Die Lizenz zum Funken Funkamateure über große Antennen und Freundschaften jenseits des Atlantiks


Hilter/Dissen. 73 heißt herzliche Grüße, TNX danke und Sonnenflecken unterliegen einem Zyklus. Klingt irgendwie kompliziert? Das ist es – zumindest für Neulinge. Denn bei den Amateurfunkern in Dissen trifft Physik auf Elektrotechnik.

Es knarzt und rauscht im alten Stellwerkhäuschen in Dissen. Die Funkamateure aus dem Südkreis sind wieder am Funkgerät. Alle zwei Wochen treffen sie sich in ihrem Vereinshäuschen an den Bahnschienen.

Heiner Bischof aus Hilter ist langjähriger Funkamateur. Sein Onkel hat ihn damals als kleiner Junge angefixt. Telefone gab es kaum. Per Funk konnte er rund um den Globus mit Menschen in Kontakt treten. Die Technik dafür baute er selbst. „Es gab diese Gerätschaften nicht zu kaufen oder sie waren für uns viel zu teuer“, erzählt der 73-Jährige. Besonders Spaß machte ihm das Löten und Basteln an den Geräten und Schaltflächen. Das Hobby aus der Jugend hat sein Leben geprägt. „Ich habe dann später Elektrotechnik studiert“, sagt Bischof.

Prüfung und Zeugnis Pflicht

Einfach drauf los funken, das geht nicht. Jeder der über Funk in die weite Welt hinaus sprechen will, muss eine Prüfung ablegen. Sie wird in Deutschland von der Bundesnetzagentur abgenommen. Jeder Funker erhält dann statt eines Namens sein persönliches Rufzeichen – eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben. Seine Lizenz zum Funken bekam Bischof 1974, auch eine Morseprüfung musste er ablegen. Heute ist das Morsen nicht mehr Pflicht, 2003 wurde diese Prüfung abgeschafft.

Funker aus Leidenschaft

Bischof ist Funkamateur aus Leidenschaft, genau wie seine Kollegen vom Deutschen Amateur Radio Club (DARC) Ortsverband Osning (I38). Marco Holleyn ist der Vorsitzende des Vereins und seit rund 20 Jahren dabei. Er kommt aus Versmold, ist eigentlich Kaufmann. „Ich habe beruflich nichts mit Technik am Hut. Das muss man aber auch nicht, um Amateurfunker zu sein“, erzählt er. Ein meterhoher Antennenmast ragt über das Dach des Vereinsheims. „Die ist ja noch klein, da gibt es wesentlich größere und höhere Antennen“, erzählt Holleyn. Die Funkamateure kommunizieren über Kurzwelle. Das sind Radiowellen. Sollte einmal das Kommunikationsnetz zusammenbrechen – die Funker wären davon nicht betroffen.

Funken ist eher Männersache

Derzeit gehören 29 Männer und zwei Frauen zum Verein, drei Jugendliche kommen regelmäßig. Der Vorsitzende bestätigt den Eindruck: Funken ist eher Männersache. Frauen seien aber jederzeit willkommen. Unter ihnen können richtige Freundschaften entstehen. „Ich hatte mal einen Funkerfreund in der Dominikanischen Republik. Dem habe ich mal eine Wurst geschickt“, erzählt Bischof.

Postkarten Gruß vom Funkerfreund

Es geht auch analog bei den Funkern. An einer Pinnwand im Vereinsheim hängen Postkarten. Japanische Kirschblüten sind darauf zu sehen, der Eiffelturm, Grüße aus Moskau mit einem Bild vom Roten Platz oder ein Porträt eines Funkerkollegen aus Australien. Sie bestätigen den Funkkontakt. Uhrzeit, Frequenz und ein lieber Gruß in Funkersprache werden auf den sogenannten QSL-Karten vermerkt. Natürlich geht das mittlerweile auch digital. Die Funker sind ja nicht von gestern und nutzen auch Facebook und Whatsapp.

Wenn Juan Carlos zum Funkgerät greift

Manche treffen sich jeden morgen zum Frühstück, erzählt Holleyn. „Wir sind eine große Familie. Nicht politisch, nicht religiös, nicht kommerziell. Wir kennen keine Feinde“, so der Vorsitzende. Funkerträume sind vergleichbar mit Urlaubssehnsüchten. „Wenn man auf einer kleinen abgelegenen Insel irgendwo jemanden erreicht, Hawaii oder so, das sind schon so Highlights“, sagt der Versmolder. Auch Promis funken. Etwa der ehemalige König von Spanien Juan Carlos oder die Astronauten der ISS.

Grenzen kennt der Funk nicht. Nur in Diktaturen wie Nordkorea oder Turkmenistan ist der Amateurfunk verboten.


Momentan ist keine gute Zeit fürs Funken. Schuld daran sind die Sonnenflecken. Sonnenflecken sind dunkle Stellen auf der sichtbaren Sonnenoberfläche, die kühler sind und daher weniger sichtbares Licht abstrahlen als der Rest der Oberfläche. Die Sonnenaktivität ist einem Elf-Jahreszyklus unterworfen. Im Sonnenfleckenminimum ist durchaus mal eine ganz fleckenlose Sonne zu sehen und im Sonnenfleckenmaximum sehr viele und große Sonnenflecken. Für den Funkamateur lässt es sich zur Zeit des Sonnenfleckenmaximums besonders gut funken. Zurzeit befinden sich die Funker an einem Tiefpunkt. 2020 geht es wieder aufwärts. Doch von diesen Schwankungen lassen sich die Funker nicht abhalten.

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