Keine Entschädigung für Gemeindeflächen Lathens Bürgermeister kritisiert Erdkabeltrasse von Amprion

In der Samtgemeinde Lathen soll das Erdkabel, das Amprion zwischen Emden und Osterath bei Düsseldorf bis 2025 verlegen will (Projekt A-Nord), parallel zur 380-KV-Leitung verlegt werden, die Tennet zwischen Dörpen-West und Wesel bauen wird. Das sorgt für Kritik. Foto: Amprion/Lutz KampertIn der Samtgemeinde Lathen soll das Erdkabel, das Amprion zwischen Emden und Osterath bei Düsseldorf bis 2025 verlegen will (Projekt A-Nord), parallel zur 380-KV-Leitung verlegt werden, die Tennet zwischen Dörpen-West und Wesel bauen wird. Das sorgt für Kritik. Foto: Amprion/Lutz Kampert

Lathen. Der Bürgermeister der Samtgemeinde Lathen, Karl-Heinz Weber, übt harsche Kritik am Stromnetzbetreiber Amprion und dessen Plan, bis 2025 eine Erdkabelleitung (Projekt A-Nord) zu verlegen. Die Kritik geht gleich in mehrere Richtungen.

Zum einen bemängelt der Verwaltungschef den Ablauf der Kommunikation bei dem Projekt. „In der SG Lathen haben wir uns mit den betroffenen Gemeinden Niederlangen, Oberlangen und Sustrum und deren Bürgermeistern Hermann Albers, Georg Raming-Fresen und Heinz-Hermann Hoppe darüber sehr gewundert, dass die Vorzugstrasse zuerst mit der Presse und erst danach mit den Trägern öffentlicher Belange besprochen beziehungsweise vorgestellt wurde“, teilte Weber auf Anfrage mit.

Für Lathen gelte, dass die von Amprion vorgestellte Vorzugstrasse des Erdkabels, das ab 2025 von Emden über das Rheiderland, dem Emsland und dem Niederrhein bis Osterath bei Düsseldorf verlaufen soll, nahezu auf gesamter Länge parallel zu den bestehenden und jetzt in Bau gehenden 380-Kilovolt-Leitungen geplant ist. Für diese Freileitung, die zwischen dem Umspannwerk Dörpen-West in Heede und Wesel am Niederrhein verläuft und nur bei Haren als Erdkabel umgesetzt wird, ist bis Meppen der Netzbetreiber Tennet zuständig, zwischen Meppen und Wesel dann Amprion.

Gleiche Grundstückseigentümer mehrfach betroffen

Weber meint: „Auch wenn natürlich ein Bündelungsgebot besteht ist festzuhalten, dass bei einem parallelen Verlauf die gleichen Grundeigentümer dreifach betroffen sind. Die Akzeptanz wird, wenn ich an das laufende Verfahren denke, weiter schwinden. Und wir sprechen über mehr als 300 Hektar, die direkt und weitere Flächen, die als notwendige naturschutzfachliche Ausgleichsflächen in Anspruch genommen werden müssen.“ Es sei „enttäuschend, dass die Bauverbots- beziehungsweise -beschränkungszone an der Autobahn ausgeschlossen wird und ebenfalls eine östliche Trasse – aus für mich noch nicht nachvollziehbaren Gründen.“ Die hätte zumindest eine gerechtere Verteilung der Belastungen bedeutet .

Keine Entschädigung für Flächen der Gemeinden

Nicht hinnehmbar sei zudem, so der SG-Bürgermeister, dass es keine öffentlichen Entschädigungen für Flächen der Gemeinden geben wird, über die diese künftig keine „Planungshoheit“ mehr hätten. Das bestätigt ein Sprecher von Amprion, der mitteilt: „Kommunen können für Freileitungen eine Entschädigung erhalten, wenn diese kommunale Flächen überspannen. Das sind 40.000 Euro pro Kilometer. Beim Erdkabel gibt es diese Entschädigung nicht.“ Sollten allerdings beispielsweise Wälder gerodet werden, gäbe es dafür einen Ausgleich in Form einer Wiederaufforstung möglichst nah zur betroffenen Kommune.

Weber meint dazu: „Das geht gar nicht, denn die Einschränkungen sind vielleicht noch größer als bei einer Freileitung, zum Beispiel keine Bebauung oder keine tief wurzelnden Pflanzen.“ Er kündigt an, dass die SG genau prüfen werde, ob „verbindliche Planungen unsererseits berührt werden“.

Der Bürgermeister der Einheitsgemeide Rheide, Gerd Conens, wollte sich zum vorgestellten Vorzugskorridor ebenso wenig äußern wie Hermann Wocken, Bürgermeister der SG Dörpen. Beide wollen das Vorgehen erst mit der Politik besprechen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN