Renovierung bald beendet Werk II in Hilter: Verschollene Glocke wieder aufgetaucht

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hpr Hilter. Die Glocke ist wieder da: Fast 25 Jahre galt sie als verschollen. Früher signalisierte sie auf dem Turm neben dem Hilteraner Rathaus die Pausenzeiten für die Arbeiter in Werk II. Dann wurde die Glocke irgendwann herabgeholt und unten abgestellt. Am nächsten Morgen war das gute Stück verschwunden.

Seit Wochen ist der Turm eingerüstet. Nun nähern sich die Renovierungsarbeiten ihrem Ende. Das Mauerwerk und die Fassaden vom Schmutz der Jahre befreit, neue Dachpfannen, neue Holzfenster, die aufgearbeiteten und rot-weiß bemalten alten Fensterläden und ein neues Turmtor machen bald aus dem heimlichen Wahrzeichen Hilters wieder ein Schmuckstück. Bauherr Thomas Rabe wünschte sich gewissermaßen als i-Tüpfelchen des Aufwandes aber wieder eine Glocke.

Die war bald gefunden. Werner Witte hatte seit dem Verschwinden des Originals gesucht und war in Hamburg fündig geworden. Schon seit fast zehn Jahren steht der Ersatz in seiner Werkstatt und sollte schon in den nächsten Wochen wieder ins Turmhäuschen gebracht werden. Bei der Suche nach fachkundigen Mitstreitern rief Hauptamtsleiter Ulrich Rüter von der Gemeindeverwaltung Manfred van der List an, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder für die Verschönerung des Ortsbildes eingesetzt hat.

Als Rüter ihm sein Anliegen vorgetragen hatte, meinte van der List nur: „Warum nehmt ihr nicht die Originalglocke?“ Und klärte auf: Seit vielen Jahren steht die verschollene Glocke schon in seiner Werkstatt. Eines Morgens habe sie einfach so vor seiner Werkstatttür gestanden, mit Gestell, Klöppel und Seilhalterung. „Genauso, wie wir sie damals aus dem Turm geholt haben“, stellte der heute 74-Jährige fest. „Wir haben sie da rausgeholt, weil die Holzhalterungen wurmstichig und morsch waren – die wäre irgendwann die 18 Meter runter durch die alten Etagendielen gerauscht“.

Dass van der List das Original in seine Obhut genommen hatte, war seinem Freundeskreis bekannt, sei aber wohl in Vergessenheit geraten. Nun soll die alte Glocke von Schmutz und Rost befreit werden und zur Krönung der Renovierung des denkmalgeschützten Turmes wieder aufgezogen werden. Hausherr Thomas Rabe, Inhaber der Firma Rabe Moden : „Ich bin Herrn van der List sehr dankbar.“ Wenn es nach Rabe geht, soll die Glocke noch vor Weihnachten wieder klingen. Architektin Ulrike Vornhülz arbeitet jetzt die notwendige Elektro-Installation aus.

50 Kilogramm schwer

Da die Sanierung des Turmes bald abgeschlossen wird, ist Eile geboten. Über das Baugerüst könnte die rund 50 Kilogramm schwere Glocke einfach nach oben befördert werden, später müssten Kran oder Hubwagen ran. Dass die Glocke demnächst wieder im renovierten Turm zu hören ist, erfreut ganz besonders Alt-Bürgermeister Wilhelm Wellinghaus : „Darüber freue ich mich unwahrscheinlich“. Zu lange seien Turm und Werk II kein gutes Aushängeschild für Hilter gewesen.

Ulrike Vornhülz hat bei der Renovierung des alten Turmes, der trutzig-mittelalterlich neben dem Rathaus thront, die enge Abstimmung mit der Denkmalpflege gesucht. Das Bauwerk wird dem Baumeister Johann Conrad Schlaun zugeschrieben , der 1752 die Pläne für das Hilteraner Rathaus gezeichnet hat, das die Familie Hartmann bauen ließ.

Der Glockenaufsatz ist um 1922 entstanden, als in Werk II Marmelade und Himbeersirup hergestellt wurden, wie Werner Witte weiß, der viele Facetten der Ortsgeschichte von Hilter aufgeschrieben hat. Bis dahin hatte die Fabrikantenfamilie Hartman-Hilter in den Werkshallen neben dem Turm Schnaps gebrannt und später das legendäre Teutonen-Bräu gebraut. 1956 nahm hier die Firma Rau eine Margarine-Abfüllanlage in Betrieb. Zuletzt wurden in Werk II, vom dem nur noch ein paar Grundmauern stehen, Holzpaletten aufgearbeitet.

Als Architektin Ulrike Vornhülz ihre Arbeit aufnahm, durften Turm und die umgebenden Gebäudereste getrost als Ruine bezeichnet werden. Drinnen gab es lediglich Metall-Bodenrosten, vermutlich als Ersatz für die ehemals vorhandenen hölzernen Dielenböden in den Etagen. Heute ist das Gemäuer vom Boden bis zum Dach leer. Zuletzt waren die Fenster stark zerstört und Scheiben eingeschlagen. Dem guten Zustand des alten Mauerwerks konnte das jedoch nichts anhaben. So sollen auch die Mauerreste vom ehemaligen Werk II in ein neues Gebäude integriert werden, das an das neue Outlet-Center angedockt werden soll. Wie der Anbau letztlich genutzt wird, steht noch nicht fest, aber die Verhandlungen mit potenziellen Mietern laufen, machte Vornhülz deutlich.


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