Kindheit an der Rennstrecke Anwohner erinnern sich an die Anfänge des Borgloher Bergrennens

Von Kathrin Pohlmann


Hilter. Benzin liegt in der Luft, Motoren röhren – es ist wieder Bergrennen in Borgloh. Eigentlich könnten die Anwohner genervt sein von dem Spektakel, haben sie doch schon unter der Woche mit dem Motorradlärm von Rasern auf der Rennstrecke zu kämpfen. Doch fragt man die Borgloher nach dem Bergrennen, dann fangen die Augen plötzlich an zu leuchten.

Das Rennen ist für viele das Highlight im Kalender. Die Borgloher lieben ihr jährliches Bergrennen, vor allem die Anlieger, ohne die das Ganze auch kaum zu stemmen wäre. Dieter Middendorf kennt das Rennen noch als kleiner Junge. Er ist direkt an der Strecke aufgewachsen. „Ich war neun oder zehn Jahre alt und für uns Kinder war das natürlich immer was ganz besonderes. Mit dem Rennen wächst man hier auf“, erzählt er. „Meine Brüder und ich sind im Dunkeln mit Taschenlampen durch das Fahrerlager geschlichen. Das war eine ganz andere Welt.“ Mit seinen Freunden hat er entlang der Rennstrecke Flaschen gesammelt. Da wurde das Taschengeld schon einmal um fünf bis zehn Mark aufgebessert.

„Dann gab es auch mal eine Cola oder eine Fanta. Das hat man ja sonst nie bekommen“, sagt der 58-Jährige.

„Die haben üerall gepennt“

Die Fahrer kamen und kommen noch heute aus ganz Deutschland nach Borgloh. Damals waren sie im Dorf untergebracht. Entweder schliefen sie in Zelten oder auf den Höfen der Anlieger. „Die haben überall gepennt. Auf der Diele, auf der Terrasse und von meiner Mutter gab es immer was zu essen für die Fahrer“, erzählt Middendorf. Heute kommen sie in großen Wohnwagen und -mobilen angereist. Der Rennwagen übernachtet in einem speziellen Zelt. „Ne‘ Meise haben die alle. Das sind alles Freaks rund um den Motorsport. Wenn da ein Staubkorn auf dem Lack liegt, dann wird das ganz schnell weggeputzt. Wir haben aber alle ein tolles Verhältnis“, erzählt Anwohner Herbert Schröder. Für die Elektrofahrzeuge hat er dagegen wenig übrig. „Beim Rennsport gehört das Motorengeräusch dazu und der Geruch, der in der Luft liegt. Das ist ein Feeling“, sagt er und schwärmt.

Der Acker wird zum Fahrerlager

Herbert Schröder hatte bereits Besuch von Hermann. Hermann kümmert sich um die Anlieger und schaut, wie weit die Felder rund um die Rennstrecke sind. Das Getreide wurde bereits abgeerntet, da kommt das Fahrerlager hin. Der Mais steht noch. Die Pferde sind schon von der Koppel runter. „Die Wiese ist dann für die historischen Fahrzeuge“, erzählt Schröder. Früher hat er mit seiner ganzen Familie das Wochenende auf den Feldern verbracht und den Parkwächterjob übernommen. „Mit acht Personen haben wir da gestanden“, sagt Schröder. Mittlerweile tut er sich das nicht mehr an. Doch das Bergrennen gehört für ihn in jedem Sommer dazu. „Das Rennen ist immer noch ein Highlight und die Anwohner sind auch voll dafür. Mein Sohn wollte einmal nicht ins Zeltlager fahren, weil das während des Bergrennens stattfand. Ich habe ihn abgeholt und nach dem Rennwochenende wieder hingebracht“, sagt er und lacht.

Ein Päckchen auf der Terrasse

Ein Oldenburger Mercedesfahrer meldet sich immer telefonisch an, um bei Schröder zu parken. „Ich kenne den nicht und weiß auch nicht, wie der heißt. Aber sein Mercedes steht jedes Jahr hier und nach dem Rennen ist er weg und hinterlässt immer ein kleines Präsent auf der Terrasse“, erzählt Schröder.

Die Anwohner kennen viele Fahrer seit Jahren. Es haben sich langjährige Freundschaften entwickelt. Ohne die Anwohner und vielen Ehrenamtlichen gehe es nicht, sind sich Middendorf und Schröder sicher. Das gute Verhältnis zueinander und auch die reibungslose Organisation durch den MSC führen dazu, dass sich die Borgloher immer wieder auf ihr Rennen freuten.