Aus zwei Jahrhunderten Niederlangener sammelt historische Behältnisse

Von Jürgen Eden

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Niederlangen. Weit mehr als 300 Töpfe, Pfannen und Behältnisse aus längst vergangenen Tagen schlummern inzwischen bei Hermann Garbs aus Niederlangen im Keller. Nun möchte er seine Sammlung der Öffentlichkeit präsentieren und sucht nach geeigneten Räumen.

„Für mich ist ,Email‘ von 1760 bis 1950 interessant und sammelwürdig“, sagt Garbs. Alte mit einer Email-Schutzschicht überzogene Kochtöpfe und Pfannen, Backformen und andere Behältnisse haben Plätze in seinem ehemaligen Partykeller gefunden. „Ein Kollege sagte mal, ich sammele Pötte und Pannen“, witzelt er.

Schinkenkocher „erzählt“ von alten Sitten und Gebräuchen

Beim Betreten seines Kellers geht der Blick schnell in Richtung eines Lammes. Dabei handelt es sich um eine Backform, die speziell zu Ostern genutzt wurde. Aber auch die vielen anderen Exponate haben eigene Geschichten. Dabei holt Garbs einen großen Topf hervor. Hier handelt es sich nach seinen Worten um einen Schinkenkocher, der von alten Sitten und Gebräuchen erzählt. So war es in vielen Dörfern früher noch selbstverständlich, dass Nachbarn bei Freud und Leid noch enger zusammenrückten. Weitreichende Pflichten waren beispielsweise bei einem Todesfall zu erfüllen. „Die ersten Nachbarn gaben einen großen Schinken“, erklärt Garbs. Den habe man in diesem Topf zubereitet und später nach der Beerdigung zur Beköstigung der Gäste serviert. Denn viele Trauergäste waren aufgrund der fehlenden Motorisierung selbst für kurze Distanzen recht lange unterwegs und wurden daher versorgt.

Essen über Stunden warm halten

Aus einer anderen Ecke holte Garbs einen Selbstkocher hervor, in dem mehrere kleinere Behältnisse für Gemüse, Kartoffeln und Fleisch untergebracht waren. War der Topf erst einmal erwärmt, konnte das Essen über Stunden warm gehalten werden. Viele Behältnisse waren sogar abschließbar.

Doch eigentlich ist ein derartiges Hobby für einen Autoschlosser eher ungewöhnlich. Naheliegend wäre doch, dass Oldtimer oder Traktoren eher das Interesse finden dürften. „Ja, im Grunde genommen ist das auch so. Aber es waren die privaten Rahmenbedingungen. Wir haben ein kleines Grundstück und daher nicht viel Platz“, sagt Garbs.

Ausschlaggebend für seine Leidenschaft war das 50-jährige Dorfjubiläum von Niederlangen-Siedlung. Über den Heimatverein brachte er sich damals bei der Gestaltung eines Hauses ein, für das man Ausstattungsgegenstände suchte. Später hatte sich der Niederlangener über die Literatur intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt.

Email als schützende äußere Schicht an Haushaltsgeräten gibt es nach seinen Worten in Deutschland seit 1760. Doch waren die ersten Behältnisse noch mit Blei belastet. Rund 100 Jahre später waren sie dann schadstofffrei und Email machte einen Siegeszug durch die Haushalte. Eisen und Kupfer entwickelten mit der Zeit giftige Schadstoffe, beispielsweise Metallsalze.

In Handarbeit hergestellt

Mit der Einführung neuer Materialien wie Aluminium und Kunststoff sowie Edelmetalle wurde Email ab der 1960er Jahre langsam abgelöst. In der Sammlung von Garbs finden sich daher viele seltene Exponate, die aus den Anfängen stammten und von kleinen Betrieben in überschaubaren Stückzahlen größtenteils in Handarbeit hergestellt wurden, aber auch Exponate aus industrieller Herstellung mit Tagesquoten von 20.000 bis 40.000 Stück.


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