Bauarbeiten an Werk II Flaschenpost in Hilter nach 99 Jahren entdeckt

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Hilter. Eine grüne Flasche – auf den ersten Blick unscheinbar, doch bei genauerer Betrachtung ein außergewöhnlicher Fund: Bauarbeiter haben die Flasche im Werk II gefunden, als sie ein Loch in die dicke Bruchsteinwand schlugen. Ihr Inhalt ist 99 Jahre alt.

Der Glockenturm und das Bruchsteingebäude sind die einzigen Bauwerke, die vom ursprünglichen Werk II noch erhalten sind. Inzwischen werden auch diese Teile für eine neue Nutzung umgebaut. Für eine Eingangstür sollte ein Loch in die 50 Zentimeter dicke Wand gehauen werden, dabei entdeckten Bauarbeiter eine Flasche im Inneren des Gemäuers. Zwar war der Hals abgebrochen, doch sonst hatte die Flasche die heftigen Stöße gut überstanden. „Dass die Flasche gefunden wurde, ist purer Zufall. Die Bauarbeiter waren natürlich nicht vorsichtig“, sagt Architektin Ulrike Vornhülz. Die grüne Flasche wurde genauer betrachtet und so kam ihr 99 Jahre alter Inhalt zum Vorschein: Auf dem Papier steht „F. Wortmann, F. Rüter, H. Tepe, Hilter d. 8. August 1917“.

Fund überraschte

Dieser Fund überraschte den ehemaligen Eigentümer des Gebäudes Baltz Hartman-Hilter. Er war immer davon ausgegangen, dass das Gebäude in den 1920er Jahren errichtet wurde, als auch der Herrensitz der Familie aufgestockt wurde. „Mein Großvater war damals im Krieg, deshalb dachte ich nicht, dass zu dieser Zeit gebaut wurde“, sagt er. Auf dem Gelände des Familiensitzes wurde seit 1863 zunächst Schnaps gebrannt und ab 1889 Bier gebraut. Daran erinnert auch die gefundene Flasche, „1902 Aktien Bierbrauerei Hilter“ ist darauf zu lesen. Während des Ersten Weltkrieges, als die Flasche mit dem Zettel eingemauert wurde, soll die Brauerei in Werk II aber bereits aufgegeben worden sein. Das Familienunternehmen stellte zu dieser Zeit Marmeladen und Himbeersirup her.

Dass sich Bauarbeiter auf diese Weise verewigen, sei damals gang und gäbe gewesen, sagt Hilters Bürgermeister Marc Schewski. Ein solches Stück Zeitgeschichte nun in den Händen zu halten, sei trotzdem etwas Besonderes. „Es hilft uns, die Historie besser nachzuverfolgen“, sagt er. Was mit der Flaschenpost geschehen soll, stehe noch nicht fest. Möglicherweise werde sie in der Gemeinde aufbewahrt, oder an das Staatsarchiv weitergegeben.

Eine neue Flaschenpost?

Das Werk II wurde 1953 an die Firma Rau verkauft. Nachdem dort jahrzehntelang Margarine in Becher gefüllt wurde, stand das Gebäude lange leer. 2004 wurde es für den symbolischen Wert von einem Euro an die Gemeinde übergeben, die es im Jahr 2010 wiederum an die Firma Rabe verkaufte. Heute wird es als Einkaufszentrum genutzt . In einem Teil des Gebäudes ist aber immer noch eine Baustelle: Zementkübel stehen herum, Fliesen werden verlegt. Ab September soll dann die gesamte Fläche genutzt werden.

Eigentümer Thomas Rabe ist froh, dass der Bau bald abgeschlossen ist. Eine Botschaft für die Nachwelt hat er nicht einmauern lassen. Aber von der Flaschenpost, die Wortmann, Rüter und Tepe vor 99 Jahren zurückließen, wusste der Bauherr vermutlich auch nichts.


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