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Projektwoche mit Zirkus Paletti Wellendorfer Grundschüler stehen Kopf

Von Frank Muscheid | 08.07.2015, 19:41 Uhr

Alles schon fast „paletti“ am zweiten Probentag an der Grundschule Wellendorf mit den vier Profis vom Dortmunder Zirkus „Paletti“. Der wird in sechster Generation geführt und macht die Grundschüler derzeit zu kleinen Manegenstars. Am Freitag um 17 Uhr und Samstag um 15 Uhr tritt je eine Hälfte der rund 90 Schüler im Zelt neben der Schule, Westerheide 8, auf. Karten für die je 300 Plätze gibt es immer in der Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Eine Stunde Zirkus

Jede der acht Gruppen probt seit Dienstag täglich eine Stunde, mal im Zelt, mal in der Sporthalle. Ein Zirkus gastiert zum zweiten Mal. „Wir bieten das alle vier Jahre“, sagt Schulleiterin Christine Kelly. „Die Kinder sind ganz begeistert. Dieser Zirkus hat sogar Tiere.“ Darunter ein Dromedar, Pferde und ein Pony. Ziegen dressieren die Kinder mit Zirkusdirektor Harald Kölner. Kunststücke mit den Tauben lernt eine Gruppe bei Nikita Frank, ein echtes Zirkuskind: „Ich bin im Zirkus geboren, mache das seit 25 Jahren“, sagt die Artistin.

Balanceakt auf dem Seil

Am Mittwochmorgen greift sie den Seiltänzern unter die Arme und erklärt: „Ein Übungsziel ist, dass vier Kinder gleichzeitig auf dem Seil balancieren.“ Die normale Lehrzeit dauere drei Jahre, bis man selbständig auf dem Seil auftreten dürfe. Klingt nach einem Wochenprogramm so straff wie das Stahlseil, aber: „Das Übungsprogramm ist kindgerecht, die Kinder werden auf dem Seil gehalten.“ Die erste Übung klingt einfach: „Das Seil spannen, daraufstellen, die Arme ausbreiten, sich darauf ausbalancieren und darüber laufen. Dann kann man mit ersten Kunststücken beginnen.“ Ist aber auch für geübte Turnerinnen wie Leonie Schriewer (10) herausfordernd: „Ich bin sehr gelenkig, finde Seiltanzen spannend und übe außerdem auf der ,Slagline‘. Auch auf dem Balken braucht man viel Gleichgewichtssinn.“ Aber der Balken sei dicker. „Ich bin Samstag dran und schon aufgeregt.“ Sie will ein Standspagat auf dem Seil schaffen. Anna Steutermann (8) erklärt: „Ich habe immer versucht, über die Slagline zu balancieren. Hier kann ich das üben. Es macht Spaß, was Neues zu lernen. Es geht jetzt schon“, aber für den Auftritt will sie dranbleiben, „sonst denken alle, wir haben nicht geübt“. „Über so ein Seil zu laufen macht richtig Spaß“, sagt auch Luca Wöbeking (7). „Ich habe schon auf einigen Steinen geübt.“

Kopfstand-Akrobatik in Trainerhand

Andre Paletti bereitet neben den Clowns die Akrobaten in der Sporthalle vor. „Morgen kommt die Sechserpyramide“, kündigt er an. Schon jetzt können sich die Akrobaten sehen lassen – inklusive Kopfstand auf Andres Arm, den Jule Niemann (9) wie Freundin Josi geschafft hat. „Wir sind klein genug, um den Kopfstand auszuhalten“, aber das strenge den Nacken an. „Ich turne selbst, das hier macht richtig viel Spaß, weil man die Gelenke bewegt.“ Findet auch Ahmet Dogan (8): „Wir haben den Sumo-Ringer-Schritt gelernt.“ Dabei stellt sich ein Kind auf die Beine zweier anderer. „Ich wollte was Sportliches machen. Das macht sehr viel Spaß.“ Zirkus fördere Sozialverhalten und arbeiten in der Gruppe, sagt Schulleiterin Kelly. „Die Kinder probieren etwas Neues aus, gewinnen Selbstvertrauen, wachsen über sich hinaus.“ Wer gerade nicht probt, bastelt Clowns, Jonglierbälle, schreibt Zirkustagebuch oder löst „Zirkus-Rechenaufgaben“. Finanziert haben die 30 Euro pro Schüler Förderverein, Sponsoren und Eltern. „Die Ziegen waren heute zickig, trotzdem waren sie nett“, zitiert Lehrerin Anja Grba aus einem Tagebuch: „Die Kinder kommen mit einem Strahlen in die Klassen.