Serie „Mein Job und ich“ Lathener Fotografin über Teenager, Nachbearbeitung und Ausrüstung

Von Lea Becker

Ist in Lathen als Fotografikn aktiv: Rita Spiegel. Foto: Sammlung SpiegelIst in Lathen als Fotografikn aktiv: Rita Spiegel. Foto: Sammlung Spiegel

Lathen. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht Fotografin Rita Spiegel aus Lathen über den Wandel in der Fotografie, die Masse an Bildern und einen besonderen Termin.

Viele sehen ihren Beruf eher als Hobby und nicht als Arbeit. Ist das wirklich so?

Es ist schon ein anstrengender Beruf. Nach zwei Tagen im Kindergarten oder nach einer Zehn-Stunden-Hochzeit bin natürlich auch ich völlig erledigt. Weil meine Arbeit mir aber einfach riesigen Spaß macht, geht es eigentlich immer leicht von der Hand und die Stunden vergehen wie im Flug.

In den vergangenen Jahren ist die Konkurrenz durch Hobbyfotografen deutlich gestiegen. Wie gehen Sie damit um?

Ich mag den Bezeichnung ,Konkurrenz‘ nicht. Wir sind doch eher Kollegen. Es gibt Kunden, die professionelle Arbeit möchten und wertschätzen und es gibt welche, die eher etwas Einfacheres wollen. Das ist völlig okay. Und natürlich gibt es große Unterschiede in der Ausrüstung und dem Umgang damit und ob der Fotograf ein gutes Auge und das richtige Gefühl für ein gutes Foto hat. Manchmal ist es aber auch einfach eine Frage des Preises.

Wie sind Sie denn zur Fotografie gekommen?

Ursprünglich wollte ich, wie mein großer Bruder, Schornsteine fegen. Dann hatte ich etwas mit Kindern oder Tieren im Sinn. Aber ich war schon immer sehr kreativ. Für mein Fach-Abitur habe ich ein Praktikum bei einem Fotografen gemacht und schnell gemerkt, dass mir das Fotografieren und der Umgang mit den verschiedenen Menschen und der Kamera viel Spaß machen. Kurzerhand habe ich mich dann für die dreijährige Ausbildung entschlossen.

War das der richtige Weg?

Da ich meinen Beruf liebe, ja. Aber die Fotografie hat sich verändert. Mit der richtigen Portion Kreativität, Engagement, Fleiß und Liebe zu diesem Beruf kann man auch ohne eine klassische Ausbildung ein erfolgreicher Fotograf werden. Als die digitale Fotografie kam, habe auch ich noch einmal ganz von vorne angefangen. Was ich heute kann, habe ich autodidaktisch erlernt.

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Haben Sie schon mal an Ihrem Job gezweifelt?

Vor drei Jahren saß ich irgendwie fest, wie das bei uns Kreativen eben manchmal so ist und merkte, dass mir etwas fehlt. Bis dahin habe ich in erster Linie Studio-Fotografie angeboten. Danach habe ich verstärkt auf Outdoor-Fotografie und das Arbeiten mit natürlichem Licht gesetzt. Seither biete ich auch Outdoor-Workshops an, gestalte Logos und Homepages.

Wie wichtig ist eine gute Ausrüstung?

Die Kamera macht viel aus. Sie muss zum Fotografen passen. Ich wollte damals raus, aber das ging mit meiner Ausrüstung nicht wirklich. Ich befürchtete, dass ich einfach nicht der Typ für die Outdoor-Fotografie bin. Nun weiß ich, ich liebe das Arbeiten im Freien genauso wie mein Studio. Der Fotograf macht die Bilder, aber die Kamera unterstützt ihn, kann ihn aber auch ausbremsen.

Wie entsteht ein gutes Foto?

Es ist wichtig, dass sich der Kunde vor der Kamera wohlfühlt und alles mit einer gewissen Leichtigkeit passiert. Nur so werden die Bilder natürlich und lebendig. Die jeweilige Pose, der Ausschnitt, die Perspektive, gut gesetztes Licht aber auch die richtige Kleidung und der Hintergrund sind wichtig in der Portrait-Fotografie.

Mit der digitalen Fotografie gibt es quasi keine Grenze mehr für die Anzahl der Fotos. Wie viele machen Sie?

