Nach fünfjähriger Behördentour Ski-Gebiet in der Region Osnabrück genehmigt

Von Anne Spielmeyer


Hilter. Was sind schon fünf Jahre? Nicht die Welt, findet Thomas Linnemeyer aus Borgloh, der seit Jahren von Behörde zu Behörde ochst, um am Hang hinter seinem Haus eine Skipiste an den Start zu bringen. Inzwischen hat er alle Genehmigungen in der Tasche, der Schlepplift läuft, und die Pistenraupe ist in Stellung. Fehlt eigentlich nur noch eins: Schnee in der Borgloher Schweiz.

Nur noch zehn Zentimeter bis zum Ziel. „Ich bin so kurz davor“, sagt Thomas Linnemeyer und zeigt mit beiden Händen die Höhe, die die Schneedecke messen muss, damit bei ihm hinterm Haus die Post abgehen kann. Zehn Zentimeter, vielleicht fünfzehn. Noch ist am Hügel alles im grünen Bereich – leider, denn solange es regnet und die Temperaturen nicht sinken, wird der 36-jährige Dachdecker und Zimmerer auch keine seiner inzwischen vier ersteigerten Schneekanonen anschmeißen.

„Es geht erst los, wenn es richtig geschneit hat“,formuliert Linnemeyer eine goldene Regel für das erste Skigebiet in der Region Osnabrück –die „Uphöfener Streif“. Der Borgloher Lift zählt nun zu 39 genehmigten in Niedersachsen und gesellt sich damit zu Brockenlift in Torfhaus und Wurmbergseilbahn in Braunlage. Die Massen, die die großen Brüder im Harz befördern, stehen in Borgloh nicht auf dem Programm – hier geht’s um Jux, um Liebhaberei und Marketing für die Dachdeckerei. Mit dem Schnee kann die Gaudi kommen: Der Schlepplift mit eigener Hütte für den Elektromotor kann Besucher auf Skiern oder Snowboards den Hügel hinaufziehen. Schlitten transportiert er nicht. Bei 16 Prozent Steigung am Hang haben Rodler aber eine faire Chance, den Aufstieg auch per pedes zu schaffen. Schwarze Piste sieht anders aus.

„Der Lift läuft nicht nur, er darf auch endlich laufen“, betont Linnemeyer stolz ein wesentliches Detail beim Blick auf die ausgebaggerte Spur, die von Fangnetzen gesäumt ist. Sein Traum auf 262 Metern – und das Ergebnis eines mehrjährigen Behördenlaufs im Tiefschnee. Im Jahr 2010 hatte Linnemeyer erstmals Anlauf genommen, um Borgloh einen alpinen Schliff zu verleihen. Mit einem Dieselmotor-Lift, den er aus Spaß im Internet ersteigert hatte, ging er damals an den Start , dachte, er könne den Lift privat anmelden. Pustekuchen. „Den Zahn hat man mir schnell gezogen“, erzählt er, der trotzdem am Liftbügel festhielt und seine Idee vor allem auf den letzten Metern mit Unterstützung von Familie, Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern in die richtige Spur brachte. „Ganz allein hätte ich das nicht geschafft“, betont der Tüftler.

Die bürokratische Piste ist präpariert: TÜV-Vorprüfung und Abnahme sind abgehakt, eine Betriebsgenehmigung von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat er bekommen, die Haftpflichtversicherung abgeschlossen, seinen Bruder und zwei Aushilfen eingewiesen und sogar eine Baum-und-Strauch-Hecke als Ausgleich für den Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet gepflanzt. „Es ist bewundernswert, wie zäh er an diesem Thema gearbeitet hat“, sagt Hilters Bauamtsleiter Manfred Flaspöhler. Schließlich ist es schon eineinhalb Jahre her, dass Linnemeyer mit Gemeinde und Landkreis zusammengesessen und das Gebiet hinter seinem Haus besprochen hat.

Wenn Borgloh zum Ski-Mekka und der Ansturm richtig groß werden sollte, zum Beispiel bei einem Ski-Event , muss die Verkehrssituation angepasst werden. „Für die Gemeinde Hilter ist es wichtig, dass die Gemeindewege befahrbar bleiben. Ansonsten kann Linnemeyer sich da austoben“, sagt Flaspöhler über das Projekt im Außenbereich. Ein privat organisierter Pendelbus könne bei einem Event vom Borgloher Sportplatz zur Piste starten, nennt Linnemeyer eine Überlegung. Denn sollte viel Schnee fallen und tatsächlich liegen bleiben, will er auch in diesem Winter ein Flutlicht-Rodeln organisieren – wie vor zwei Jahren schon einmal.

Wie realistisch ist es denn, dass es noch richtig weiß wird im Südkreis? Die Wetterfrösche müssen es wissen: Sabine Krüger, Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst , sagt für den Landkreis Osnabrück für die kommenden Tage Schnee- und Regenschauer voraus. Während die Tiefsttemperaturen am Donnerstag bei plus zwei Grad lägen, würden für die Nacht zum Freitag minus zwei Grad und Schneefall erwartet. Fürs Wochenende sieht es in Sachen Schnee auch nicht schlecht aus: „Ich gucke den Wetterbericht dreimal täglich“, sagt Linnemeyer und lacht. Ein wenig nachhelfen kann er ja.

Vier Schneekanonen und eine Pistenraupe hat er aus klassischen Skigebieten nach Borgloh gekarrt. Zugegeben, Raupe und Kanone hat ihm keine Behörde vorgeschrieben, aber: „Das ist ausrangiertes Oldtimer-Material, da bin ich ganz günstig rangekommen, das darf“, erklärt der Liebhaber, der insgeheim noch von einer abgelegten Gondel träumt – als Unterstand für Eltern an der Bahn. Bis die Gondel das alpine Ambiente komplettiert, müssen fröstelnde Besucher aber keinesfalls im Schneeregen stehen gelassen werden. In einer selbst gezimmerten Almhütte hat Linnemeyer Platz für Après-Ski geschaffen – „Schankgenehmigung ist vorhanden“, ergänzt der 36-Jährige gewappnet.

Es könnte also losgehen. Seine Kinder haben am vergangenen Wochenende bei dünnem Schneefilm bereits den Stresstest gemacht und im Bob ungefrorene Maulwurfshügel platt gemäht. Linnemeyer selbst hat es sich auch nicht nehmen lassen, die Piste runterzufahren, habe aber noch ordentlich Schwung geben müssen. „Normalerweise sind die Pisten im ersten Drittel steil und flachen dann ab, bei mir ist es eher umgekehrt“, sagt er und nimmt es mit Humor. „Hauptsache abwärts.“

Geöffnet: Wenn’s ordentlich schneit (zehn Zentimeter dicke Schneedecke). Eintritt: für Skifahrer 10 Euro; Ort: Klein Dratum 5, Borgloh