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Kritik an Plänen von Amprion Widerstand gegen Hochspannungsleitung im Osnabrücker Land

05.06.2013, 16:10 Uhr

Keine 380-kV-Höchstspannungsleitung über Wellingholzhausen: In ihrem Kampf gegen die Pläne der RWE-Tochter Amprion zur Aufrüstung der Stromtrasse zwischen Osnabrück-Lüstringen und Gütersloh können die Initiatoren einer Bürgerinitiative auf eine breite Rückendeckung aus dem Meller Stadtteil hoffen. Auch durch den Hilteraner Ortsteil Borgloh soll die Leitung verlaufen. Ob sich hier eine Bürgerinitiative wie in Wellingen gründet, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Denn noch weiß keiner so genau im Detail, was Amprion in Borgloh plant. „Ich bin nicht zufrieden mit der Informationspolitik von Amprion“, sagte Hilters Bürgermeister Marc Schewski auf Nachfrage.

Zum Hintergrund: Amprion ist eines von vier Unternehmen, die vom Bund damit beauftragt sind, den Stromleitungsausbau voranzutreiben, damit Windenergie von der Küste in den Süden Deutschlands transportiert werden kann. Ein Trassenabschnitt, den das Unternehmen sich jetzt vornimmt, ist der zwischen Lüstringen und Gütersloh. Und der führt unter anderem durch Borgloh und Wellingholzhausen.

„Wir können mit der Sache nur gemeinsam und auf Augenhöhe umgehen“, sagte Schewski mit Blick auf Amprion. „Diese Augenhöhe ist nicht gegeben, weil wir nicht auf demselben Informationsstand sind“, kritisierte er.

Wellingholzhausen ist da schon einen Schritt weiter: Rund 300 Wellinger bekundeten am Dienstagabend bei einer Info-Veranstaltung der Bürger ihre Solidarität mit der Forderung nach einer Erdverkabelung und unterstützten dies gleich mit 220 Unterschriften.

Um die Bürger visuell darauf einzustimmen, was sie im Zuge der 380-kV-Leitung erwarten wird, präsentierten die Initiatoren eine Bild-Dokumentation, die verdeutlichte, wie sich das idyllische Landschaftsbild rund um Wellingholzhausen bis zum Jahr 2020 verändern wird, wenn die neue Hochspannungsleitung mit entsprechend breiter Trasse gebaut ist: „Bislang ist Welling am Beutlingsturm zu erkennen, demnächst durch 72 Meter hohe Hochspannungsleitungen. Das wollen wir nicht, und darum gründen wir heute die Bürgerinitiative“, unterstrich Initiativensprecher Frank Vornholt.

Er war sichtlich erfreut über das große Interesse und begrüßte besonders die Vertreter der Borgholzhausener Bürgerinitiative als „großen Bruder“. Konnte man vor drei Wochen noch behaupten, hier „entstehe“ der Widerstand, so könne man jetzt angesichts der Resonanz feststellen: „Hier ist der Widerstand.“

Rechtlich gebe es keine Chance, die Trasse generell zu verhindern, der Ansatz müsse vielmehr in der Politik gesucht werden, führte Vornholt aus. Nachdem bereits der Ortsrat von der Forderung nach einer Erdverkabelung überzeugt sei und auch die Stadt Melle – am Dienstag vertreten durch die stellvertretende Bürgermeisterin Christina Tiemann – auf der Seite der Wellinger stehe, müsste nun die übergeordnete Politik, egal welcher Couleur, mit ins Boot geholt werden: „Es ist ein Problem, das den Lebensraum direkt betrifft, da können die Politiker mal zeigen, warum sie gewählt wurden“, rief Vornholt unter dem donnernden Applaus des Publikums.

Erdverkabelung gefordert

Die Initiative fordert ein Raumordnungsverfahren, eine starke Mitwirkung im Planfeststellungsverfahren, eine angemessene Entschädigung für die Landwirte, ein Zusammenschluss mit anderen Bürgerinitiativen sowie als Hauptziel eine Erdverkabelung von Hesseln bis Lüstringen.

An der Info-Veranstaltung der Wellingholzhausener nahmen auch Bürger aus Borgloh teil. „Bei uns scheinen sich jetzt die Reihen zu formieren“, sage der Borgloher Andreas Halbrügge hinterher. Ob und wann sich eine Bürgerinitiative auch in Borgloh gründen könnte, sei noch offen. „In den nächsten ein bis zwei Wochen werden wir das konkreter fassen.“ Halbrügge baut nicht nur auf inhaltliche und organisatorische Unterstützung aus Wellingholzhausen. „Wir hoffen, dass auch unser Bürgermeister sich für uns einsetzt.“