Das ist völlig unterschiedlich. Manchmal mache ich 50 Aufnahmen, um 20 schöne Bilder zu bekommen, manchmal braucht es 200 Aufnahmen für 10 tolle Fotos. Auf einer Hochzeit sind es schnell 2000 und im Kindergarten kommen auch mal 5000 Bilder oder mehr an einem Tag zusammen. Allerdings dauert das Sortieren dann natürlich einige Zeit.

Viele Bilder werden bearbeitet. Wie stehen Sie dazu?

Die Nachbearbeitung gehört mittlerweile einfach dazu. Ich nehme kleine Retuschen oder Korrekturen vor, aber es sollte schon im Rahmen bleiben. Ich hebe gerne Vorteile hervor. Gerade für junge Frauen, die heute ja durchaus sehr kritisch mit sich und ihrem Äußeren sind, kann ein schönes Foto sehr gut für ihr Selbstwertgefühl sein. Jeder Mensch ist auf seine Art wunderschön und weil wir das leider so oft vergessen, zeige ich gerade Frauen gerne ihre schönsten Seiten.

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Haben Kunden bestimmte Vorstellungen, wenn sie zu Ihnen kommen?

Das passiert eher selten. Manchmal haben sie Beispiele gesammelt, die sie mitbringen, aber das ist die Ausnahme. Die Meisten kommen ohne Vorstellungen und lassen sich einfach auf mich ein. Sie sind froh, dass ich den Bildaufbau und den Hintergrund bestimme oder wir besprechen gemeinsam die Kleiderwahl und sie erhalten ein professionelles Make up und Styling.

Sie haben auch immer wieder ausgefallene Requisiten. Wo finden Sie die?

Ich habe tatsächlich schon so manche Schätzchen vor dem Sperrmüll gerettet und es aufgearbeitet. Ich stöbere auch gerne auf Flohmärkten, im Internet oder in Antik-Läden. Vieles bastel und nähe ich aber auch selber. Mit meinem Vater baue ich ganze Sets aus Hintergrund und Boden für s Studio oder auch für meine Arbeit in Kindergärten. Meine wunderschöne, gusseiserne Badewanne bei mir zuhause nutze ich sogar als Requisit. Zwar steht anschließend meist mein komplettes Bad unter Wasser, aber das gehört dazu und ergibt immer ausgefallene Bilder.

Was fotografieren Sie am liebsten?

Das kann ich so gar nicht beantworten. Portraits von Schwangeren mache ich sehr gerne und Neugeborene. Das Kleinkindalter ist auch eine sehr schöne Zeit. Da sind sie noch so herrlich unbefangen. Und jede Hochzeit ist natürlich auch etwas ganz Besonderes. Sehr gerne fotografiere ich auch Senioren.

An welchen Termin denken Sie besonders gerne zurück?

Da gibt es viele. Ein besonderer Termin aber war, als eine junge Frau, die extrem viel abgenommen hatte, zu mir kam für ein Dessous-Shooting . Sie war professionell geschminkt und hatte sich wunderschöne Unterwäsche und Strümpfe gekauft. Ihre Ausstrahlung war umwerfend. Sie war so glücklich und stolz und freute sich unheimlich auf die Fotos.

Was ist für Sie schwieriger zu fotografieren?

Wirklich schwer fällt mir eigentlich nichts. Manche Babys brauchen eine Weile um sich zu entspannen. Teenager finden alles erstmal unangenehm. Aber im Prinzip bekomme ich mit Geduld, Humor und meinem losen Mundwerk alles hin.

Werden Sie gerne selber fotografiert?

Im Prinzip schon, denn schöne Fotos tun auch mir von Zeit zu Zeit gut. Besonders mit Freundinnen und befreundeten Fotografinnen macht es mir großen Spaß. Und für meinen Sohn ist es irgendwann auch schön und wichtig, Fotos von mir und von uns zu haben. Aber auch ich bin zuweilen natürlich sehr kritisch mit mir.

Eine Fotografin im Urlaub. Legen Sie die Kamera auch mal weg?

An einigen Tagen nehme ich die Kamera ganz bewusst mit, dann brauche ich einfach meine Foto-Zeit. Aber an anderen Tagen lasse ich sie im Hotel und bin einfach nur im Urlaub.

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