Lokales Interview Hilters Gleichstellungsbeauftragte für Männer und Frauen gleichermaßen da


Hilter. Vor Kurzem wurde der Gleichstellungsbericht der Gemeinde Hilter vorgestellt. Wie steht es um die Gemeinde in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das hat Regina Meyer-Kietzmann im Interview erzählt. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde.

Frau Meyer-Kietzmann, seit wann sind Sie Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Hilter?

Ich bin seit 2012 Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde.

Was macht man als Gleichstellungsbeauftragte?

Das ist eine schwierige Frage. Eine Hauptaufgabe ist, sich innerhalb der Kommune für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einzusetzen. Das heißt, zum Beispiel, gleicher Lohn bei gleicher Arbeit – im öffentlichen Dienst ist das aber ja kein Thema. Es geht auch um gleiche Rechte für Frauen und Männer, was Weiterbildung und Fortbildung anbelangt. Dann geht es um ein ausgewogenes Arbeitsverhältnis. Genauso viele Frauen wie Männer sollten in der Kommune beschäftigt sein, wenn bei gleicher Qualifikation Bewerbungen vorliegen.

Es geht also nicht darum, nur Frauen zu unterstützen?

Genau. Es geht darum, dass das Arbeitsumfeld ausgewogen ist und Männer und Frauen zu gleichen Teilen beschäftigt sind. Deswegen heißt es auch nicht mehr Frauenbeauftragte, sondern Gleichstellungsbeauftragte. Und trotzdem denken manche Männer immer noch, sie kommen zu kurz.

Wie sind Sie an das Amt gekommen?

Es wurde eine gesucht und man hat mich dann gefragt (lacht). Meine Vorgängerin wollte nicht mehr und ich habe zu der Zeit schon in der Kommune gearbeitet und dann hat sich jemand überlegt: „Vielleicht möchte Frau Meyer-Kietzmann das ja auch noch machen.“ Es ist ja nicht so einfach Leute zu finden, die Ehrenamtsjobs übernehmen wollen. Und so kam das zustande.

Der Job ist also ehrenamtlich?

Ja. Es gibt eine Aufwandsentschädigung von 200 Euro im Monat und ich bekomme meine Fahrtkosten erstattet.

Hatten Sie vorher schon Erfahrungen auf diesem Gebiet oder sind sie ganz unbescholten an das Amt herangetreten?

Eigentlich bin ich da ganz unbescholten herangegangen. Ich lebe lange in der Kommune, ich kenne viele Menschen hier, ich habe vier Kinder, habe Psychologie studiert – von daher passte das. Dass ich mich vorher mit frauenspezifischen Themen auseinandergesetzt habe, das kann ich nicht sagen.

Also sind Sie keine Hardcore-Feministin?

Überhaupt nicht (lacht).

Wie sieht dann Ihre tägliche Arbeit aus? Gibt es auf dem Land noch eine heile Welt?

Einige Kommunen brauchen offensichtlich keine Gleichstellungsbeauftragte. Aber die Frage ist nicht, braucht man so eine Person. Dieses Amt ist wichtig, denn eine Gleichstellungsbeauftragte ist jemand der noch mal den Fokus auf Probleme setzt: Was ist für Frauen wichtig? Wo müssen wir hingucken zum Beispiel beim Thema Familie und Beruf? Ich sehe es unter anderem als meine Aufgabe an, zu schauen, was wir für Betreuungsmöglichkeiten für Kinder haben und darauf aufmerksam zu machen, dass Angebote erweitert werden müssen. Wir haben in Hilter eine gute Situation. Wir sind jetzt auf dem Weg, zwei weitere Kindertagesstätten einzurichten. Ich hoffe, dadurch entspannt sich die Situation ein wenig. Es war schon so, dass viele Frauen nicht arbeiten gehen konnten, weil sie keine Kinderbetreuung bekommen konnten.

Also gibt es ähnliche Probleme, wie beispielsweise in der Stadt?

Ja, genau. Gewalt an Frauen gibt es in Hilter genauso wie in Osnabrück. Das ist einfach so.

Was können Frauen tun, wenn sie Hilfe benötigen?

Die meisten Frauen melden sich per Telefon, wenn sie eine Frage haben oder Hilfe brauchen. Einige Fragen und Probleme können wir schnell gemeinsam lösen. Ist dies nicht möglich, vermittele ich die Frauen weiter. Ich bin nicht für den therapeutischen Part zuständig, sondern rufe dann beispielsweise beim Frauenhaus in Osnabrück an.

