Spenden für Cap Anamur Im Kampf gegen Ebola: Borgloh fühlt mit

Ein „Danke“ von Sierra Leone nach Borgloh schickten die Kinder der Einrichtung „Pikin Paddy“. Foto: Ole HengelbrockEin „Danke“ von Sierra Leone nach Borgloh schickten die Kinder der Einrichtung „Pikin Paddy“. Foto: Ole Hengelbrock

Hilter. Viele Borgloher haben sich ins Zeug gelegt, um Ole Hengelbrock und die Hilfsorganisation Cap Anamur im Kampf gegen Ebola finanziell zu unterstützen. Bundesweit hat die Seuche allerdings keine große Spendenbereitschaft geweckt. Warum funktioniert das Borgloh-Ole-Ebola-Modell so gut?

Ein Mann, ein Dorf – zugegeben, das klingt seltsam, wenn man die Standards einer modernen, individualisierten Gesellschaft anlegt. Und doch gelingt in kleinen gallischen Dörfern immer wieder das, was große Ballungsräume nicht schaffen: „Menschen spenden, weil die humanitäre Katastrophe ein lokales Gesicht bekommt.“ So zumindest nennt Burkhard Wilke, Geschäftsführer vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI), das Phänomen. In diesem Fall ist das lokale Gesicht das von Ole Hengelbrock . Ihn kennen die Borgloher – nicht nur vom Fußball. „Er ist für die Dorfgemeinschaft so etwas wie ein Informations- und Vertrauenszugang direkt ins Ebola-Gebiet“, erklärt Wilke.

Wo es Informationen und Vertrauen gibt, fließen Spenden. „Die Spendenbereitschaft von Menschen ist oft dann gegeben, wenn sie eine Notlage akut mitbekommen. Aus der Familie kennt das fast jeder“, sagt er. Wenn der Enkel pleite ist, springt die Oma ein. Und weil Dorf ein bisschen wie Familie ist, klappt es dort in aller Regel mit der Hilfe auch ganz gut. Trotzdem ist Westafrika weit weg. Zwischen Borgloh und der sierra-leonischen Landeshauptstadt Freetown liegen 7000 Kilometer. Eine Strecke, über die die Informationen zum tödlichen Virus und Empathie für die, die darunter leiden, erst einmal transportiert werden müssen. „Der lokale Helfer ist der direkte Draht“, sagt Wilke.

Das Team vom Borgloher Weihnachtsmarkt hat den Erlös von 6000 Euro inklusive Kollekte vom Firmgottesdienst in diesem Jahr nach Sierra Leone ins Straßenkinder-Projekt „Pikin Paddy“ von Cap Anamur wandern lassen. „Ein super Ergebnis, wenn wir überlegen, dass unser Weihnachtsmarkt nur an einem Sonntag für ein paar Stunden die Tore öffnet“, sagt Organisator Matthias Grewe mit Blick auf schwächere Vorjahre. „Hier investieren viele Helfer ihre Zeit. Das ist toll und es lohnt sich. Vor allem, wenn man von Ole hört, dass die Spenden vor Ort ankommen und die Kinder sich freuen.“ Per Foto wurde der Dank per WhatsApp in wenigen Sekunden aus dem Seuchen-Gebiet nach Borgloh geschickt.

Auch der 870-Euro-Erlös der Gemeinderallye, die vom TuS Borgloh, TuS Hilter und SG Hankenberge-Wellendorf organisiert wurde, wurde für Cap Anamur in Sierra Leone gespendet. Dorthin, wo Ole sich nach seinem Heimaturlaub nicht nur um Straßenkinder, sondern auch um Ebola-Waisen kümmert. „Ole hat hier früher selbst Fußball gespielt und fühlt sich dem Verein noch immer verbunden“, sagte Wilfried Hinrichs, Vorsitzender des TuS Borgloh, zum Auftakt der Veranstaltung im September. „Das Netzwerk in der Heimat ist nicht zu unterschätzen“, sagt Wilke.

Denn: „Ebola ist grundsätzlich ein schwieriges Hilfe-Thema.“ Lange habe es bundes- und weltweit keinen Plan gegeben, wie man helfen könne. „Chaos schreckt Spender ab“, sagt Wilke. Außerdem gilt: „Ohne Bilder keine Spenden.“ Aus den Ebola-Gebieten sei kein vernünftiges Bildmaterial gekommen. „Beim Tsunami war das ganz anders“, nennt der Geschäftsführer des DZI einen Spendenmagnet aus der Vergangenheit. „Da gab es sofort das Bild von extremer Verwüstung.“ Je klarer Gut und Böse voneinander getrennt sind, je eindeutiger Opfer und Täter benannt werden könnten, desto einfacher falle den Menschen das Spenden, beschreibt Wilke den schwarz-weißen Reflex in der Krise.

Bei den humanitären Katastrophen im Jahr 2014 – ob für Kranke im Ebola-Gebiet, für Flüchtlinge aus Syrien oder Gaza – gab es keinen Impuls, der auf Anhieb viele Menschen zur Spende bewegte. Cap Anamur verzeichnet nach eigenen Angaben für Sierra Leone im Zeitraum vom 1. Juli bis Ende Dezember einen Spendeneingang von 232012 Euro. Darunter werde der Verein sicher einen merklichen Spendeneingang aus dem Postleitzahlenbereich 49176 registrieren, vermutete Sprecherin Stefanie Miebach. Momentan seien die Mitarbeiter schwer mit dem Ausstellen der Spendenquittungen beschäftigt – auch für Borgloh.


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