Gerhard Hugenberg setzte sich ein Der Mann, der den Transrapid nach Lathen brachte

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Meppen/Lathen. Mehr als vierzig Jahre ist es her, dass Gerhard Hugenberg bei einem Abitreffen die Idee kam, den Transrapid nach Lathen zu holen. Bis zum Unglück 2006 hat er selbst auch an der Teststrecke gearbeitet.

Es ist das Jahr 1977, als Hugenberg sich mit seinen früheren Schulkollegen des Abiturjahrgangs von 1947 zum 30. Mal trifft. Damals treibt ihn bereits seit Jahren ein Gedanke um: Jugendarbeitslosigkeit. Da ist er bereits Direktor der Emsland GmbH, die – einst gegründet von der Bundesrepublik, dem Land, dem Altkreis Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen, den Kreisen Grafschaft Bentheim, Bersenbrück, Leer, Cloppenburg und Vechta – nach dem Krieg das Sanierungs- und Entwicklungsprogramm „Emsland-Plan“ umsetzen soll. Davon berichtet er in seinem Text, den er zur Chronik anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Samtgemeinde Lathen beisteuert. Hugenberg wittert, dass eine neue Erfindung das Problem der Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen lösen könnte. „Irgendetwas ist mit der Weltwirtschaft nicht in Ordnung“, schwante es dem Meppener. Er besinnt sich zurück auf sein landwirtschaftliches Studium, in dem er auch mit den Lehren des russischen Konjunkturforschers Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew in Berührung kommt. Auf dieser Grundlage brauchte es eine Basisinnovation, berichtet Hugenberg.

Mitschüler berichtet von Entwicklungen in Bayern

Zurück zum Abitreff: Im Gespräch mit einem früheren Mitschüler erfährt er von den Entwicklungen rund um den Transrapid in Bayern, auch mit Blick auf eine mögliche Teststrecke. „In Bayern wollten sie die Versuchsanlage nicht haben“, erinnert sich der 89-Jährige, der sie aber gerne ins Emsland holen wollte. Der Mitschüler sagte ihm: „Du spinnst wohl. Die kommen doch nicht ins Emsland“. Hugenberg schreibt an das Bundesministerium für Forschung und Technologie, das damals Finanzier des Transrapids ist, erklärt er. „Wir melden uns“, hieß es da zunächst von dessen Seite. Nach einem Besuch dort und übermittelten Luftbildern des Emslandes kommt etwas Bewegung in die Sache. Hugenberg erfährt im weiteren Verlauf, „dass die Wiege der Transrapid-Erfindung in Nortrup (Landkreis Bersenbrück) steht“, schreibt er in der Chronik. Hermann Kemper, Sohn des Gründers der Fleischwarenfirma, hat das Patent auf die Magnetschwebetechnik, weil er Eisenbahnen liebte, „ihr Lärm aber war ihm zuwider“.

Plan zur Teststrecke entwickelt

Es folgt ein Plan über die 31,5 Kilometer lange Teststrecke mit zwei unterschiedlich großen Wendeschleifen, die auf dem geraden Stück entlang des Dortmund-Ems-Seitenkanals führt. 1980 ist Baubeginn. „In dieser Aufbauphase konnten viele Emsländer dort Arbeit finden“, schreibt Hugenberg. Auch Lathen habe die Strecke, der alle betroffenen rund 150 Grundeigentümer zugestimmt hatten, genutzt. „Die heutige Hermann-Kemper-Straße war ja damals ein Sandweg“, sagt Hugenberg. Heute ist das Gebiet drumherum erschlossen und ausgebaut. Viele Firmen sind dort ansässig.

Hugenbergs Idee für das Besucherzentrum

Die Strecke allein allerdings reichte Hugenberg nicht. Auch das Besucherzentrum war seine Idee, wie er sagt. Er selbst habe die Gäste von Anfang an betreut, arbeitete als Zugbegleiter. „Das hat mir richtig Freude gemacht“, sagt er. Viele Menschen habe er kennengelernt und zu einigen sogar noch heute Kontakt. Das alles hielt an bis zu dem Unglück im Jahr 2006, als der Transrapid auf einen vergessenen Werkstattwagen auf der Strecke fährt. 23 Menschen sterben, zehn werden teilweise schwer verletzt. „Viele Dinge brauchen Zeit“, sagt Hugenberg heute über die Entwicklung des Teststreckenbetriebs in den Gemeinden Lathen und auch Dörpen. Ob er an den Transrapid glaubt? „Auf jeden Fall!“, sagt er und richtet seinen Blick thematisch nach Rottweil, wo Thyssen Krupp die Magnetschwebetechnik seit Oktober 2017 in einem Fahrstuhl an einem 246 Meter hohen Testturm im baden-württembergischen Rottweil präsentiert – auch für Besucher.

Was Hugenberg noch zum Thema Emsland-Plan zu berichten hat, erzählt er heute Abend in einer Veranstaltung des Heimatvereins Lathen. Sie beginnt um 19 Uhr im Heimathaus (Haus der Begegnung), Kirchstraße 4, in Lathen.

(Weiterlesen: Streit um Transrapid-Rückbau: Bundesrichter weisen Beschwerde ab)


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