Vom Sitzungssaal zum Wartezimmer Borgloher Rathaus wurde zum Ärztehaus



Hilter. Von 1967 bis 1978 hatte Borgloh ein eigenes Rathaus, heute arbeitet die Verwaltung in Hilter – und im ehemaligen Rathaus ein Arzt.

Mit der niedersächsischen Gebietsreform und dem Zusammenschluss von bis dahin selbstständigen Kommunen zu Samtgemeinden oder Städten verlor so manches Rathaus einer kleineren Gemeinde seine ursprüngliche Funktion, so auch das Borgloher. Nach einem guten Jahrzehnt war für das 1966/67 erbaute Verwaltungsgebäude der Samtgemeinde Borgloh schon wieder Schluss: Aus dem Rathaus wurde eine Arztpraxis.

Rathaus-Beschluss 1964

In der Vergangenheit gab es für die Verwaltungsaufgaben in Landgemeinden allenfalls kleine Schreibstuben in Privathäusern, oftmals mag es auch nur ein Möbelstück namens Sekretär im Wohnzimmer des Bürgermeisters gewesen sein. Die Zunahme der Verwaltungsaufgaben und die wachsende Einwohnerzahl – unter anderem durch viele Vertriebene – war der Grund, dass die schon lange kooperierenden Gemeinden Borgloh und Wellendorf 1964 beschlossen, ein Rathaus in unmittelbarer Nachbarschaft der Pfarrkirche St. Pankratius und des Gasthauses Thiemeyer zu bauen.

Die Verwaltung arbeitete zu der Zeit noch im damaligen Feuerwehrhaus an der Schulstraße, das heute als Bauhof genutzt wird. Und das Standesamt befand sich im Hause Sierp an der Hauptstraße, in dem nacheinander Ludwig Sierp und dann sein Sohn Hermann jeweils sowohl Rendant und Küster als auch Standesbeamter waren.

Wohnung für den Gemeindedirektor

Örtliche Firmen und Handwerker bauten nach Plänen des Architekten Ahrens aus Hilter das Rathaus. Über den Räumen der Verwaltung und dem Sitzungssaal im Erdgeschoss entstanden zwei Wohnungen, eine davon für Gemeindedirektor Josef Heidemann, sowie zwei Apartments für Lehrer.

Anfang November 1966 wurde Richtfest gefeiert. Die Borgloher Blaskapelle umrahmte den kurzen Festakt musikalisch. „Nach den kräftigen und humorvollen Sprüchen des Zimmermanns Josef Thiesmeyer“ schrieb damals die Neue Tagespost, habe Bürgermeister August Westerheide der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das Gebäude zu Ostern 1967 bezogen werden könne.

Kühle Getränke durchs Fenster

1970 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Allendorf, Ebbendorf, Eppendorf und Uphöfen der Gemeinde Borgloh-Wellendorf an. Auch ihre Verwaltungen wurden nach und nach ins neue Rathaus verlagert. Und wenn die behördliche Arbeit gar zu schweißtreibend wurde, erwies sich die Nachbarschaft zum Gasthaus als Standortvorteil: Gelegentlich, so wurde glaubhaft versichert, wurden Tabletts mit kühlen Getränken durchs Fenster gereicht.

Schon im Juli 1972 ging die Einheitsgemeinde Borgloh mit Hankenberge und Hilter in der neugebildeten Gemeinde Hilter auf. Für eine Übergangsfrist blieben Ordnungsamt, Meldeamt, Finanzabteilung und Standesamt noch einige Jahre als Außenstelle der Hilteraner Verwaltung in Borgloh. Mit dem Bezug von Haus Hartman in Hilter 1978 wurden dann alle Verwaltungsangelegenheiten unter einem Dach zusammengefasst. Interessante Randnotiz: Der Tisch aus dem Borgloher Sitzungssaal erfüllt nach wie vor seine Zwecke und zwar im Trauzimmer des Rathauses in Hilter.

Rathaus Borgloh verkauft

Das Borgloher Rathaus wurde verkauft. Seine zentrale Lage im Ortskern prädestinierte es zum Ärztehaus. Zunächst nutzte es der Homöopath und praktische Arzt Dr. Detlef Michalik für etwa eineinhalb Jahre, bevor er ins eigene Haus nach Hilter zog. Ein Vierteljahrhundert, von 1980 bis 2005, praktizierte anschließend der Arzt für Allgemeinmedizin Werner Mantel hier. Der Sauerländer zeigte sich damals sowohl von der Landschaft um Borgloh als auch vom Gebäude begeistert. „Innen brauchten wir nichts umzubauen, es passte alles.“ Der ehemalige Sitzungssaal wurde zum Wartezimmer, das Standesamt Labor. 1983 kaufte Mantel das Gebäude von der Gemeinde, die den Verkaufserlös teilweise in den Kindergarten Wellendorf und in einen Anbau an die Sporthalle Borgloh investierte.

Nun sah sich der neue Besitzer doch zu Umbauarbeiten aufgefordert: Dem bis dahin randlosen Dach verlieh er einen gemütlichen Überstand und fügte zur Kirchplatzseite eine Loggia hinzu. Als Hausarzt nahm Mantel regen Anteil am Dorfleben, und als bei Renovierungsarbeiten an der Kirche die Turmuhr und der alte Wetterhahn versteigert wurden, erwarb er gleich beides. Noch heute prangt die Uhr mit großen goldenen Zeigern an der Südseite des Gebäudes, während der Wetterhahn auf dem Balkon über dem Eingang des Gasthauses Thiemeyer einen würdigen Platz fand.

Nach einigen Umbauarbeiten im Innern praktiziert seit 2006 als neuer Facharzt für Allgemeinmedizin und als Betriebsarzt für viele Unternehmen der Region Dr. Matthias Fuchs im ehemaligen Rathaus Borgloh.

Mehr Informationen aus Hilter im Ortsportal auf www.noz.de/hilter .


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