Vertrag von 1418 Niederlangen: Hilling-Stammbaum führt nach 600 Jahren bis Java

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Niederlangen. Sie sind viele und ihre Geschichte ist mindestens 600 Jahre alt: die Familie Hilling und ihr Hof Hilgen in Niederlangen. Ihren urkundlich festgehaltenen Ursprung haben Mensch und Gehöft in einem Kaufvertrag, der belegt, dass Bauer Godde Hilling das Areal am 4. März 1418 von Adligen zurückerwarb. Heute führt der Stammbaum bis nach Java und Brasilien.

Schon mehrfach, aber schon lange nicht mehr hat Annerose Hilling voller Herz eingedeckt, weil ein Hilling oder ein Hilling-Interessierter den Weg auf den Hof findet. Kommt Besuch, kommt Kuchen. Die vielen Fragen nach den Zusammenhängen, den Vorfahren, vielleicht auch Anekdoten erfordern Tee. Viel Tee. Die Hofälteste berichtet aus jahrzehntealten Tagen und zeigt dabei aus dem einen neu gebauten Wohnhaus heraus auf das ebenso frische schräg gegenüber. Dort wohnt Sohn Henrik mit seiner Familie. Von massig Historie ist hier nicht viel zu sehen. Der Hilgen-Hof ist ein landwirtschaftlicher Hof, wie er oft hierzulande aussieht. Seine 600 Lenze sind ihm nicht anzusehen.

Ein sehr entfernter Verwandter kommt zu Besuch

Und trotzdem: Es gibt viel zu erzählen, denn heute ist wieder einer im Hause. Dieses Mal ist es ein Verwandter von Annerose, Clemens, Henrik, Christin und Lukas, den sie noch gar nicht kennen. Stefan Hilling ist aus Lingen angereist. Sein Antrieb ist der 600 Jahre alte Kaufvertrag, den er im Niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück aufgetrieben hat. Stefan und Clemens Hilling verbindet die 18. Generationennachfolge. Godde Hilling war aus der ersten Generation auf dem Hof – gemessen am Jahr 1418. Stefan Hilling stammt von einem Vorfahren ab, dessen Bruder den Hof 1711 verließ. „Die Linie, von der Clemens Hilling stammt, blieb immer auf dem Hof“, sagt Stefan Hilling, der einen großen Teil seines freizeitlichen Vergnügens der Vergangenheit widmet. „Die Verwandtschaft ist nachweisbar“, sagt er. Nicht nur die von Stefan und Clemens Hilling, sondern die aller Hillings, die vom gesamten Emsland aus noch viel weiter reicht.

Viele Hillings zog es fort – bis nach Java

Da wären beispielsweise die vier Brüder Wolter, Johann, Henrich und Hermann Hilling, die um 1540 von Niederlangen nach Emden zogen. Dort profitierten sie als Kaufleute vom Aufblühen Emdens durch den spanisch-niederländischen Krieg. Diesen Weg gibt der Hamburger Heimatforscher Dr. Hans Jürgen Hilling als gesichert an. Nachkommen der ostfriesischen Hillings blieben demnach bis etwa 1900 als Kaufleute, studierte Juristen und Beamte in Ostfriesland ansässig. Ein Johann Hilling starb 1606 als Kaufmann im dänischen Helsingør. Zwei Brüder aus einem anderen Niederlangener Zweig zogen um 1790 nach Papenburg. „Ihre Nachkommen waren teils Kapitäne, teils Kaufleute“, schreibt der Heimatforscher. Von diesen wiederum zogen zwei 1819 und 1825 in die niederländische Kolonie Java, das seit der Unabhängigkeit 1947 zu Indonesien gehört. Manche dieser Nachkommen leben heute in den Niederlanden und den USA. Die Wurzeln liegen in dem Hof, der als weitaus älter als 600 Jahre geschätzt wird. Möglicherweise wurde er schon vor dem Jahr 1000 angelegt.

Stefan beginnt mit seiner Forschung ab der Bundeswehrzeit

„Ich habe Facebook-Kontakt mit einigen Hillings, die in Java leben“, sagt Stefan Hilling bei der zweiten oder vielleicht schon dritten Tasse Tee. Katholisch seien sie. „In Brasilien gibt es auch einen Hilling“. Draußen wird es langsam dunkel, behaupten die Jalousien, die sich nach ihrer Lichtmessung automatisch vor die Fenster legen. Da erinnert der 47-Jährige sich auf Nachfrage an seine Bundeswehrzeit. „Ich hab da alle möglichen Hillings kennengelernt – aus Niederlangen, aus Papenburg.“ Damals – 1991 – ist er Gefreiter in Werlte. Auch wenn schon vorher allgemeines Geschichtsinteresse da war: Da ging es dann richtig los. „Man ist ja Teil der Geschichte“, sagt er. Und weil die erhalten gehört, hat er bereits zwei Kirchenbücher aus Lathen-Wahn und Messingen in der Samtgemeinde Freren abgeschrieben, wenn auch mit dem Computer. „Andere hören jeden Tag ihre Kickernachrichten.“

Die Geschichte geht vermutlich voran

Auch die übrigen Hillings in Niederlangen sind heute Teil der Geschichte, auch wenn sie sie nicht wirklich spüren, wie sie sagen. Clemens Hilling, der auf dem Hof geboren ist, berichtet von altem Gemäuer, deren Giebel nach einem Brand durch neues Gestein ersetzt wurde. „Die ältesten Teile hier sind von 1824“, sagt er, was allerdings nach dem Gang ins Jagdzimmer korrigiert werden muss. Dort findet sich ein Balken, auf den die Familie bei Umbauarbeiten an anderer Stelle stößt. Er ist von 1734 und rahmt den Ausgang des Raumes. Den Niederlangen-Teil der Hilling-Geschichte rahmt derzeit der kleine Lukas, Sohn von Henrik Hilling und seiner Frau Christin. Er ist zwei Jahre alt. Und wie die Geschichte zeigt, wird er wohl nicht der letzte Hilling auf dem Hof Hilgen sein.


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