Ein Artikel der Redaktion

Straße nach katholischem Pastor benannt Kolpings Idee lebt auch in Hilter weiter

Von Horst Troiza | 05.03.2015, 17:56 Uhr

Ein wenig versteckt am südöstlichen Rand Wellendorfs findet sich die Kolpingstraße. Der katholische Pastor Adolph Kolping war als bedeutender Vertreter einer Kirche mit sozialer Aufgabe Gründer der Gesellenvereine, die das harte Los der unverheirateten Männer aus der Arbeiterschicht lindern sollten.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Industrialisierung in Europa und damit auch im Deutschen Reich ihren Höhepunkt. Millionen von Menschen waren infolge der Landflucht in die größeren Städte getrieben worden, wo sie zum Teil unter erbärmlichen Bedingungen in Fabriken arbeiteten.

Not und Existenzangst

Zwar gab es hier und dort verantwortungsvolle Arbeitgeber, die sich der sozialen Frage annahmen und für ihre Arbeiter preiswerten Wohnraum oder Versorgungsmöglichkeiten schufen, doch bei den meisten herrschten Not und Existenzangst.

Adolph Kolping wurde 1813 als Sohn eines Lohnschäfers geboren. Bereits mit zwölf Jahren musste er das Schuhmacherhandwerk erlernen. Als Geselle begann er die damals übliche Wanderschaft und war erschrocken über das Los der wie er herumziehenden jungen Männer. Im Alter von 24 Jahren besuchte der aus Kerpen am Niederrhein stammende Kolping ein Gymnasium, nach dessen Abschluss er das Theologiestudium begann. 1845 wurde er zum Priester geweiht, vier Jahre später gründete Kolping in Köln schließlich den ersten Gesellenverein.

Gesellenhospiz

Dessen Aufgabe war es, den umherziehenden Handwerkern in den zuerst sogenannten „Gesellenhospizen“ Unterkunft und Nahrung zu geben, ihnen dort eine familienähnliche Situation anzubieten. Auch waren die Gesellenhäuser nicht nur Herberge, sondern darüber hinaus auch Schule, in der sich die jungen Handwerker politisch, fachlich und religiös bilden konnten.

Die Gründung der Gesellenvereine hatte weiterhin den Hintergrund, ein kirchliches Gegengewicht zu den „gottlosen Lehren“ der aufkommenden politischen Strömungen sozialistischen und kommunistischen Inhalts zu bilden. Karl Marx propagierte mit dem Satz „Religion ist Opium für das Volk“ eine Gesellschaft abseits des kirchlichen Einflusses.

2700 Kolpingsfamilien

Kolpings Idee von der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft ging auf. Zehn Jahre nach der Gründung gab es reichsweit bereits 180 Gesellenvereine. Bis heute führt das nach ihm benannte Kolpingwerk die soziale Arbeit weiter, speziell die heute rund 2700 Kolpingsfamilien in der Bundesrepublik – mit circa 270000 Mitgliedern, weltweit 450000 Mitglieder – nehmen vielfältige soziale und bildungsorientierte Aufgaben wahr.

Adolph Kolping starb 1865 im Alter von 51 Jahren. Im Jahr 1991 wurde er seliggesprochen.