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Biete Pflug, suche Hollywoodschaukel Sattel, Rad und das alte Leben an der Pinnwand in Hilter

Von Anne Spielmeyer | 17.02.2015, 18:05 Uhr

Ein bisschen klingt es nach Hofauflösung, was da am Schwarzen Brett im Supermarkt in Hilter gelistet ist: Ein Weidezaun-Stromgerät ist zu verkaufen, eine Rundballenpresse, Sättel und ein Pflug. Gesucht werden dagegen Hollywoodschaukel und Gewächshaus. Wer mag dahinterstecken? Ein altes Ehepaar, das sich in den Lebensabend schaukeln will? Von wegen. Eine alleinerziehende Mutter mit Tochter, die im Sommer nach England reisen wollen.

Sommer wäre jetzt schön. Noch ist es allerdings kalt im Osnabrücker Land. Selbst die Himbeerpflanzen, die im letzten Frühjahr über das Beet hinaus durch den Garten expandiert sind, zittern im Wind. „Das ist Rominas Bereich“, erklärt Bianca Frerich und deutet auf das Beet. Ihre 13-jährige Tochter sät und erntet, ist viel draußen. Der größte Wunsch: ein Gewächshaus. „Wir kommen ja vom Hof“, sagt Bianca. Gebürtig? „Nein, den Bauer haben wir da gelassen“, erklärt die 36-Jährige, dass sie seit drei Jahren alleinerziehend ist. „Es ging nicht mehr gut.“

Sie hat Mann und Hof zurückgelassen und ist in die Wohnsiedlung nach Hilter gezogen. Ihre Pferde, Felix und Leopold, die sie bei einem Bauern in Hilter in der Nähe untergestellt hatten, sind beide im vergangenen Jahr gestorben. „Das eine war krank, das andere hatte Herzschmerz“, sagt Bianca Frerich. Ein neues Pferd soll nicht gekauft werden. Deshalb sind Sättel, Reitzubehör und Stromgerät auf den Aushang gewandert. Die Rundballenpresse und der Scharpflug sind vom Bruder – landwirtschaftliches Spielzeug, mit dem die beiden Damen nichts mehr anfangen können.

„Vielleicht bekommen wir ja über den Verkauf noch etwas Geld in die Urlaubskasse“, hofft Bianca Frerich. „Alleinerziehend, das bedeutet eben auch, nur ein Gehalt zu haben.“ Sie arbeitet an der Rezeption und übernimmt die Nachtschicht von 23 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. „Dann kann ich tagsüber für meine Tochter da sein“, sagt sie. Im Sommer soll es für die beiden nach England gehen. Romina will auch etwas zur Urlaubskasse beisteuern – und aussortiertes Spielzeug verkaufen. „Ich kann mich gut von ein paar Dingen trennen“, sagt der Teenager. Das Trampolin kann verkauft werden, Kinderbücher und Nintendo-Spiele sind auf den Zettel im Supermarkt gewandert. Ausrangiertes für Selbstabholer.

Noch hat sich jedoch niemand gemeldet. „Schade“, finden die beiden, die keine Pferdesättel bei Ebay versteigern und dann verschicken wollen. „Nachher passen sie nicht, und dann geht es hin und her. Es gibt einfach Dinge, die sich vor Ort einfacher klären lassen als im Internet.“

Und welche Wünsche haben sie? Bodenständige, wenn nicht erdverwachsene: „Eine Hollywoodschaukel“, sagt Bianca Frerich. „Die hatte Oma früher auch, und wir haben hier einen tollen Blick.“ Ein Gewächshaus mit Fundament, damit Romina Tomaten ohne Regen ziehen kann, wäre das Schönste. Und was noch? Ein 28er-Damenrad mit kleinem Rahmen. „Mein Fahrrad ist mir viel zu klein“, sagt Romina über ihren 24er-Rahmen. „Vielleicht kann man ja tauschen, kleines Fahrrad gegen großes Fahrrad?“ Vielleicht. „Vielleicht kommt auch ein netter Mann vorbei“, sagt Bianca Frerich und lacht. „Wir sind da offen für alles“, sagt die 13-jährige Tochter und grinst. Ist das so? Bianca Frerich schmunzelt. Unter „Gesuche“ ist der Mann jedenfalls noch nicht gelistet.

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