu essen und zu trinken. Beides schenkt eine Ahnung von Himmel und dem Reich Gottes.

Und Wein und Brot?

Beides kommt vom letzten Abendmahl. Jesus wird verfolgt, soll ausgeschaltet werden. Das bahnte sich seit Wochen an. Er weiß, dass es ernst wird. Beim letzten Abendmahl sitzt er mit seinen Jüngern zusammen und bricht das Brot. Das Brot deutet er als seinen Leib: Das ist mehr als nur der Körper. Der Leib ist allumfassender und weniger biologisch zu sehen. Das Brot steht symbolisch für den ganzen Jesus. Genauso wie auch der Wein. Diesen deutet er als sein Blut. Aber mehr als Ort, wo die Seele sitzt und weniger etwas an dem man Blutwerte ablesen kann. Wein und Brot tauchen in der Kommunion wieder auf und sind Bestandteil der Eucharistiefeier. Wir sagen: sie werden in den Leib und das Blut Christi „verwandelt“.

Und was hat es mit Ostern und den Eiern auf sich?

Woher die Eier zu Ostern genau kommen weiß ich nicht. Aber sie wurden tatsächlich christlich umgedeutet. Zum einen ist das Ei ein Symbol des Lebens. Es erinnert an Jesus, der für uns das Leben ist. Dann kann das Ei für den Stein stehen, der vor dem Grab Jesu stand. Das Ei wird durch das Leben selbst gesprengt. Auch hinter dem Grabstein wartet das Leben. Und natürlich müssen Ostereier farbenprächtig und bunt gefärbt sein. Das Bunte steht auch für Leben, anders als das Schwarze, Farblose, das den Tod symbolisiert.