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Nach Rückkehr aus Moldawien Emsländische Helfer rufen dringend zu Sachspenden auf

Von Gerd Schade | 27.07.2019, 13:03 Uhr

Mit beklemmenden Eindrücken sind humanitäre Helfer des emsländischen Vereins Helping Hands von ihrem ersten großen Hilfstransport nach Moldawien zurückgekehrt. In den Knochen haben sie 5500 Fahrtkilometer, im Kopf einen neuen Spendenaufruf an die Menschen im Emsland. Er ist dringend.

Es sei eine regelrechte „Mammutfahrt“ in den Osten gewesen, berichtet Vorsitzender Hansi Brake aus Dörpen im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Reise habe ihn und drei seiner Mitstreiter über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Moldawien, die Ukraine und Polen geführt. Trotz der Strapazen hätten sie in Gedanken bereits während der Rückfahrt den nächsten Hilfstransport nach Moldawien organisiert. Dabei hatte der in Lathen ansässige Verein dort gerade erst zwei 40-Tonnen-Lkw mit Sachgütern abgeliefert. Parallel lief ein Hilfstransport mit drei 40 Tonnern in die Ukraine. Für die Hilfe dort hatte sich der im Frühjahr verstorbene Josef Efken aus Neubörger stets starkgemacht.

(Weiterlesen: Emsländischer Verein will jetzt auch in Moldawien helfen)

Für die nächste Moldawien-Tour bräuchten sie einmal mehr die Hilfe der Emsländer, sagt Brake. „Das ist ganz, ganz wichtig.“ Für ein Kinderheim in Belzy, der mit 100.000 Einwohnern nach der Hauptstadt Chisinau zweitgrößten Stadt des Landes, in dem Mädchen und Jungen mit leichteren psychischen Erkrankungen leben, werden dem Vereinschef zufolge Puzzle, Malutensilien und Papier benötigt.

Noch viel dringender ist Brake zufolge aber etwas anderes, denn: „Ganz schlimm sind die Zustände der Betten.“ Und das nicht nur in Altenheimen, sondern auch in Psychiatrie und den Krankenhäusern. „Die Matratzen, die wir gesehen haben, sind alle nur zwei Zentimeter dick, sämtlich durchgelegen und zum Teil erheblich verdreckt.“

Die auch für erfahrene Helping-Hands-Mitglieder – der Verein engagiert sich seit mehr als Jahren in der Osteuropahilfe mit einem Schwerpunkt in Rumänien – schlimmsten Szenen haben sich nach den Worten Brakes in einem Altenheim abgespielt. „Dort kamen uns etwa 30 Bewohner im Alter von etwa 60 bis 80 Jahren entgegen. Alle waren nackt, weil es unter anderem an Unterwäsche und Bademänteln mangelt. Wir wussten gar nicht, wo wir hinschauen sollten. Das war ein ganz komisches Gefühl und so etwas haben wir auch noch nicht erlebt.“ Dabei hätten sich die Bewohner noch viel mehr geschämt. „Sie wurden in einen Raum geführt, wo man sie mit einem Schlauch von oben bis unten abspülte.“ Danach habe sie ein Pfleger grob abgebürstet.

Die Heimleitung habe buchstäblich händeringend um Wäsche und Bekleidung gebeten. Konkret benötigt werden laut Brake Unterwäsche, Handtücher, Bademäntel, Hausschuhe, Schlafanzüge, Nachthemden, Socken, Bettwäsche, Decken, Kissen und Matratzen.

Was dem Verein im Hinblick auf ökologische Aspekte schwerfällt, ist, um Plastikgeschirr und -besteck zu bitten. Brake erläutert den Hintergrund: „Das wird in einer psychiatrischen Einrichtung deshalb gebraucht, damit sich die Menschen dort nicht mit Metallbesteck oder Porzellan verletzen können.“

Und doch bittet Helping Hands auch um alle Arten von Geschirrspenden. Das in anderen Einrichtungen derzeit vorhandene sei zum Teil derart schmutzig, „dass man kaum mehr daraus essen kann.“ Wie Brake weiter berichtet, bittet ein Priester, der eine Armenküche für 400 Menschen betreut, um große Töpfe und Pfannen.

Die erste Not in Form von Bekleidung und Betten lindern half der Verein in Otaci. In der Kleinstadt war laut Brake ein neunstöckiges Haus, in dem 200 Menschen leben, eingestürzt. Die Bewohner hätten eigenständig tragende Wände herausgestemmt, um optisch mehr Wohnraum zu haben. Gott sei Dank sei beim Einsturz niemand verletzt worden.

Helfer mit Leib und Seele

Glücklich sind die emsländischen Helfer über den direkten Kontakt zu einer moldawischen Hilfsgruppe. Sie verteilten die Hilfsgüter vor Ort verlässlich an bedürftige Familien und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Heime. „Sie haben sich mit Leib und Seele dem Helfen ihrer Mitmenschen verschrieben“, sagt Brake. Helping Hands will die nächsten beiden Lkw für den Moldawien-Transport bis zum 20. August packen.

In diesem Zusammenhang bittet der Vorsitzende darum, zu jeder Sachspende, die beim Vereinsgelände in Lathen (Hermann-Kemper-Straße) abgegeben wird, 2 Euro beizulegen. Mit dem Geld soll der Transport finanziert werden. Der nächste Hilfstransport nach Rumänien ist turnusmäßig für Oktober geplant.

Die Anlaufstelle des Vereins ist montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Infos und Kontakt: helping-hands-ev.net, Telefon 0176 96028084 (Hansi Brake).