Was stellt noch ein Problem dar?

Viele Frauen arbeiten ehrenamtlich oder sind in Minijobs tätig, sie tun also nichts für ihre Rente. Dann rutschen sie mit 65 in die Altersarmut. Sie finden kaum Männer in Minijobs.

Sie sind also auch daran interessiert, dass das Konzept Familie aufgeht und nicht in der Hand der Frauen bleibt?

Ganz genau. Es sollen nicht nur die Mütter neben ihrer Familie endlich arbeiten gehen können. Väter sollen genauso Familie leben können. Ich finde, es muss auch immer Raum für die komplette Familie bleiben. Es darf nicht sein, dass Eltern sich zwischendurch nur kurz sehen. Das stelle ich mir nicht unter Familie vor. Letztendlich sind das alles Konzepte, die auch Männer betreffen.

Müssen sich Männer emanzipieren?

Es geht auch um das Bild von Männern. Männer die Elternzeit nehmen oder als Hausmann die Kinder versorgen, sollen genauso anerkannt werden. Das war ja nun auch ein langer Prozess bis die ersten Männer in Elternzeit gegangen sind.

Dann nehmen Männer die obligatorischen drei Monate Elternzeit. Aber ist das gleichberechtigt?

Aufgeteilt zu gleichen Teilen ist das natürlich noch nicht. Das liegt auch daran, dass die Männer in den meisten Fällen mehr verdienen als die Frauen. Da brauchen wir uns auch nichts vorzumachen.

Viele können es sich nicht leisten, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, oder wie ist das gemeint?

Klar, man muss die finanzielle Situation berücksichtigen. Viele Familien kommen mit einem Gehalt nicht aus. Viele Frauen würden vielleicht gerne die ersten drei Jahre mit ihren Kindern zuhause genießen. Aber das ist oft finanziell einfach nicht drin.

Was müsste in der Gemeinde Hilter noch getan werden?

Also, ich muss sagen, das Rathaus an sich lebt und arbeitet schon sehr gleichberechtigt. Wir haben zwar mehr Frauen in der Verwaltung beschäftigt, allerdings sind die Führungspositionen von Männern belegt. Das kann man auch nicht einfach ändern. Ich kann ja nicht sagen: „So, den einen müssen wir jetzt entlassen.“ Aber bei Stellenneubesetzung ein Augenmerk darauf legen, sollte man schon. An manchen Gegebenheiten kann auch die Verwaltung nichts ändern. Wir haben zum Beispiel nur einen Frauenanteil von 33 Prozent im Rat. Das liegt aber an der Politik.

Trauen sich Frauen nicht, oder woran liegt das?

Wir haben ja schon vergleichsweise viele Frauen in Hilter im Rat. Bad Rothenfelde hat einen Anteil von 40 Prozent. Es gibt aber auch Kommunen, die haben einen Frauenanteil von sechs Prozent. Ich glaube, es liegt daran, dass Frauen sich das nicht zutrauen. Frauen stellen sich eher infrage, ob sie so einen Posten überhaupt übernehmen können.

Dagegen sind Männer in Kitas und Grundschulen eher rar.

Ich bin ein ganz großer Verfechter davon, dass viel mehr Männer in Kindertagesstätten arbeiten. Kinder müssen von beiden Geschlechtern erzogen werden. Das wird sich ändern, wenn diese Berufe besser bezahlt werden. Bei Pflegeberufen ist das ähnlich. Solange diese Jobs nicht entsprechend gewürdigt werden, werden sie auch nicht entsprechend bezahlt. Solange werden sich in diesen Berufen auch kaum Männer finden.

Gibt es manchmal einen Punkt, an dem Sie verzweifeln?

Verzweifeln tue ich nicht. Lange habe ich gedacht, wir brauchen doch keine Frauenquote. Das sehe ich heute anders. Wenn es keine Quote gibt, dann kommen Frauen nie in Führungspositionen und es wird sich nie etwas ändern. Das finde ich sehr bedauerlich, aber es ist so. Es gibt aber auch kleine Erfolge. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat beispielsweise das neue Lohngerechtigkeitsgesetz eingebracht. Seit Jahren laufen wir am Equal Pay Day Sturm und jetzt tut sich endlich mal was auf Bundesebene. Das finde ich einfach toll.


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