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GAW hilft Minderheitsgemeinden Jahresfest in Hilter: Luthereffekt bringt Schwung

Von Bärbel Recker-Preuin


Hilter. Der Bogen spannte sich weit über die Jahrhunderte: es ging um die aktuelle Unterstützung für Minderheitsgemeinden in aller Welt, die Reformation vor 500 Jahren und protestantische Bewegungen noch weit davor. Anlass für diese Themenvielfalt war das GAW Jahresfest, das im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in Hilter stattfand.

„Wir profitieren gerade vom Luthereffekt“. Darin waren sich Winfrid Pfannkuche, Pastor der Waldenserkirche in Bergamo, Italien, und Rainer Kiefer, Oberlandeskirchenrat Hannover, einig. Das Lutherjahr ist in aller Munde – weltweit, auch in den kleinsten Gemeinden. „Und wir haben den Franziskuseffekt“, ergänzte Winfrid Pfannkuche, als er über die Situation der religiösen Minderheitskirche der Waldenser in Norditalien referierte. „Evangelisch in Italien – die vorreformatorische Kirche der Waldenser damals und heute“, so auch der Titel des Jahresfestes des GAW, Gustav-Adolf-Werk, Diasporawerk der evangelischen Kirche, Hauptgruppe Osnabrück.

Geschichte und Bibel

Natürlich feiern die 16.000 Waldenser Gemeindeglieder in Italien das Reformationsjubiläum mit. Allerdings sind sie geschichtlich betrachtet weitaus länger Protestanten. Die leid- und wechselvolle Geschichte geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als der vermögende Lioner Kaufmann Petrus Valdes die katholische Kirche anprangerte, beschloss, in Armut zu leben und 1173 die Bibel in die Volkssprache übersetzen ließ, um sie allen Gläubigen zugänglich zu machen. Anhänger der Waldenserkirche wurden jahrhundertelang als Ketzer verurteilt und weit versprengt. „In einer Hand die Geschichte, in der anderen die Bibel“, fasste Winfrid Pfannkuche zusammen.

Die Waldenser genießen heute in Italien hohes Ansehen, auf ihr Wort werde gehört, so der Pastor. Selbst Papst Franziskus besuchte die Waldenser Kirche in Turin und sprach von Einheit. Unter anderem beschert dieser Franziskuseffekt der kleinen Kirche freiwillige Steuereinnahmen von 600.000 Bürgern.

Die Schöpfung ist nicht käuflich

Dass Geld zwar wichtig für Kirchenaufgaben, aber längst nicht das Wichtigste im Glauben ist, machte Rainer Kiefer deutlich. Er berichtete von der jüngsten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia. „Freiheit durch Gottes Gnade“ so die These der Vertreter aus 143 protestantischen Kirchen aus 98 Ländern. Erlösung, Menschenwürde und Schöpfung können nicht erkauft, aber ohne Engagement und Nächstenliebe auch nicht erreicht und bewahrt werden, so Kiefer.

Diaspora braucht Dächer

Damit in Diaspora-Gemeinden in aller Welt der Glaube gelebt werden kann, wird das GAW intensiv arbeiten, versicherte Hartmut Giesecke von Bergh, Vorsitzender der Hauptgruppe Osnabrück. Knapp zwei Millionen Euro stellt GAW Deutschland für rund 130 Projekte zur Verfügung. „Diaspora braucht auch Dächer“, so Hartmut Giesecke von Bergh. Ein Bespiel dafür ist die Casa Valdese, ein denkmalgeschütztes Gebäude in Norditalien, das als Symbol der Verfolgung der Waldeneser auch als Archiv, Museum und Verwaltungssitz genutzt wird. Die Casa Valdese ist eines von sieben Projekten, das speziell von der GAW Hauptgruppe Osnabrück unterstützt wird.

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Mit italienischen Arien und geistlichen Liedern wurde der italienische Abend in Hilter musikalisch untermalt von Corinna Koppelmann und Andrea Giesecke von Bergh.