Jüdisch-christliche Zusammenarbeit Kontakt mit dem Judentum in der Hilteraner Oberschule

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Kontakt zum jüdischen Leben: Alois Lögering (von links), Inessa Goldmann, Anja Marquering und Helena Brox. Foto: Anke SchneiderKontakt zum jüdischen Leben: Alois Lögering (von links), Inessa Goldmann, Anja Marquering und Helena Brox. Foto: Anke Schneider

Hilter. Das Judentum ist die Mutter vieler Religionen – auch des Christentum und des Islams. Dennoch wissen nur wenige über den Glauben und die Bräuche der über 3000 Jahre alten Religion. In der Hilteraner Oberschule konnten nun unter dem Motto „Judentum begreifen“ Siebtklässler ein paar Schritte auf das Judentum zugehen – was sie auch neugierig taten.

Zu Gast war drei Mitglieder der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit und boten einen interessanten Workshop an. Er war in drei Stationen aufgeteilt, den alle Schüler durchliefen. An der ersten Station sahen die Kinder einen Film mit dem Titel „Was glaubt man, wenn man jüdisch ist?“ aus der Reihe „Willi will’s wissen“. Darin lernt Willi eine Synagoge kennen und der Rabbiner zeigt ihm den kostbarsten Schatz der Gemeinde, die mit der Hand geschriebene Thorarolle, die in hebräischer Sprache den Text der fünf Bücher Mose enthält. Er spricht mit dem Vorsitzenden einer jüdischen Gemeinde über die Gräueltaten des Hitlerregimes und lernte eine jüdische Familie kennen, die ihn zur Feier des Sabbats einlädt.

Jüdisches Gemeindeleben

Danach zeigte Inessa Goldman den Schülern verschiedene Gegenstände aus dem jüdischen Gemeindeleben, unter anderem eine echte Torarolle, die aus England in ein Gefangenenlager nach Osnabrück gebracht wurde, damit die gefangenen Offiziere den Sabbat feiern konnten. Schließlich erklärte sie das Pessach-Fest, das als erstes der drei Wallfahrtsfeste im jüdischen Frühlingsmonat Nissan, zur Zeit der ersten Gerstenernte in Israel, gefeiert wird. Sie zeigte, was auf einen Pessach-Teller gehört, den die Schüler dann auch zubereiteten.

An der zweiten Station spielte Helena Brox eine Art Quizspiel mit den Kindern, bei dem sie Wissen zur Geschichte des Judentums abfragte. Sie wollte unter anderem Wissen, seit wann hebräisch die Amtssprache in Israel ist und was beim Pessach-Fest gefeiert wird. Sie fragte auch, wie viele Kerzen ein Chanukka-Leuchter hat, dessen Lichter an jedem der acht Chanukka-Abende des jüdischen Lichterfestes bei Anbruch der Dunkelheit angezündet werden.

Brennende Synagogen

Die dritte Station besetzte Alois Lögering, der den Jungen und Mädchen beeindruckende Geschichten erzählte, in denen Menschen unter anderem im Zweiten Weltkrieg jüdischen Männern, Frauen und Kindern das Leben retteten. Er berichtete unter anderem von der inzwischen über 90-jährigen Gertraude Wortmann aus Harderberg, deren Mutter und Schwester gleichzeitig ein Kind geboren hatten. Sie nahmen ein vollkommen entkräftetes und ausgemergeltes Judenbaby auf, um es mit ihrer Milch zum Überleben zu bringen. Die Geschichte beschreibt eindrucksvoll die Bemühungen der beiden Frauen, die die rettende Nahrung tropfenweise in das halbtote Kind hineinträufelten.

In einer zweiten Geschichte ging es um die Rettung einer Tora, die aus einer brennenden Synagoge geborgen und versteckt wurde. In der letzten Geschichte beschrieb Alois Lögering das Leben des „Engels des Warschauer Ghettos“. Die Rede ist von Irena Sendler, die rund 2500 Kinder aus dem Ghetto schmuggelte. Am 20. Oktober 1943 wurde Irena Sendler von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt. Unter Folter sollte sie die Namen und Verstecke der geretteten Kinder preisgeben, doch sie verriet nichts. Die Untergrundorganisation Żegota konnte Irena Sendler durch Zahlung von Bestechungsgeldern nach 3 Monaten freikaufen. Sie hatte Listen mit den Namen der Kinder und ihren Alias-Namen in Flaschen in ihrem Garten vergraben. So wurde es möglich, dass die Ghetto-Kinder nach Kriegsende ihre wahre Identität zurückbekamen.

Interessant und authentisch

Religionslehrerin Anja Marquering war beeindruckt von der Präsentation, die zum ersten Mal in der Oberschule zu Gast waren. „Bisher haben wir jedes Jahr die Synagoge besucht“, berichtete sie. Diese neue Form des Kontaktes mit dem Judentum sei jedoch deutlich interessanter und authentischer.


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