Klönen gegen die Traurigkeit Gala-Abend der früheren Albertinen-Mitarbeiter


Hilter/Dissen. Eine Betriebsfeier war es sicher nicht. Einer Beerdigung glich die Gala für die ehemaligen Mitarbeiter des Dissener Krankenhauses auch nicht. Wenn es auch keinen passenden Begriff für dieses einmalige Event gibt, umschreibende Adjektive gibt es viele. Die Gala war rundherum zauberhaft.

Zum vierten Mal wurde das Fest im alten Gasthaus Ellerweg in Hilter organisiert. Und zwar vom ehemaligen Chefazrt Dr. Reinhard Naundorf und dem einstigen Oberarzt Florian Balkau persönlich. Die beiden Herren begrüßten die fast 90 ehemaligen Mitarbeiter an der Eingangstür zum Saal im Frack und Zylinder.

Viele der Ehemaligen sind inzwischen aus Dissen weggezogen und hatten eine weite Anreise. Groß war die Freude über das Wiedersehen in nahezu allen Gesichtern. Man umarmte sich wie auf einem Familientreffen zu Weihnachten. „Es gibt eine unglaubliche Identifikation mit dem Laden. Ich wundere mich auch immer wieder“, sagte Balkau. Und konnte nicht verheimlichen, dass auch er sich nach dem Dissener Krankenhaus zurücksehnt. „Ich habe inzwischen eine Praxis in Wallenhorst aufgemacht“, erzählte er. Naundorf ist aktuell Oberarzt in einer Klinik in Paderborn. „Aber Dissen gab es eben nur einmal“, fügte Florian Balkau an.

Kein Grund zum Feiern

„Es gibt keinen Grund zu feiern“, sagte Balkau bei der Begrüßung der Gäste. Mit humorigem Unterton stellte er fest, dass das vergangene Jahr wieder einmal ein schlechtes gewesen sei. „Wir freuen uns trotzdem, dass ihr alle gekommen seid“, so der einstige Oberarzt und stellte seinen Kollegen Reinhard Naundorf vor. „Nun kommt ein Mann, der fachlich und menschlich beeindruckte, dessen Freund nicht das Skalpell, sondern der Mensch war.“

Nach einem begeisterten Applaus bat Balkau um „emotionale Stille, die im Raum ein bisschen nachzittert.“ Die Stille wich dann aber schnell, als der ehemalige Oberarzt das Albertinen-Liederbuch zückte und das erste von drei selbst gestrickten Liedern anstimmte. Nach der Melodie von „Blowing in the wind“ sang der 90-stimmige Albertinen-Chor „Wie viele Straßen im südlichen Kreis sind Straßen voll Tränen und Leid? Wie viele Patienten sind krank und allein? Behandlung vor Ort darf nicht sein “.

Mit Blaulicht auf dem Dach

Danach trällerten die Gäste Henry Valentinos „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen. Sie wird gefahr’n mit Blaulicht auf dem Dach. Der fährt nun schon ne halbe Stunde ständig mit ihr rum. Die Klinik Dissen gibt’s nicht mehr – zu dumm.“

Der dritte Song aus dem Liederbuch war „Ich bin wieder hier, in meinem Revier“ von Marius Müller-Westernhagen, bevor die beiden Herren dann als Solisten in Maffays „Es war Sommer“ von ihrer Zeit im Dissener Krankenhaus erzählten. Ohne die nahezu professionelle Stimmgewalt des großen Chores wurde deutlich, dass die beiden Mediziner wohl keine zwei Tage am Klinikum Dissen überstanden hätten, wenn ihre fachlichen Fähigkeiten ähnlich ihrer gesanglichen gewesen wären. Trotzdem honorierten die Gäste die Darbietung mit viel Applaus.

Nach der Einführung in den Abend stürmten die einstigen Ärzte, Pfleger, Schwestern und Verwaltungsmitarbeiter das Buffet. Bis in die Nacht wurde geklönt und gelacht und die Traurigkeit über die Schließung der Klinik einmal mehr in den Hintergrund gedrückt.


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