Arbeit für 320 Menschen 25 Jahre Heilpädagogische Hilfe in Hilter

Von Stefan Buchholz


Hilter. Die Werkstatt der Heilpädagogischen Hilfe feiert in diesen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen. Dort bietet man heute 260 Menschen mit Behinderung plus 60 Beschäftigten einen Arbeitsplatz in verschiedenen Bereichen.

Möglich wurde der damals dritte Standort – neben Sutthausen und Schledehausen –, weil es Bedarf gab. In Osnabrück und Bissendorf gab es einen Überhang an Plätzen, sagt Werkstattleiterin Cornelia Kammann. Die Entscheidung fiel als Standort im Südkreis auf Hilter. Dort siedelte man sich im Gewerbegebiet rund um den Bahnhof an. Man versteht sich bis heute als Partner von Industrie und Wirtschaft, so Kammann.

Aufträge aus der Region

Aufträge vergeben beispielsweise Firmen aus der Region. Langjährige Kontakte hat man zu Höcker Polytechnik, Faust sowie Rollko und Blanke. „Das ist für uns eine Bank, jemanden zu haben, der uns verlässlich mit Aufträgen versorgt. Und für den wir dann auch verlässlich arbeiten können.“

Tischlerei, Schlosserei, Metallmontage, Verpackungen, Büro-Center, Hauswirtschaft, Reinigung, Spezialförderung und Intensivbereich – in diesen Bereichen sind die Menschen mit einer Behinderung heute in der Werkstatt Hilter tätig. Zudem hat man an diesem Standort eine Besonderheit entwickelt: Die Gärtnerei hat sich auf die Weidenproduktion spezialisiert. Das Angebot umfasst alles von der Bank über Fackeln, Schalen sowie Vogelhäuschen und Windspielen bis hin zum Sichtschutz.

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Eigenes Entgeltsystem

Neue Kunden zu akquirieren ist gleichwohl schwierig. „Die Aufträge sind kurzlebiger geworden. Wir bekommen komplexe Anfragen, bei denen wir nicht mehr die Zeit haben, die Menschen mit Behinderungen einzuarbeiten. Und es fehlen dazu auch Folgeaufträge“, schildert Kammann. Insgesamt sei man aber gut aufgestellt. Die Werkstatt-Beschäftigten arbeiten in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis. Das bedeutet: Tariflöhne bekommen sie nicht, bezahlt wird nach einem eigenen Entgeltsystem, zu dem man auch Sozialabgaben abführt.

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Verändert hat sich in den 25 Jahren die Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung. „Zum Positiven, wie ich finde. Gott sei Dank erleben wir, dass die Werkstatt-Beschäftigten immer mehr Selbstbewusstsein bekommen“, konstatiert Kammann. Heute formulierten sie eher, welche Arbeit sie sich wünschen und wie diese gestaltet sein soll.

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Einsatz in der Versandapotheke

Ausdruck findet dieser Perspektivwechsel von der „beschützenden Werkstatt“ hin zu stärker individualisierbaren Beschäftigungsmöglichleiten auch in den sogenannten Außenarbeitsplätzen. 20 Werkstatt-Beschäftigte arbeiten seit einigen Jahren bei der Versandapotheke Apotal.

Für die Zukunft werde man eine Vielzahl von Arbeitsplätzen mit unterschiedlichen Erfordernissen und Bedingungen benötigen, zeigt sich Werkstatt-Chefin Kammann überzeugt. „Wir können nur dann arbeitsmarktnahe Plätze anbieten können, wenn es weiterhin Arbeitgeber gibt, die bereitwillig auf Menschen mit Behinderungen zugehen.“ Auch an die eigene Nase müsse man sich künftig fassen: Das bedeute mehr Beweglichkeit bei der Art der Tätigkeit, den Einsatzorten und den Arbeitszeiten, sagt Kammann.

Das 25-jährige Bestehen feiert man am Freitagabend mit 500 geladenen Gästen in der Werkstatt.